Dietikon
Dietiker Schläger muss zahlen statt sitzen

Ein eifersüchtiger Baggerführer aus Dietikon hat einen Nachbarn mit einem «Schwedenkuss» verletzt. Am Freitag wurde er verurteilt: Statt einem Gang ins Gefängnis muss der vorbestrafte 23-Jährige eine Busse von 5400 Franken zahlen.

Attila Szenogrady
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Das Zürcher Obergericht wandelte Haftstrafe in eine Geldstrafe um. (Archiv)

Das Zürcher Obergericht wandelte Haftstrafe in eine Geldstrafe um. (Archiv)

Keystone

Die Vorwürfe der Anklage waren vor Obergericht nicht mehr bestritten. So hatte der heute 23-jährige Baggerführer aus Dietikon am 19. Mai 2009 an seinem Wohnort im Treppenhaus einen Nachbarn attackiert und ihn mit einem Kopfstoss gegen die Stirn erheblich verletzt.

Der einzige Grund für den «Schwedenkuss» war die Tatsache, dass der slowenische Geschädigte der Freundin des Beschuldigten wegen ihres Parfüms ein Kompliment gemacht hatte. Für den eifersüchtigen Syrer war dies Grund genug, um mit einem möglichen Nebenbuhler sogleich brutal abzurechnen.

Widerruf der Vorstrafe

An Weihnachten 2009 leistete sich der Beschuldigte zudem als Lenker eines fremdfinanzierten Sportwagens der Marke BMW in vier Tagen gleich zwei Blaufahrten. Bei der zweiten Polizeikontrolle setzte er sich zur Wehr und konnte nur nach einer heftigen Rangelei überwältigt werden.

Im Oktober 2010 stand der einschlägig vorbestrafte Araber zuerst vor dem Bezirksgericht Dietikon. Er wurde damals wegen Körperverletzung, mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Fahrens trotz Entzug des Führerausweises sowie Hinderung einer Amtshandlung zu einer gerade noch bedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Das Dietiker Gericht ging aber von einer schlechten Prognose aus und widerrief eine ehemals bedingte Vorstrafe von zehn Monaten Freiheitsentzug.

Letzte Chance verlangt

Die Verteidigung legte Berufung ein und setzte sich am Freitag vor dem Zürcher Obergericht für den Verzicht des Widerrufes ein. Der Rechtsanwalt machte geltend, dass sich sein Klient schon seit zwei Jahren wohl verhalte und in der Schweiz gut integriert sei. Eine längere Freiheitsstrafe wäre unverhältnismässig und würde einen in Aussicht stehenden Job gefährden. Zu den Verkehrsdelikten führte der Anwalt aus, dass der längere Entzug des Führerausweises die beste und wirksamste Strafe sei.

Das Obergericht lehnte eine gesamte Bewährungsstrafe infolge der einschlägigen Vorstrafen wegen Gewaltdelikten klar ab. Es liege keine gute Prognose beim rückfälligen Täter vor, hielt einer der Oberrichter fest. Trotzdem kam die Strafkammer dem Beschuldigten zum Schluss entgegen. So verzichtete sie auf einen Widerruf der zehnmonatigen Freiheitsstrafe und wandelte die nun unbedingte Hauptstrafe von sechs Monaten in eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 30 Franken um. Das bedeutet, dass der Limmattaler 5400 Franken zahlen, jedoch nicht mehr ins Gefängnis muss. Das Obergericht sprach von einer allerletzten Chance für den Beschuldigten.