Dietikon
Dietiker Bäckerehepaar würde für seine Kunden den Ruhestand verschieben

Das Ehepaar Faes will die Oberstadt Bäckerei nicht aufgeben, bevor ein Nachfolger feststeht. Seit 23 Jahren führen sie ihren Betrieb. Eine Stadt ohne «Beck» ist für sie nicht vorstellbar.

Florian Niedermann
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Das Bäckerehepaar Faes sucht einen Nachfolger
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Das Ehepaar will seine Bäckerei nach 23 Jahren aufgeben. Bis jetzt konnten sie noch keinen Nachfolger finden.
Urs Faes knetet Teig in der Backstube an der Oberdorfstrasse
Die Oberstadt Bäckerei ist auch bekannt für Spezialitäten wie die Berdietiker Praliné
Ebenfalls sehr beliebt sind im Januar...
...die Dreikönigskuchen aus der Backstube des Ehepaars Faes.
Die Oberstadt Bäckerei ist auch bekannt für Spezialitäten wie die Berdietiker Praliné
Die Oberstadt Bäckerei ist auch bekannt für Spezialitäten wie die Berdietiker Praliné

Das Bäckerehepaar Faes sucht einen Nachfolger

Dietikon verliert seine letzte gewerbliche Bäckerei vorläufig noch nicht. Urs und Marlies Faes wollen ihren Backofen an der Oberdorfstrasse im kommenden Juli endgültig aus gehen lassen. Seit einem Jahr suchen sie nach einem Nachfolger. Bis jetzt konnten sie noch niemanden finden, der ihnen das Geschäft und das dazugehörige Haus abkauft. Sterben lassen wollen sie die Oberstadt Bäckerei aber nicht, wie Marlies Faes sagt: «Wir würden unsere Pensionierung auch verschieben und weitermachen, bis wir jemanden finden.» Es täte ihr leid, wenn die Stadt und ihre Kunden eines Tages ohne Bäckerei auskommen müssten.

Dennoch: Interessenten gab es bisher erst einen. Dieser hätte dem Ehepaar das Geschäft abgekauft, und den Rest des Hauses unter Vorbehalt des Vorkaufsrechts gemietet –eine Kompromisslösung, wie Urs Faes sagt: «Uns wäre es lieber, wenn wir das ganze Paket verkaufen könnten.» Im Notfall würde er eine solche Lösung aber auch in Betracht ziehen. Der Interessent sprang aber ohnehin wieder ab. Seine Partnerin habe diese Aufgabe vermutlich nicht mittragen wollen, vermutet Faes. «In dem Fall wird es schwierig. Als Paar funktioniert das nur, wenn beide an einem Strick ziehen.»

Die gegenseitige Unterstützung war auch der Grund, warum das Ehepaar Faes seit bald vierzig Jahren glücklich zusammen unter einem Dach wohnt und arbeitet. «Klar gab es auch bei uns ab und zu Diskussionen. Aber wir halfen einander immer, wo es nur ging», erklärt der 62-Jährige.

Die Beiden lernten sich 1973 als Angestellte ihres Vorgängers in derselben Backstube kennen, in der sie noch heute täglich stehen. Als sie 1989 erfahren hätten, dass der Besitzer den Betrieb aufgebe, seien sie beide gleich Feuer und Flamme gewesen, erinnert sich Marlies Faes: «Wir waren von Anfang an mit Leib und Seele dabei. Das schätzten unsere Kunden. Anfangs waren es etwa 200 aber dann wuchs der Stamm immer mehr an.» Der Zeitpunkt, das Geschäft abzugeben, sei aber auch deshalb ideal, weil das Geschäft sehr gut laufe. Das Ehepaar will sein Geschäft aber nicht irgendjemandem übergeben – die Kundschaft soll weiterhin zufriedengestellt werden: «Es sollte jemand Junges mit neuen Ideen sein. Wichtig ist uns aber, dass die Qualität des Brotes hoch bleibt, und dass weiterhin eine freundliche Bedienung am Tresen steht», sagt die 58-Jährige.

Von Beginn weg sei ihr Credo gewesen, ihre Arbeit ganz in den Dienst der Kunden zu stellen, sagt Urs Faes. Am Montag, wenn der Laden geschlossen blieb, habe man teilweise auch direkt aus der Backstube durch die Hintertür des Hauses Brot verkauft. «Es tat mir fast weh, wenn ich sah, dass jemand vor unserer verschlossenen Ladentür stand», sagt Marlies Faes. Seit Neustem ist die Bäckerei nun auch wieder montags geöffnet. Die Kunden seien darüber sehr erfreut, erklärt sie.

Trotz der Leidenschaft, mit der das Ehepaar sein Geschäft führt, will es nun kürzer treten. «Wir haben die letzten 23 Jahre viel gearbeitet, und möchten nun das Leben geniessen können», sagt Marlies Faes. In der Hoffnung, dass der Traum von der Frühpensionierung im Juli doch noch in Erfüllung gehen könnte, zog man nun ein Zürcher Beratungs- und Vermittlungsunternehmen hinzu. Dieses sucht nach einem geeigneten Käufer für den Betrieb und das Haus und berät das Ehepaar bei einer allfälligen Transaktion.