Dietikon ist nicht gleich Dietikon: Das eher multikulturelle Quartier Schönenwerd mit dem Bahnhof Glanzenberg unterscheidet sich grundlegend vom Weinberg, dem höchstgelegenen und exklusiven Stadtteil mit vielen Einfamilienhäusern und Villen. Um sich für eine lebendige Nachbarschaft und die Anliegen der Bewohner einzusetzen, können Quartiervereine wichtige Arbeit leisten.

Dazu bekennt sich die Stadt: «Der Stadtrat begrüsst ein reges Leben in den Quartieren und befürwortet die Gründung von Quartiervereinen. Eine Ausweitung über die ganze Stadt wäre im Sinne der Quartierbelebung sehr wünschenswert», schreibt er in der Antwort auf eine Interpellation von FDP-Gemeinderat Peter Metzinger, der auch als Präsident des Quartiervereins Limmatfeld amtet. Dieser wollte wissen, wie die Unterstützung von Quartiervereinen in Dietikon geregelt ist und was die Stadt unternimmt, um die Arbeit der Quartiervereine zu fördern.

In der stadträtlichen Antwort heisst es weiter, dass noch in diesem Jahr «ein partizipativer Planungsprozess startet», bei dem sich die Bevölkerung einbringen könne. «Daran wollen wir uns unbedingt beteiligen», sagt Daniela Frieden, Präsidentin des Quartiervereins Altberg. Zudem arbeiten die Standortförderung und die Stadtentwicklung derzeit an Konzepten, wie die Entstehung von Quartiervereinen «ideell unterstützt und vorangetrieben werden kann», heisst es weiter in der Antwort.

Gleichzeitig stellt der Stadtrat klar, dass man sich nicht in das Leben der Quartiervereine einmische und die Gründung neuer Vereine grundsätzlich durch die Menschen in den Quartieren erfolgen soll. So liege es an den Vereinen, ihre Bedürfnisse an die Stadt heranzutragen. Diesen Grundsatz begrüsst Daniela Frieden: «Es ist richtig, dass die Quartiere selber etwas machen müssen und nicht nur fordern dürfen.» Im eher engen Altberg-Quartier mit vielen spielenden Kindern sei ein Fahrverbot weiterhin das wichtigste Vereinsanliegen. Den Austausch mit der Stadt hat sie seit der Gründung des Vereins vor rund einem Jahr positiv wahrgenommen.

«Antwort ist widersprüchlich»

«Standortförderer Adrian Ebenberger ist offen für unsere Anliegen und sichtlich bemüht, dass wir Gehör finden. Das gilt auch für Stadtpräsident Roger Bachmann», sagt Quartiervereinspräsident Metzinger. Mit der stadträtlichen Antwort ist er aber nicht wirklich zufrieden. «Sie ist widersprüchlich. Es tönt, als hätten mehrere Leute daran geschrieben und sich nicht abgesprochen», sagt er. Es irritiere ihn, dass die Stadt ihre Distanz betone, aber trotzdem eine enge Unterstützung und partizipative Prozesse in Aussicht stelle. «Die Antwort entspricht nicht überall dem, wie wir die Zusammenarbeit mit der Stadt erleben», sagt Metzinger.

Zu den Bemühungen der Stadt zählt auch der im vergangenen November vorgestellte Stadtentwicklungsdialog (die Limmattaler Zeitung berichtete). Im Auftrag der Stadt gehen Teams der Büros Denkstatt und Buser im Februar und März mit ihrem mobilen «Studio Dietikon» raus in die Quartiere. Aus dem Dialog mit der Bevölkerung soll ein Film entstehen. Kostenpunkt: 200 000 Franken. «Die Idee ist gut, aber die Kosten sind massiv überrissen», findet Metzinger und fordert «Taten statt Worte».

Mit dem gleichen Geld könnten die Quartiervereine viel mehr machen, sagt er. Etwa im Sommer einen Seeschiffcontainer auf dem Rapidplatz als Café betreiben. Und generell sieht er noch Potenzial bei der Vernetzung zwischen den einzelnen Vereinen: «Wir wünschen uns, dass noch mehr Quartiervereine aktiv werden und mit uns zusammenarbeiten.»