Glücksspiel
Dietiker Fast-Millionär macht weltweit Schlagzeilen

Behar Merlaku (26) aus Dietikon kämpft mit einem Casino in Bregenz um einen 43-Millionen-Gewinn. Die Spielbank spricht von einem Fehler. Merlaku will aber um das Geld kämpfen.

Katja Landolt
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War am Wochenende auf vielen Online-Portalen in Österreich präsent: Behar Merlaku. ho heute.at

War am Wochenende auf vielen Online-Portalen in Österreich präsent: Behar Merlaku. ho heute.at

Es ist fast zu schön, um wahr zu sein: Der Dietiker Behar Merlaku (26) wirft am 26. März im Casino Austria in Bregenz ein paar Euros in einen Spielautomaten – und knackt den Jackpot. «Während des Spiels hat der Automat plötzlich angehalten und oben hat eine blickende Leuchte den Jackpot angezeigt», so Merlaku. Der Jackpot; das sind sage und schreibe 42949672,86 Euro. Merlaku und seine Frau sind völlig aus dem Häuschen. «Ich habe mich so gefreut, es war unbeschreiblich, da kommen einem schon Ideen, was man alles machen könnte mit dem Geld.»

Doch wie heisst es so schön: «Wie gewonnen, so zerronnen.» Ein Angestellter des Casinos überprüft die Chipkarte des Spielers und holt den Dietiker auf den Boden der Tatsachen zurück: «Leider kein Gewinn, das war ein Softwarefehler.»

Softwarefehler war bekannt

Merlaku zieht sein Handy aus der Tasche und filmt den Spielautomaten. Auf dem Film ist die Anzeige der Gewinnsumme des Automaten zu erkennen – gleichzeitig aber auch, dass nicht fünf gleiche Symbole auf einer Linie zu stehen gekommen sind. Nach den Regeln der Casinos Austria müsste das aber der Fall sein.

Die Geschichte des Dietiker Fast-Millionärs ist so unglaublich, dass sie inzwischen nicht mehr nur bei den Nachrichtenportalen in Österreich und der Schweiz für Schlagzeilen sorgt, sondern weltweit, beispielsweise in Amerika, Kanada und Polen. Auch auf sämtlichen Spieler-Portalen ist die Geschichte aufgeschaltet.

Merlaku hat sich inzwischen juristischen Beistand geholt – «schliesslich will ich Gerechtigkeit», sagte er gegenüber dem österreichischen Portal oe24.at. «Sollte es tatsächlich ein Softwarefehler gewesen sein, was erst zu beweisen ist, so müssen die Casinos dafür geradestehen», sagt sein Anwalt. Nachdem er Anzeige gegen unbekannt erstattet hat, habe ihm das Casino Bregenz Hausverbot erteilt, so Merlaku. Er fühlt sich nicht ernst genommen. «Bis heute waren die Casinos Austria nicht einmal bereit, mit mir zu reden.»

Das Casino hält indessen schriftlich fest, dass es sich dabei «um einen technischen Fehler in der Anzeige gehandelt» habe. Dieser könne bei unterschiedlichsten technischen Geräten dann auftreten, wenn die Anzeige im Display unter null rutsche. «Es war auch für unseren Gast am Automaten selbst zweifelsfrei erkennbar, dass er nicht gewonnen hatte.» Ausserdem könne der Höchstgewinn für einen Austria-Jackpot nie über zwei Millionen Euro liegen. Das sei ein weiterer Beweis für den Softwarefehler.

Merkwürdig ist jedoch, dass der Fehler bereits bekannt war, wie das Portal austria.com den Projektmanager zitiert. Bereits 2003 sei der gleiche Fehler bei einem Gerät in Kapstadt aufgetreten. Wie das Gerät aus Bregenz stammte auch dieses vom Automatenhersteller Atronic Systems. Die Automatensoftware sei in Südafrika korrigiert worden.

In der Schweiz nicht möglich

Hat Merlaku überhaupt Chancen, an seinen Gewinn zu kommen, und wie sähe die Situation in der Schweiz aus? Bei der Eidgenössischen Spielbankenkommission äussert man sich zurückhaltend: «Wir können zum vorliegenden Fall keine Einschätzung abgeben, hier kommt österreichisches Recht zur Anwendung», sagt Mediensprecherin Maria Saraceni.

«In der Schweiz verfügen die Schweizer Automaten über Kontrollsysteme, die jeden Schritt aufzeichnen. So könnte aus technischer Sicht die Sachlage nachvollzogen werden, wie es in Österreich aussieht, ist uns nicht bekannt», sagt Saraceni. In der Schweiz habe es an einer Maschine bislang auch noch nie einen ähnlichen Fall in dieser Höhe gegeben.

Der Gewinn der 43 Millionen Euro würde nicht nur Merlaku, sondern auch die Stadt Dietikon freuen – steuertechnisch würde sie profitieren. Wie hoch der Betrag ausfallen würde, kann Gisela Mathis, Leiterin des Steueramtes aber nicht sagen. «Es handelt sich um einen steuerpflichtigen ausländischen Spielbankengewinn, hier käme die Einkommenssteuer zum Zug.»