Als Anita Triaca und Fabian Brandenberger letztes Jahr die Kooperative Basimilch gründeten, wussten sie noch nicht, was da alles auf sie zukommt. Sie wussten nur: Ihre hochwertige Bio-Milch – von Kühen mit Hörnern und Namen statt Nummern – für 50 Rappen pro Liter dem Grossverarbeiter Emmi abzutreten, der sie aufgrund der kleinen Menge mit normaler Milch vermischt und verkauft: Das kann es langfristig nicht sein.

Etwas müde sieht das Dietiker Bauernpaar aus, als es am grossen Holztisch in der Küche des alten Basi-Bauernhauses sitzt und erzählt, wie in den letzten Monaten aus dem lange gehegten Wunsch ein funktionierender Betrieb wurde. Anita Triaca sagt: «Es ist schon ein enormer Aufwand. Aber er lohnt sich.» Draussen regnet es, die Kühe sind in den Ställen; in der kleinen Hofkäserei warten vier schwere Käselaibe darauf, gerollt und benummert zu werden. Aus ihnen könnte der erste einjährige Käse der Milchgenossenschaft werden – wenn er gelingt. «Auch wenn die Hofkäserei nächstes Jahr zehnjährig wird und unterdessen viel Erfahrungen gesammelt hat, ist guter Käse keine Selbstverständlichkeit», sagt Brandenberger.

In der Hofkäserei: Fabian Brandenberger dreht die frischen Käse und verpasst ihnen eine Nummer.

In der Hofkäserei: Fabian Brandenberger dreht die frischen Käse und verpasst ihnen eine Nummer.

Gerne mal was Neues probieren

Denn ein Experiment ist nicht nur das Geschäftsmodell, mit dem das Basi-Bauernpaar zusammen mit ihren sechs Kollegen aus der genossenschaftlichen Betriebsgruppe Anfang dieses Jahres ernst machten. In acht Depots in Dietikon, Urdorf und der Stadt Zürich holen seither 90 Abonnentinnen und Abonnenten ihren wöchentlichen Milchproduktekorb ab.
Triaca und Brandenberger kreieren auch gerne neue Käsesorten. Das Milchabo bietet ihnen im Gegensatz zum Hofladen die Gelegenheit dazu. «Der Rosa-Pfeffer-Käse könnte noch einen Preis gewinnen, so gut ist der», sagt Triaca mit einem Lächeln auf den Lippen. Ziel sei es, mindestens einmal im Monat eine spezielle Kreation oder Überraschung im Korb zu haben. «Im Hofladen würden wir unsere Extra-Kreationen wohl nicht loswerden», so Brandenberger. Doch die neue Kundschaft sei offen für Versuche – und die Rückmeldungen kommen spätestens, wenn die Genossenschafter auf dem Basihof erscheinen, um ihren Dienst an der Gemeinschaft zu tun.

Eine Voraussetzung für die Abo-Schliessung ist nämlich nicht nur der Kauf eines genossenschaftlichen Anteilsscheins, sondern auch, mindestens vier halbe Tage in der Käserei mit anzupacken. Die Genossenschafter verrichten dann Arbeiten, für die man keine Käserausbildung braucht. «Dafür bekommen sie einen Einblick in den Betrieb und können eine Beziehung zum Hof und den anderen Mitgliedern aufbauen», sagt Brandenberger.

Freizeit gegen Gemeinschaftsgefühl

Die beiden kommen aus dem Schwärmen kaum heraus, wenn sie von den Samstagen erzählen, an denen sie mit den Genossenschaftern dafür sorgen, dass die Sachen richtig abgepackt werden und rechtzeitig im Depot ankommen. «Diesen Leuten geht es um mehr, als nur regionale und biologische Produkte zu beziehen», sagt Brandenberger. «Wir sind eine richtige Gemeinschaft geworden.» Triaca berichtet lachend von kleinen Wettkämpfen unter den Freizeit-Käsern, bei denen es etwa darum geht, wer die 200 Gramm Käse am genauesten portionieren kann.

Die anfängliche Befürchtung, dass man den Leuten hinterherrennen müsse, damit die Schichten gefüllt werden, haben sich nicht bestätigt, im Gegenteil. «Die Jobs gehen weg wie warme Weggli», sagt Triaca. Brandenberger erklärt sich das damit, dass die Genossenschafter die Arbeit auf dem Hof nicht wirklich als Arbeit wahrnehmen. «Diese Tage sind eine Bereicherung – für uns wie auch für die Genossenschafter», sagt er.

Das Mitmachen sei auch eine Beschneidung der eigenen Freiheit, räumt Brandenberger ein – nicht nur, weil man einen kleinen Teil seiner Freizeit opfern müsse, sondern auch, weil die Genossenschaft das überschaubare Angebot festlegt. Das passe ja eigentlich so gar nicht zum heutigen Konsumverhalten. Doch das Gemeinschaftsgefühl und die Überzeugung, einen Gegenpunkt zu einer zusehends absurden Lebensmittelproduktion zu setzen, würden das wettmachen. «Es ist eine ideologische Angelegenheit, klar», sagt Brandenberger. «Wegen dem Geld machen wir es nicht» – auch wenn die Genossenschaft ihnen das Doppelte des marktüblichen Milchpreises zahlt.

Ziel: Verdoppelung der Abozahlen

Ob die Basimilch dem Bauernpaar, das in seiner Doppelrolle Lieferant und Verarbeiter zugleich ist, längerfristig die Existenz sichern kann, wissen die beiden noch nicht. Dafür müsse man die Bilanz des ersten Betriebsjahrs abwarten. Bislang sind die beiden sehr zufrieden mit den Anfängen – auch wenn sie mit den Abozahlen noch nicht da sind, wo sie gerne wären. Ihr Ziel war es von Anfang an, die gesamte Milch ihrer 23 Kühe für die Genossenschaft zu verarbeiten. Mit den heutigen 90 Abos müssen sie aber rund die Hälfte der jährlich anfallenden 100 000 Liter weiterhin vom Emmi-Tanker abholen lassen. Das Ziel fürs zweite Betriebsjahr sind 180 Abos, die das erübrigen würden.

Angesichts des riesigen Aufwands, von dem trotz eines angestellten Teilzeit-Käsers und den Helfern ein Grossteil an ihnen hängenbleibt, kam ihnen der reduzierte Beginn aber eigentlich gerade noch gelegen. «Es ist besser, mit 90 Leuten gut anzufangen als mit 180 Leuten schlecht», sagt Brandenberger. Und Triaca ergänzt: «Mit 180 Abos wären wir körperlich und organisatorisch noch mehr an unsere Grenzen gekommen.»

Nun ist die schweizweit bisher einzigartige Genossenschaft aber mit Hochdruck auf der Suche nach neuen Mitgliedern und neuen Depotstandorten. Zehn Leute stehen bereits auf der Warteliste fürs nächste Jahr, doch das sind noch zu wenig. Triaca und Brandenberger sind überzeugt, dass es genug Leute gäbe, die an einem Abo interessiert wären. «Die Herausforderung ist, sie zu erreichen», so Brandenberger. Auch in Schlieren würden sie gerne einen Kühlschrank platzieren – «das liegt schön an unserer Lieferroute», so Brandenberger. Und in der Stadt Zürich sind die beiden in Gesprächen mit verschiedenen Genossenschaftssiedlungen, «die unsere Grundsätze teilen».

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