Am 28. Februar räumt Papst Benedikt XVI. den Heiligen Stuhl. An der Frage, in welchem Masse sein Nachfolger die Kirche umgestalten soll und kann, scheiden sich die katholischen Geister im Limmattal. Einer jedoch hofft auf einen Reformpapst: Der Präsident der Kirchenpflege Dietikon, Karl Geiger, sagt unmissverständlich: «Die katholische Kirche muss erneuert werden.»

«Kirche nicht mehr zeitgemäss»

Eine Kirche, welche die Frauenordination verbietet, sei, so Geiger, nicht mehr zeitgemäss, gerade in Anbetracht des grassierenden Priestermangels. In weiteren drängenden Fragen sieht Geiger dringenden Reformbedarf. So müsse das zentralistische System der Bischofsernennungen durch demokratische Wahlen ersetzt werden. «Die Entwicklung der Kirche muss von der Mehrheit, nicht von einer Minderheit in Rom bestimmt werden», ist Geiger überzeugt. Ebenso gelte es, die Schlechterstellung von Geschiedenen zu beheben und die Unantastbarkeit des Zölibats aufzubrechen Ausserdem müssten die christliche Ökumene und der interreligiöse Dialog gestärkt werden. Brüskierungen anderer Religionen und Konfessionen, wie sie teilweise von Benedikt XVI. ausgegangen seien, gingen nicht mehr an.

Chance auf Umbau besteht

Und Geiger sieht Hoffnung auf einen Wandel. Auch mit der Wahl Johannes Pauls II. habe damals niemand gerechnet. Zwar haben der konservative Johannes Paul II. und sein Nachfolger Benedikt XVI. die Mehrheit der Kardinäle ernannt, die sich im März zur Wahl ins Konklave zurückziehen werden. Dennoch glaubt Geiger, dass es im Vatikan reformbereite Geister gibt: «Ich hoffe auf einen, der sich wählbar gibt und dann die Kraft hat, die Kirche umzubauen.» Einmal im Amt, bestehe diese Chance durchaus, niemand könne seinen Einflussbereich einfacher verändern als das Kirchenoberhaupt. Die Limmattaler Pfarrer geben sich zurückhaltender, was Reformen anbelangt. Doch Geiger und die Priester gehen mit dem öffentlichen Konsens einig: Der Rücktritt Benedikts XVI. aus gesundheitlichen Gründen verdient Respekt.

«Der Rücktritt ist nur konsequent»

Kurt Vogt, Pfarrer im Seelsorgeraum Dietikon-Schlieren, sagt: «Benedikt XVI. war immer der Meinung, ein Papst solle nur so lange im Amt bleiben, wie er es mit voller Kraft ausüben kann. Es ist nur konsequent, dass er jetzt zurücktritt.» Ähnlich sieht das Franz Studer, Pfarrer der katholischen Kirchgemeinde Geroldswil. «Johannes Paul II. hat den Zeitpunkt zum Rücktritt verpasst. Man muss fit sein, um diesen Konzern zu leiten. Da ist es doch das Normalste der Welt, wenn ein Mensch zurücktritt, dem die Kraft ausgeht.»

«Ein ausgezeichneter Theologe»

Der Urdorfer Pfarrer Max Kroiss würdigt das theologische Vermächtnis des Papstes. Er nennt ihn einen «ausgezeichneten Theologen». Ausserdem sei Joseph Ratzinger unbestritten ein demütiger und gutmütiger Mensch. An ein Treffen mit dem deutschen Papst hat er heitere Erinnerungen: «Wir konnten zusammen bayrisch sprechen».

Auch der indisch-stämmige Pfarrer Joseph Naduvilaparambil aus Oberengstringen attestiert Benedikt XVI. eine gute Amtsführung. Doch bei ihm mischt sich Aufbruchstimmung in die Worte des Lobes. Natürlich gebe es jetzt Hoffnung auf einen progressiveren Nachfolger. Es werde viel spekuliert über Papabile aus Lateinamerika, Afrika oder Asien. Dabei sei es wichtiger, dass der neue Papst Antworten auf die drängendsten Fragen der katholischen Kirche geben könne, unabhängig von seiner territorialen Herkunft.

Diese Meinung teilt auch Karl Geiger: «Der neue Papst muss die verschiedenen Kulturkreise verstehen.» Es brauche Raum für alle Strömungen der Kirche – auch für Traditionalisten.