Mit Schonern um die Knie klettert ein Mann auf das Dach seines Gartenhäuschens. Überall hat es Löcher. Der Hagel zum diesjährigen Sommeranfang zerstörte nicht nur Beeren und Gemüse, sondern auch die Überdachungen vieler Pergolas in den Schrebergärten des Familiengarten-Vereins «In den Weinreben». Die Dächer müssen repariert werden, und zwar möglichst bald. Man möchte sein kleines Wohnzimmer im Grünen schliesslich im besten Zustand präsentieren, wenn sich am Wochenende die Türen für Besucher öffnen. Denn heute und morgen lädt der Verein zur Gartenbesichtigung inklusive Festwirtschaft und Unterhaltungsprogramm. Er feiert sein 50-jähriges Bestehen.

Buntes Gemisch von Nationen

Das Areal umfasst eine Fläche von 242 Aren und bietet 2 WC-Anlagen sowie ein Vereinslokal, das jeden Samstagnachmittag zum Austausch einlädt. Rund 97 aktive Pächter bewirtschaften derzeit ihre 2 Aren grosse Parzelle unterhalb des Bruno-Weber-Parks. Mit der Vereinsgründung 1964 wurde die ursprüngliche Rinder- und Pferdeweide auf Aargauer Boden von der Stadt Dietikon dem Verein verpachtet.

Waldemar Köhli ist seit über dreissig Jahren im Verein und leitet nun das OK-Team des Festes. Er freut sich darauf, Besucher durch die Gärten zu führen, mit ihnen an den Festbänken zu sitzen und gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern das Jubiläum zu geniessen. Es habe sich im Verein einiges verändert in den letzten Jahren. Manche Gärtner gaben ihr Hobby aufgrund von Einbrüchen und Diebstählen im Schrebergarten auf. Andere seien mittlerweile nicht mehr in der Verfassung für die strenge Gartenarbeit. An deren Stelle kamen neue Pächter, meist aus anderen Kulturen und vermehrt auch wieder junge Familien. «Wir haben hier ein buntes Gemisch von Nationen und Generationen», sagt Köhli. Das Nebeneinander mit der neuen Nachbarschaft funktioniere zwar gut. Einzig der Zusammenhalt sei nicht mehr so stark wie früher. Man benötige noch ein wenig Zeit, um sich näher zu kommen.

Gemüse, Früchte und Ruhe

Mit Wohlwollen schaut Köhli auf den Garten seines Nachbars. «Viele der neuen Mitglieder versorgen sich mit Gemüse und Früchten selbst, so wie man es früher auch machte.» Verschiedene Salatsorten, Bohnen, Kürbisse, Kartoffeln und Peperoni gehören heute zu den «Rennern» unter dem Gemüse. Bei den Früchten sind es vor allem Beeren, aber auch Feigen oder Exoten wie Kiwis. «Die Natur gibt vieles her, man muss nur mit ihr zusammenarbeiten», sagt Köhli. Wer sich aber nicht um seinen Garten kümmert, ihn verwildern lässt, wird in einem Brief ermahnt und muss im schlimmsten Fall seine Parzelle abgeben.

Köhli selbst nutzt seinen Garten vor allem, um zur Ruhe zu kommen. Sein Häuschen hat er, wie die meisten seiner Gärtnerkollegen, mit einer Überdachung aus Wellplastik erweitert. Darunter stehen Tisch und Eckbank. Nicht fehlen darf der Grill. Auf der kleinen Wiese steht eine Hollywoodschaukel für ruhige Arbeitspausen. Sechs Jahre musste er warten, bis er 1981 den Platz zugesprochen bekam. «Es gab damals Wartelisten mit bis zu 60 Personen.»

Zu Beginn waren es vor allem die einfachen Arbeiter, die ihren Feierabend mit der Familie im Schrebergarten am grünen Stadtrand geniessen wollten. Später, so der ehemalige EVP-Gemeinderat, haben sich die Werte verändert. «Man wollte lieber einen guten Job und eine schöne Wohnung. Da gab es keine Zeit mehr für ein Gartenhäuschen.» Die Mitgliederzahlen sanken in der Folge und vor einigen Jahren musste man per Inserat neue Pächter suchen.

Mittlerweile sind fast alle Parzellen wieder besetzt. Der Zusammenhalt unter den Gärtnern habe aber ein wenig abgenommen. Nur noch wenige erscheinen samstags im Vereinslokal, um sich bei einem Bierchen auszutauschen. Zumindest heute und morgen dürfte aber mit den Gästen genug Betrieb und Geselligkeit in das Gartenareal kommen.