Die Worte sind ungewöhnlich scharf. Gegen ein erkanntes Problem sei nicht nur nichts unternommen, es sei nicht einmal richtig ernst genommen worden. «Wir wollen endlich Taten sehen», lautet der Appell am Schluss eines Postulats mit dem Titel «Lärmbelästigung und Raserei im Zentrum». Es stammt vom Dietiker Gemeinderat Anton Felber (SVP) und 18 Mitunterzeichnern – die Hälfte aller Parlamentarier. Damit hat das Postulat gute Chancen, auch an den Stadtrat überwiesen zu werden. Lediglich aus den Fraktionen der FDP und der GLP kommen keine Unterstützer.

Im Fokus der Lärmklagen stehen «Rasereinlagen» und «lautes Aufheulen der Motoren». Einige Autofahrer protzten gerne lautstark mit ihren Fahrzeugen, und das auch noch hauptsächlich in den Abend- und Nachtstunden, heisst es im Postulat. «Das Zentrum leidet seit Jahren unter der Lärmbelästigung. Der Stadtrat soll das Thema zum Schwerpunkt machen und zusammen mit der Kantons-, der Stadt- und der Regionalpolizei vermehrt gezielte Grosskontrollen durchführen.» Deren Ziel: die Lärmsünder zu verzeigen. Im Artikel 42 des Strassenverkehrsgesetzes heisst es, dass «der Fahrzeugführer jede vermeidbare Belästigung von Strassenbenützern und Anwohnern, namentlich durch Lärm, Staub, Rauch und Geruch zu unterlassen hat.» Detaillierter bearbeitet die Verkehrsregelnverordnung (VRV) das Thema.

Keine Kavaliersdelikte

Geht es nach den Postulanten, soll jeder Lärmsünder verzeigt werden «und es mit dem Stadtrichter oder gar mit dem Staatsanwalt zu tun bekommen». Es gehe nicht um Kavaliersdelikte, da nicht nur Ruhestörung vorliege, sondern auch eine Gefährdung des Strassenverkehrs. Und während die Stadt nichts unternommen habe, gingen anderswo die Gemeinden und Städte rigoros dagegen vor, so das Postulat. In der Tat findet man im Netz viele Berichte über motorenverliebte Nervensägen, und wie man versucht, sich ihrer zu erwehren. Zwar plagen die Schlieremer Parlamentarier die Dietiker Sorgen noch nicht.

Auf Nachfrage erklärt Schlierens Stadtschreiberin Ingrid Hieronymi, dass in den letzten drei Jahren keine derartigen Vorstösse lanciert wurden. Aber der Stadt Zürich ist das Problem nicht nur sehr bekannt, sondern sie versucht, es auch zu bekämpfen. Erst im April wurden 24 Sportwagenfreunde «wegen Verursachens von vermeidbarem Lärm» am Bürkliplatz gebüsst. Die Stadtpolizei war vor Ort, weil sich Passanten immer wieder über Besitzer von Luxuswagen beklagt hatten, die ihre Motoren aufheulen liessen.

Stadtpolizei-Sprecher Michael Wirz meinte damals gegenüber «20 Minuten», dass mit Blick auf die zwei Dutzend Verzeigungen innert nur dreieinhalb Stunden die Polizei an schönen Tagen auch weiterhin regelmässig Kontrollen durchführen werde. Und diese tragen Früchte. Im Jahr 2013 wurden rund 130 Lärmsünder verzeigt, 2014 waren es 200, 2015 290 und 2016 sogar 400.

«Wo bleibt Dietikon?»

Einer der Dietiker Postulatsunterzeichner ist Gemeinderat Ernst Joss (AL). Ihn treibt das Thema schon länger um. Erst im Februar 2016 hatte er eine Kleine Anfrage über die Lärmbelästigung durch Sportwagen eingereicht. Die Stadt beantwortete sie sinngemäss: Alles nicht so schlimm, die Polizei kontrolliert und verzeigt. Nicht ausreichend, befand Joss und startete im November erneut einen Vorstoss, dieses Mal ein Postulat. «Ich bitte den Stadtrat, Lärmmessungen durchzuführen, um die Lärmbelastung objektiv festzustellen.» Es müsse kontrolliert werden, ob die Fahrzeuge kurz nacheinander dieselbe Strecke befahren und sie allenfalls wegen unnötigen Herumfahrens zu büssen, meinte Joss. Erfolg hatten er und seine fünf Mitunterzeichner hingegen nicht; das Postulat wurde nicht überwiesen.

Jetzt soll durch den neuerlichen Vorstoss Bewegung in die Sache kommen. Wird das Postulat überwiesen, will man den Stadtrat nicht am langen Zügel laufen lassen. Denn die Postulanten wollen, dass das Thema im Geschäftsbericht abgebildet und jährlich Rechenschaft über die eingeleiteten Massnahmen und Verzeigungen abgelegt wird.

Wo die Kapazität für die künftigen Kontrollen durch die Stadtpolizei herkommen soll, wissen die Postulanten auch schon. Sie beklagen, dass derzeit «unsere» Polizisten dazu eingesetzt würden, mit der Regionalpolizei Schlieren/Urdorf im Zentrum von Schlieren Grosskontrollen durchzuführen anstatt sich um Lärmkontrollen im Zentrum von Dietikon zu kümmern und damit ein Zeichen zu setzen. «Wo bleibt Dietikon? Wir wollen nicht mehr mit ellenlangen Auslegungen von Gesetzesartikeln abgespeist werden», heisst es in Felbers Postulat. Es scheint, als ob es zwischen den Postulanten und dem Stadtrat auf Krach hinausläuft.