Dietikon
Dietiker Schülerinnen organisieren Wohltätigkeitsfest

Um Menschen in Not zu helfen, organisieren zwei Schülerinnen ein Wohltätigkeitsfest. Sie haben ihre Idee persönlich beim Roten Kreuz in Zürich vorgestellt.

Bettina Hamilton-Irvine
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Die beiden Schülerinnen.

Die beiden Schülerinnen.

Limmattaler Zeitung

«Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.» Dass Jugendliche generell faul und gleichgültig seien, wie schon Sokrates vor bald 2500Jahren kritisierte, wird auch heute gern beklagt. Wer jedoch die beiden Dietiker Schülerinnen Tamara Matovic und Ramona Iuffrida trifft, bekommt einen gänzlich anderen Eindruck.

Spende für Kriegs- und Folteropfer

Die beiden Jugendlichen haben beschlossen, ein Wohltätigkeitsfest zu organisieren, um Geld für einen guten Zweck zu sammeln. «Uns geht es so gut, während andere Menschen leiden und traurig sind», sagt die 14-jährige Tamara, die wie ihre 13-jährige Freundin die 8.Klasse im Schulhaus Zentral besucht. «Wieso dann nicht helfen?» Dass die Idee funktioniert, haben die beiden schon anderweitig gesehen: Eine Kollegin habe ein ähnliches Projekt initiiert, welches die beiden Freundinnen dazu inspirierte, selber aktiv zu werden.

Um sich zu informieren, wohin das gesammelte Geld sinnvoll gespendet werden könnte, haben die Oberstufenschülerinnen ihre Idee bereits persönlich beim Roten Kreuz in Zürich vorgestellt. Von den zehn ihnen vorgeschlagenen Projekten hätten sie sich schliesslich für das Ambulatorium für Kriegs- und Folteropfer in Bern entschieden, erzählt Tamara. Die Einrichtung, welche durch Folter und Krieg traumatisierten Menschen Therapien ermöglicht, sei ihn besonders unterstützungswürdig erschienen. «Das sind Leute, die wirklich unsere Hilfe brauchen», sagt Ramona.

Um den Kriegsopfern wieder «ein Lächeln auf das Gesicht zaubern zu können», wie Tamara sagt, hoffen die beiden nun, möglichst viel Geld zu sammeln. Doch bis dahin gibt es noch viel zu tun. Zurzeit laufen die Vorbereitungen für das Fest, welches am 5.März im Dietiker Pfarreizentrum St.Agatha steigen wird, auf Hochtouren. Die zwei Schülerinnen, welche sich zur Unterstützung noch drei weitere Schüler und eine Schülerin ins Organisationskomitee geholt haben, kümmern sich dabei von der Buchung des Veranstaltungsortes über Einkäufe und Organisation der Infrastruktur um alles selbstständig. «Wir haben zwar mit unserem Hauptlehrer gesprochen und er unterstützt uns, wo nötig», sagt Ramona. «Wir übernehmen aber die Verantwortung für alles», betont Tamara.

Musik, Tanz, Tombola und Snacks

Geboten wird am Fest, zu dem die ganze Oberstufe und Lehrerschaft eingeladen ist, einiges: So treten Sing- und Tanzgruppen und die Schülerband auf, es gibt eine Tombola, Snacks und Getränke. Auch Tamara und Ramona werden in verschiedenen Formationen nicht weniger als vier Mal auf der Bühne stehen. Zusätzlich planen sie einen kurzen Vortrag, in dem sie über den Zweck des Abends informieren. Geld soll durch den Eintrittspreis, Konsumation und Tombolatickets zusammenkommen.

Damit das Fest ein Erfolg wird, investieren die Jugendlichen einiges: «Wir opfern sehr viel Freizeit», sagt Ramona. So seien sie unter anderem mit einer Bestätigung ihres Lehrers bei verschiedenen Geschäften in Dietikon und Spreitenbach vorstellig geworden, um Preise für die Tombola zu sammeln. «Die meisten fanden unsere Idee toll und haben uns unterstützt», erzählt Tamara. Von Kinogutscheinen über Bücher und Taschen bis zu Kosmetika sei so einiges zusammengekommen. Auch von anderer Seite kommt Unterstützung: Der Saal des Pfarreizentrums, der bis zu 220Personen fassen kann, sowie Soundanlage und weitere Infrastruktur wird den Jugendlichen gratis zur Verfügung gestellt.

Begeistert von der Initiative der beiden Mädchen ist auch der Dietiker Jugendbeauftragte Amaha Linsi, der abklären will, ob das Projekt allenfalls über die Stiftung Jugendförderung unterstützt werden kann. «Ich finde es ganz toll, dass die beiden sich auf diese Art und Weise engagieren», sagt er. Dass sich Jugendliche, trotz der Umbruchphase, in der sie sich befänden, für wohltätige Zwecke einsetzten, sei wunderbar.

Fortsetzung möglich

Nun hoffen die beiden von ganzem Herzen, dass alles klappen wird. «Wir wünschen uns, dass der Saal gefüllt und die Stimmung toll wird – und dass genug Geld für die Spende zusammenkommt», sagt Tamara. Wenn alles so laufe wie geplant, würden sie gerne weitere Wohltätigkeitsfeste organisieren, ergänzt Ramona. Wenn das nur Sokrates wüsste.