Bauplanung

Dietiker Siedlung erhält ein neues Gesicht – so profitiert Quartier und Stadt vom 48-Millionen-Projekt

Die geplanten Neubauten: Unter den brückenartigen Balkonen ergeben sich grosse Zugänge.

Die geplanten Neubauten: Unter den brückenartigen Balkonen ergeben sich grosse Zugänge.

74 statt 56 Wohnungen: Die Baugenossenschaft Schönheim plant einen Ersatz ihrer Dietiker Siedlung «In der Lachen».

Die Baugenossenschaft Schönheim hat in der Stadt Dietikon Grosses vor: Sie will ihre Siedlung «In der Lachen», die aus den 1940er- und 1950er-Jahren stammt, abbrechen und durch eine neue Überbauung ersetzen. Bei der BDB-Haltestelle Bergfrieden sollen 74 Eineinhalb- bis Fünfeinhalb-Zimmerwohnungen, ein Doppelkindergarten und ein Gemeinschaftsraum entstehen. Bislang umfasste die Siedlung 56 Wohnungen und einen einfachen Kindergarten.

Derartige Erneuerungen seien für die Baugenossenschaft immer ein Kraftakt, sagt deren Präsident Roland Verardo. Immerhin würde bei derartigen Projekten jeweils rund zehn Prozent ihres gesamten Wohnungsbestandes erneuert. Entsprechende Erfahrung hat die Baugenossenschaft aber, die in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen feiert: Denn rund 500 ihrer 700 Wohnungen stammen noch aus der Gründungszeit. Viele Siedlungen wurden deshalb kürzlich bereits erneuert oder deren Neubau steht – wie in diesem Sommer in der Siedlung Lanzrain in Oberengstringen mit 71 Wohnungen – an.

Der Dietiker Stadtrat hat den privaten Gestaltungsplan, der die Ersatzbauten in Dietikon ermöglichen wird, zuhanden des Parlamentes verabschiedet. Er spricht sich klar für das Projekt aus: «Das Quartier und die Stadt profitieren in verschiedener Hinsicht vom geplanten Vorhaben», schreibt der Stadtrat in seinem Antrag. So erhalte die Öffentlichkeit eine Fusswegverbindung von der Holzmattstrasse zur BDB-Haltestelle. Zudem komme die Stadt zu einem benötigten Doppelkindergarten, den sie langfristig mieten könne. Gemäss einer vorliegenden Absichtserklärung zwischen der Stadt und der Baugenossenschaft wird der Mietzins auf Basis der Kostenmiete berechnet.

Die heute zweigeschossigen ­Gebäude werden durch meist viergeschossige Liegenschaften ersetzt.

Die heute zweigeschossigen ­Gebäude werden durch meist viergeschossige Liegenschaften ersetzt.

Obwohl die Zahl der Wohnungen von 56 auf 74 steigen soll, bleibt die Ausnützung im Rahmen der geltenden Bauordnung, hält der Stadtrat weiter fest. Die geplante Geschossfläche liegt rund 1,4 Prozent über dem Wert, der auch ohne Gestaltungsplan möglich wäre. Deshalb macht die Stadt keinen Mehrwertausgleich geltend; einen solchen Beitrag fordert sie gemäss den stadträtlichen Richtlinien erst bei einer Mehrausnützung von mehr als zehn Prozent ein. Mit dem Gestaltungsplan müsse die Baugenossenschaft aber «höhere energetische Standards erfüllen».

Genossenschaft investiert rund 48 Millionen Franken

Mit ihrem Projekt werde die Baugenossenschaft Schönheim eine Überbauung realisieren, die «optimal auf die Bedürfnisse eines modernen, gemeinschaftlichen Wohnens ausgerichtet ist», schreibt der Stadtrat weiter. Für die Genossenschaft handelt es sich laut Verardo beim 48-Millionen-Projekt um ein «sehr wichtiges Vorhaben»: So könnten «In der Lachen» wieder attraktive und moderne Wohnungen angeboten werden.

Die neuen Baukörper sind an den Arealrändern angeordnet und lassen die Mitte frei, die als gemeinschaftlicher Erschliessungsraum, Aufenthaltsort und Spielplatz ausgelegt ist. Dennoch bleibt gemäss Stadtrat auch von aussen, vom umgebenden Quartier, viel Offenheit und Durchlässigkeit – dank einer «eigentlichen Erfindung des Projekts». Denn die einzelnen Baukörper bleiben vergleichsweise kurz. Jeweils zwei von ihnen sind aber durch brückenartige Balkone miteinander verbunden. Damit ergeben sich ebenerdig Zugänge zum Innenhof der neuen Überbauung. «Diese regeln den Zugang zum Binnenraum der Siedlung, aber nicht im Sinn eines Verbots, sondern eines Hinweises, dass hier der Raum der Siedlungsgemeinschaft betreten wird.»

Die heute zweigeschossigen ­Gebäude werden durch meist viergeschossige Liegenschaften ersetzt. Diese Höhe relativiert der Stadtrat: Das oberste Voll­geschoss sei gemäss der Attika-Regel um zweieinhalb bis vier Meter zurückversetzt. Die sichtbare Gebäudesilhouette liege damit nahe bei der Grundordnung. «Die geschickt über grossen Vordächern zurück­versetzten Attikageschosse sind aus der Nähe kaum wahr­zunehmen und lassen die ­Gebäude gegen die Nachbarschaft hin als dreigeschossig ­erscheinen.»

Im Rahmen der öffentlichen Auflage waren drei Einwendungen mit zwölf Anträgen ein­gegangen. Die Hälfte davon wurde teilweise oder ganz berücksichtigt. Bei den nicht berücksichtigten Einwendungen ging es insbesondere um die Gebäudehöhe sowie die Verbindung einzelner Baukörper mit der gemeinsamen Eingangszone und Balkonschicht: Der Stadtrat beurteilte das Projekt insgesamt als «günstig für die betroffene Nachbarschaft». Er verwies dabei auf die Stellung und Lage der Gebäude sowie auf die Gebäudeform mit den abgeschrägten Ecken. «Es könnte ein Regelbau mit deutlich ungünstigeren Auswirkungen auf die Nachbarschaft erstellt werden.» Der Stadtrat beantragt deshalb dem Parlament, dass der vorliegende private Gestaltungsplan genehmigt wird.

Die Baugenossenschaft Schönheim rechnet, wenn keine Einsprachen eingehen, mit einem Baubeginn im Sommer 2021. «Für das langfristige Wohlergehen der Genossenschaft ist die Erneuerung essenziell», sagt Roland Verardo.

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