Wann immer Bischof Vitus Huonder für Negativschlagzeilen sorgt, lässt sich in der katholischen Kirchgemeinde Dietikon eine leichte Erhöhung der Kirchenaustritte feststellen. Dies bestätigt Kirchgemeindepräsident Karl Geiger und verweist darauf, dass er vermutlich auch nach dem 9. März den einen oder anderen Austritt hinnehmen muss. Dann wird der Widerstand gegen Bischof Huonder einen neuen Höchststand erreichen.

Wie am Mittwoch bekannt wurde, planen verschiedene katholische Gruppierungen unter der Federführung des Schweizerischen katholischen Frauenbundes eine Kundgebung gegen den Bischof des Bistums Chur. Auf einem Flyer wird unter dem Motto «Kundgebung für eine glaubwürdige und befreiende katholische Kirche Schweiz» zu der Demonstration eingeladen.

Vom St. Galler Bahnhof werden die Gegner Huonders dann zum Sitz des Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Markus Büchel, marschieren. Die Initianten verweisen per Flyer darauf, dass sie genug von Ausgrenzung, Diskriminierung und Feudalismus hätten. Auch kritisieren sie die «disziplinierenden Bischöfe» und eine «hartherzige Theologie.»

Huonder hat auch Unterstützer

Regionale Vertreter der katholischen Kirche reagieren mit Verständnis auf die Anliegen der Initianten der Kundgebung. So hält auch Karl Geiger nicht mit Kritik an Bischof Huonder zurück. Der Präsident der katholischen Kirchenpflege Dietikon wird am 9. März vermutlich nach St. Gallen fahren. «Ich und eine überwältigende Mehrheit der Menschen aus meiner Kirchgemeinde kritisieren die Aussagen des Bischofs aufs Schärfste», sagt er.

Zwar gebe es auch einige Mitglieder, die ihn in Schutz nehmen. Diese wolle Geiger nicht blossstellen. Es müsse jedoch zwischen den Verfechtern einer modernen Kirche und vorwiegend älteren Traditionalisten ein respektvolles Zusammenleben möglich sein. Und: «Die katholische Kirche muss sich an der Realität orientieren. Gesellschaftliche Entwicklungen darf man nicht verpassen», betont Geiger.

Huonder sei «ungeschickt»

Max Kroiss, katholischer Pfarrer in Urdorf, schätzt einige Aussagen von Vitus Huonder als «ungeschickt» ein. Dabei bezieht er sich auf den Vorschlag des Bischofs für die Segnung homosexueller und geschiedener Katholiken.

Diese sollen sie – anstatt der Kommunion – nur erhalten, wenn sie mit vor der Brust gekreuzten Armen vor den Priester treten. «Nach den teils heftigen medialen Reaktionen hat Bischof Huonder jedoch auch verlauten lassen, dass er niemandem die Kommunion verweigern würde», so Kroiss. Dass dieses ausgrenzende Verhalten nicht goutiert werde, findet Kroiss verständlich, trotz seines gegenüber dem Bischof gelobten Gehorsams.

Vikariat nimmt Protest zur Kenntnis

Auf Kantonsebene gibt man sich weitaus bedeckter. Der Informationsbeauftragte des Generalvikariats der Kantone Zürich und Glarus, Arnold Landtwing, stellt klar, dass man hinter dem Anliegen der Initianten nach einer glaubwürdigen und solidarischen Kirche stehe.

Ansonsten nehme das Generalvikariat zur Kundgebung keine Stellung und gebe auch keine Empfehlung ab, so Landtwing. Er verweist aber darauf, dass es sich bei den Initianten der Kundgebung nicht um Hitzköpfe, sondern um etablierte, engagierte Vereine und Gruppierungen der katholischen Kirche handle.