Schlieremer Muslime sollen ab Frühjahr 2014 in einem separaten Grabfeld auf dem städtischen Friedhof bestattet werden können. Das hat der Schlieremer Stadtrat am Donnerstag bekannt gegeben (Limmattaler Zeitung vom 22. Februar) - davon profitieren werden jedoch nur die Schlieremer, das Grabfeld soll exklusiv für Einheimische sein.

Die Dietiker Muslime beissen bei ihrer Exekutive nach wie vor auf Granit: «Bisher sah der Stadtrat davon ab, Grabfelder für Muslime auszuscheiden», hielt Stadtpräsident Otto Müller fest. Man erachte es als grosse Errungenschaft, dass Verstorbene aller Religionen gemeinsam die letzte Ruhe finden könnten. Doch die Islamische Gemeinschaft in Dietikon, die bereits 2008 eine erste Anfrage betreffend Grabfeld beim Dietiker Stadtrat deponiert hat, will nicht klein beigeben. «Wir werden uns weiter für ein muslimisches Grabfeld in Dietikon einsetzen», sagte Präsident Cengiz Yükseldi gestern auf Anfrage. Das weitere Vorgehen werde nun innerhalb der Gremien besprochen.

Versicherung für Todesfall

Aufgeben sei für sie kein Thema, ein Grabfeld sei für die Dietiker Muslime ein grosses Bedürfnis. Die heutige Situation sei schwierig, sagt Yükseldi. «Wir leben und arbeiten hier, viele von uns haben den Schweizer Pass. Aber hier unsere letzte Ruhe finden können wir nicht.» Insbesondere für die zweiten und dritten Generationen, die in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind, sei dies belastend. «Die jungen Menschen haben keine Beziehung zum Heimatland ihrer Eltern oder Grosseltern mehr.»

Dazu komme, dass viele Muslime ihre Liebsten lieber in der Schweiz bestatten möchten, um das Grab regelmässig besuchen zu können, so Yükseldi. «Das Grab eines geliebten Menschen nur in den Ferien sehen zu können, ist für Angehörige keine einfache Situation.» Belastend ist auch der finanzielle Part: Die Rückführung eines Verstorbenen mit dem Flugzeug ist teuer und übersteigt oftmals die Möglichkeiten der Angehörigen. Damit die Bestattung gewährleistet ist, hat die Schweizerische Islamische Gemeinschaft (SIG), zu der auch die Dietiker Gemeinschaft gehört, eine Bestattungsversicherung eingeführt. Mitglieder können einen jährlichen Beitrag von 50 Franken bezahlen, die SIG wiederum regelt im Todesfall alles Organisatorische; von der Rückführung ins Heimatland mit der Beschaffung aller nötigen Dokumente bis zur Bestattung.

Unterstützung bekommen die Dietiker Muslime von der Vereinigung der islamischen Organisationen Zürich (VIOZ) und der Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz, kurz GMS, die sich in verschiedenen Städten für die Schaffung von muslimischen Grabfeldern einsetzt. Die VIOZ bedauert die Haltung Dietikons, dass Muslimgrabfelder «zum momentanen Zeitpunkt kein Thema» seien. Laut Mediensprecher Muhammad M. Hanel nehme man dies aber in angemessener Geduld zur Kenntnis. GMS-Präsident und Dietiker alt Regierungsrat Markus Notter zeigte sich optimistisch. Noch erwarte man vom Dietiker Stadtrat eine Antwort auf eine entsprechende Anfrage, so Notter. «Ich bin aber zuversichtlich, dass sich hier etwas tun wird.»