Limmattal
Dietiker Reformierte stellen sich gegen Gemeindefusionen

Die Kirchenpflegen des Bezirks kritisieren das Projekt «KirchGemeindePlus» in einem gemeinsamen Brief an den Kirchenrat. Die Diskussion um die Fusion der Kirchengemeinden werde zur Farce, heisst es im schreiben.

Florian Niedermann
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Die reformierten Kirchenpflegen des Bezirks wollen keine Fusionen.mu

Die reformierten Kirchenpflegen des Bezirks wollen keine Fusionen.mu

Die reformierten Kirchenpflegen der Region halten wenig von der Idee, die Kirchgemeinden zu grösseren Einheiten zusammenzuschliessen. Sie stellen sich in einem gemeinsamen Brief an den kantonalen Kirchenrat gegen dessen Projekt «KirchGemeindePlus», das vergangenen Freitag präsentiert wurde.

Das Projekt sieht vor, dass die rund 180 Kirchgemeinden im Kanton Zürich bis 2018 zu deutlich weniger, dafür grösseren Einheiten fusionieren sollen.

Damit will die reformierte Kirche auf den Mitgliederschwund und die sinkende Bereitschaft in der Bevölkerung zur Mitarbeit in kirchlichen Ämtern reagieren.

«Diese Pläne sorgten in den Kirchenpflegen des Bezirks Dietikon für hitzige Diskussionen. Deshalb haben wir uns zu einer internen Aussprache getroffen», sagt der Urdorfer Kirchenpflegepräsident Alfred Bruppacher.

Im Anschluss daran verfassten die Präsidien eine gemeinsame Stellungnahme an den Kirchenrat.

«Diskussionen werden zur Farce»

Drei Themen stehen in diesem Brief im Vordergrund. Zunächst kritisieren die Kirchenpflegen das Vorgehen des Kirchenrats.

Er habe im Vorfeld vier mögliche Modelle zur Förderung der übergemeindlichen Zusammenarbeit präsentiert, dabei aber bereits das «Modell D», das die Gemeindefusionen beinhaltet, priorisiert.

Die Einengung der Thesen, der zeitliche Rahmen und die Anstellung eines Projektleiters seien «schwerpunktartig auf Modell D ausgerichtet», so die Kirchenpflegen. Damit würde «eine Grundsatzdiskussion in den Gemeinden zur Farce werden».

Ziele legitimieren Mittel nicht

Weiter fordern die Kirchenpflegen eine exakte Definition der Ziele des Projekts «KirchGemeindePlus». «Uns ist unklar, was mit diesem Projekt erreicht werden soll», schreiben sie.

Zwar habe der Kirchenrat mit der «Verbesserung des (millieuflexiblen) Angebotes», der «Konzentration der Mittel» und den «notwendigen Veränderungen» einige Punkte genannt, doch lasse sich damit eine «so tiefgreifende Veränderung» der kirchlichen Strukturen nicht begründen.

«Aus unserer Sicht muss die Kirche nahe bei den Menschen bleiben. Wir sind überzeugt, dass gerade in unserem Bezirk Fusionen zur Entfremdung von der Landeskirche und damit zu vermehrten Kirchenaustritten führen würden», so die Kirchenpflegen.

Drittens ziehen die Kirchenpflegen des Bezirks den Fusionen eine verstärkte Zusammenarbeit unter den Gemeinden vor. Für sie komme nur eine der Reformthesen des Kirchenrats – das Modell A – infrage.

Es sieht vor, dass jene Gemeinden, in denen eine Fusion nicht möglich ist, niederschwellige Kooperationsmodelle anstreben sollen.

Die Begründung der Kirchenpflegen: «Wir arbeiten in unserem Bezirk schon seit einigen Jahren im Sinne dieses Modells.» Sie seien davon überzeugt, dass nur dieser Lösungsansatz für den Bezirk Dietikon «realistisch und umsetzbar» sei.

Kritik an der geplanten Fusion

Der Dietiker Kirchenpflegepräsident Walter Briner erklärt auf Anfrage, dass er eine verstärkte Zusammenarbeit der Kirchgemeinden sicher befürworte. «Aber eine Fusion ist im Limmattal oft nur schon wegen der räumlichen Distanz nicht sinnvoll.»

Ähnlich sieht dies auch die Birmensdorfer Kirchenpflegepräsidentin Susanna Stähelin Eglin: «Die Nähe zu den Gläubigen ist wichtig. Ohne sie fällt es auch viel schwerer, Leute zu finden, die sich zur Mitarbeit in der Gemeinde motivieren lassen.»

Sie begrüsse es, dass die Landeskirche anstehende Probleme angehe. «Ich frage mich aber, ob der vorgeschlagene Lösungsansatz der Weisheit letzter Schluss ist.»

Auch die Schlieremer Kirchpflegepräsidentin Ursula Gütlin-Plüer findet, man solle den Kirchenmitgliedern ihre direkten Ansprechpersonen nicht wegnehmen. «Ich könnte mir aber vorstellen, dass einzelne Gemeinden andere beim Finanz- und Personalwesen entlasten würden.» Dies müsse aber im Hintergrund geschehen, so Gütlin.