Auf dem Heimweg vom Büro noch schnell für das Nachtessen ein paar Kräuterstängel beim Stadtplatz abschneiden oder eine Handvoll reife Radieschen ziehen – das neue Urban-Gardening-Projekt der Stadt Dietikon macht es möglich. Erstmals können Hobbygärtnerinnen und -gärtner mitten in der Stadt Gemüse, Blumen oder Heilkräuter in Beeten anbauen, pflegen und ernten, die die Stadt ihnen unentgeltlich zur Verfügung stellt. Dietikon folgt damit einem Trend, der seit etwa zehn Jahren seinen Siegeszug von New York aus rund um die Welt angetreten ist. Auch Schlieren und Oberengstringen sind vor ein paar Jahren auf den Zug aufgesprungen.

Insgesamt acht Stadtgärten in Form von Pflanzenstationen oder Hochbeeten laden bis Ende Oktober zum Gärtnern ein. Jede Station besteht aus einem Europapalett und zwei SBB-Palettrahmen. Der obere Rahmen ist mit Hochbeeterde bestehend aus Kompost, Torfersatz und Landerde gefüllt. Die Stadtgärtnerei hat die Erstbepflanzung mit biozertifizierten Zucchetti, Buschbohnen, Auberginen, Cherrytomaten und Kräutern übernommen, nun liegt es in der Folge an den Dietikern, für weitere Bepflanzungen zu sorgen. An jeder Pflanzstation findet sich ein handliches Werkzeug mit Hacke und Schaufel sowie eine Giesskanne. «Bei den Standorten haben wir darauf geachtet, dass jeweils ein Wasserbezugsort in der Nähe liegt», erläuterte Thomas Weber, Leiter Gartenbau der Stadt Dietikon, beim gestrigen Pressetermin.

Angenehme Arbeitshöhe: So sehen die Pflanzenstationen aus, welche die Stadt an acht Standorten der Bevölkerung zum Gärtnern zur Verfügung stellt.

Angenehme Arbeitshöhe: So sehen die Pflanzenstationen aus, welche die Stadt an acht Standorten der Bevölkerung zum Gärtnern zur Verfügung stellt.

Treffpunkt Hochbeet

«Bei einem Ausflug nach Interlaken haben wir gesehen, wie gut das Urban Gardening bei der Bevölkerung ankommt», so Infrastrukturvorstand Roger Brunner. «Ausserdem passt es zur grünen Linie, die der Stadt Dietikon wichtig ist.» Obendrein sei das Projekt nicht teuer. Bisher seien nur 3000 Franken für das Material angefallen, das zudem wiederverwendbar sei. Brunner ergänzt, dass die Stadt nicht nur den «grünen Daumen» der Bewohner etwas bieten möchte. «Wir wollen auch den Kontakt unter den Einwohnenden fördern.» Die Stadtgärten sollen zu einem Treff- und Begegnungspunkt werden. «Im Zentrum des Stadtgärtenprojektes steht letztendlich der Lebensstil und nicht der landwirtschaftliche Nutzen», heisst es in der Pressemitteilung.

Jetzt heisst es für die Dietiker aktiv werden, denn die Stadt wird sich ab dem offiziellen Übergabetermin am Samstag nicht mehr um die Stadtgarten-Bewirtschaftung kümmern. «Wir pflanzen nichts mehr nach», so Weber. Die Hobbygärtner sollten auch eigene Erfahrungen machen können. Die Stadt werde lediglich schauen, wie sich die Standorte bewährten. «Wir müssen ja auch erst Erfahrungen sammeln, wie das Projekt ankommt.» Besonders freuen würde es Weber, wenn die Leute erkennen würden, dass man das auch ganz leicht zu Hause etwa mit einem Kräuterkasten auf dem Balkon nachmachen kann.
Urban Gardener ohne Erfahrung werden aber von der Stadt nicht im Stich gelassen. Auf der Internetseite www.dietikon.ch/stadtgaerten informiert die Stadtgärtnerei nicht nur über den Projektverlauf, sondern gibt auch viele Tipps und Tricks für den Gartenbau. Der erste lautet: «Einer der am häufigsten vorkommenden Fehler ist die Unter- oder Überversorgung mit Nährstoffen. Die in den Stadtgärten eingesetzte Erde ist mit einem rein organischen Dünger vorbehandelt. Sie müssen also keinen weiteren Nährstoff zuführen.» Wie praktisch!