Kunstausstellung

Dietiker Künstlerin bringt den Zürcher Hauptbahnhof zum Leuchten

Claudia Zemp setzt bei ihren Werken auf die Stempeltechnik.

Claudia Zemp setzt bei ihren Werken auf die Stempeltechnik.

Die Dietiker Künstlerin Claudia Zemp stellt ihre fluoreszierenden Bilder im Hauptbahnhof Zürich aus. Sie hofft, dass den Betrachtern das eine oder andere Licht aufgeht.

Ab Donnerstag stellt die Dietiker Künstlerin Claudia Zemp fünf ihrer Leuchtbilder an der Swiss Art Expo im Hauptbahnhof Zürich aus. Die fünftägige Ausstellung bietet aufstrebenden Künstlern aus aller Welt eine Plattform, ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zemp hat sich anfangs Jahr angemeldet und bekam als eine von rund 180 Kunstschaffenden eine Zusage.

Eine Uhr sucht man in Zemps Atelier in Dietikon vergebens, und das hat seinen Grund. «Wenn ich keine Uhrzeit sehe, kann ich mich stundenlang mit meiner Kunst beschäftigen», erklärt die 40-Jährige. Sie lebe dann nach ihrer «inneren Uhr», was bedeute: «Wenn ich Hunger habe, gehe ich etwas essen. Wenn ich müde bin, ist Zeit zum Schlafen.»

Bevor sie beginnt, bindet sich Zemp die wallenden Haare zusammen und setzt ihre Brille auf. Sobald sie sich über die Leinwand beugt und einen Stempel ansetzt, wird sie ganz still. In diesem Moment ist viel Konzentration gefragt. «Würde beim Stempeln etwas verrutschen, wäre dies nicht ­tragisch», sagt sie fröhlich. «Obwohl ich Genauigkeit anstrebe, darf man ruhig sehen, dass dies Handarbeit ist.» Das Bild, an dem sie gerade arbeitet, zeigt eine hin und her schwingende Glühbirne. Den Titel hat sie sich bereits überlegt: «Lichtgeschwindigkeit».

Sie kommt zügig voran, wobei auch die Sonne hilft, unter der sie das Bild nach jeder Schicht zum Trocknen auslegt. Doch wird das Bild nicht fertig sein, ehe Zemp noch etwas Goldschimmer darüber ge­pustet hat.

DIE ERLEUCHTUNG - tscheggsch? - Swissartexpo 2020 Zürich. Das Video wurde von Mauro Moschetta erstellt.

Die Stempeltechnik ist ihr Markenzeichen

Claudia Zemp, die im luzernischen Entlebuch aufgewachsen ist, zog 2007 nach Dietikon. Schon als Kind hätten ihr Farbstifte gereicht, um sich zu beschäftigen, sagt sie. Als 18-Jährige besuchte Zemp die Schule für Gestaltung und Kunst in Luzern. Ein Jahr später folgte ihre erste Ausstellung; Kratzbilder in Schwarz-Weiss. Seither hat sie mit verschiedenen Techniken experimentiert.

Dass sie 2013 ihren Job kündigte und auf Weltreise ging, sei eine der besten Entscheidungen ihres Lebens gewesen, sagt Zemp. Massgeblich liess sie sich von der japanischen Kunst und Kultur inspirieren. Wieder in der Schweiz, fertigte sie ihren ersten Stempel an – eine Kirschblüte. Ihr erstes gestempeltes Bild zeigt einen Kirschblütenzweig und hängt heute in ihrem Wohnzimmer. Drei Stempel reichten aus dafür; hundertfach mit Farbe bepinselt und mit Bestimmtheit auf die Leinwand gedrückt.

Heute fertigt Zemp alle ihre Bilder mit der Stempeltechnik an, die zu ihrem Markenzeichen geworden ist. Ihre sorgfältig aus Schaumstoff zugeschnittenen Stempel sind mehr als blosse Werkzeuge: Sie sind selbst kleine Kunstwerke. «Ich werfe keinen Stempel weg», sagt sie und lacht – wie so oft, wenn sie über ihre Passion spricht. Schliesslich könnte es ja sein, dass sie einmal ein Mischmasch-Kunstwerk mit all ihren Stempeln anfertigen möchte.

Am Anfang war eine Röhrenlampe

Zemp ist eine Künstlerin, die sich gefunden hat: «Kunst gehört zu mir», bekräftigt sie. Die Ideen kommen ihr im Alltag oder bei Nacht und lassen sie oft nicht mehr los, bis sie künstlerisch verarbeitet sind. Eine runde Röhrenlampe faszinierte sie dermassen, dass sie sich mit dem Thema Licht- und Wortspiele zu beschäftigen begann. «Rotlicht, Lichtblick oder schlicht kein Licht», zählt sie Titel aus ihrer aktuellen Serie «Die Erleuchtung» auf.

Doch etwas fehlte, würde man an dieser Stelle die Rabenskulpturen aus Papiermaché nicht erwähnen. Aus allen Winkeln des Ateliers scheinen sie einen zu beobachten; einige tragen gar eine Röhrenlampe im Schnabel. «Raben sind sehr einfallsreiche Tiere», so Zemp, «daher markieren sie den Beginn meiner Serie.»

Gemeinsam ist den Bildern der Serie, dass sie aufgehängte Glühbirnen zeigen; in unterschiedlichen Farben, Formen und Anordnungen. Einige strahlen hell im Vordergrund, andere heben sich nur schwach von der Grundierung ab. Zemps magische Zutat ist die fluoreszierende Farbe. Knipst man das Licht aus, leuchten die Drucke. Dies, gepaart mit der ehrlichen Formensprache, macht die Anziehungskraft ihrer Bilder aus.

Sie sei gespannt auf die Reaktionen der Ausstellungsbesucher, sagt Zemp, die vorhat, sich an der Swiss Art Expo unter das Publikum zu mischen. «Licht ist etwas Positives.» Sie hofft daher, dass einigen Passanten beim Betrachten ihrer Bilder «ein Licht aufgehe»; sei es nun das Ausleuchten eines Gedankens oder das Aufglimmen einer neuen Idee.

Autor

Fabienne Eisenring

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