«Wir haben auch fremdsprachige Familien hier im Trub», sagt der Schulvorsteher vor dem versammelten Dietiker Gemeinderat. «Neulich sind französischsprachige Walliser zugezogen», ergänzt er, und das Publikum im Dorfrestaurant bricht in schallendes Gelächter aus.

Der Dietiker Gemeinderatspräsident Stephan Wittwer führte seine Ratskollegen auf ihrem alljährlichen Ausflug ins Emmental, in seine Heimatgemeinde Trub. Doch den Weg dahin musste sich die Legislative erst erarbeiten. Die Abreise war um 7 Uhr ab Dietiker Feuerwehr angesetzt, der volle Reisebus machte einen ersten Zwischenhalt in Huttwil. Der dort ansässige Elektrovelo-Produzent Flyer, bot eine Tour durch deren Produktionsstätte.

Dabei zeigte sich, dass dem einen oder anderen Gemeinderat die Wahl dieser Führung sehr entgegenkam. Während sich Ernst Joss (AL) eingehend über die Velos unterrichten liess, war Samuel Spahn (GP) bei der anschliessenden Probefahrt fast nicht zu bremsen. «Dieses Unfallprotokoll unterschreibe ich sicher nicht», rief es plötzlich aus dem Mund von Stadtrat Roger Brunner (SVP). Seine Parteikollegen Jörg Dätwyler und Esther Wyss-Tödtli bestiegen ein Probevelo zu zweit. Alle waren belustigt.

Alle Sorten Fleisch

Nach dem Ankommen am Langnauer Bahnhof waren die Gemeinderäte gleich wieder gefordert. Auf E-Bikes nahmen sie den Weg ins rund 5 Kilometer entfernte Trub unter die Räder. Umrahmt von der Kulisse, die dem Erfolgsfilm «Die Herbstzeitlosen» das Urschweizerische verlieh, empfing der Truber Gemeindepräsident Peter Aeschlimann die Delegation aus dem fernen Kanton Zürich. Aufzuzeigen, dass die Unterschiede zwischen dem 1300-Seelendorf und dem urbanen Dietikon gar nicht so gross sind, war sein erklärtes Ziel. Über einem Bernerteller, mit den mannigfaltigsten Ausprägungen der Fleischverarbeitung, lauschte das Dietiker Parlament den Ausführungen des örtlichen Schulleiters, der Verantwortlichen der sozialen Dienste, dem Finanzvorstand und dem Sicherheits- und Feuerwehrvorsteher.

Dass sich die einen oder anderen nach den politischen Herausforderungen auf dem Land sehnten, war unüberhörbar. So tönte es von irgendwo im Raum, dass Dietiker Schüler aus dem Limmatfeld eine Woche die Truber Schule besuchen sollten. Ist der Weg vom Neubauquartier ins Zentralschulhaus um einiges kürzer als der bis zu einer Stunde dauernde, den ihre Truber Kollegen täglich absolvieren müssen. «Dafür gibt es hier im Emmental kein Kind mit 30 Kilo Übergewicht». Gelächter.

Gewinnbringende Einblicke

Am Nachmittag folgte ein Vortrag über die Entstehung der Truber Nachnamen. Auch wenn Lokalhistoriker Hans Minder seine Präsentation mit lockeren Sprüchen und geistreichen Anekdoten spickte, führte der Zeitpunkt – nach dem Mittagessen – bei einigen zu kurzem Einnicken. Noch seliger verlief die Heimreise im Car, nur wenige vermochten es, nicht einem kleinen Schläfchen zu verfallen. Spätestens zum Nachtessen im Dietiker «Costa Blanca» waren dann aber alle wieder wach und froh um die gewinnbringenden Einblicke in das Funktionieren einer anderen Gemeinde.