Kinderkonzert
Dieses Zürcher Jazzfestival ist für «wildi Rössli»

Es ist ein ungewohntes Bild, das der Zürcher Jazzclub Moods gestern Morgen bietet: Im schummrigen Ambiente halten keine gestandenen Musikfans Smalltalk, sondern springen viele Kinder umher, statt Cocktails wird heisse Schokolade ausgeschenkt

Daniel Diriwächter
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Nicht nur für Erwachsene: Martin von Aesch (auf der Bühne rechts) und seine Band tischen Kindern Jazz auf.

Nicht nur für Erwachsene: Martin von Aesch (auf der Bühne rechts) und seine Band tischen Kindern Jazz auf.

Daniel Diriwächter

«Hallo, Frau Müller» Martin von Aesch bestritt das Kinderkonzert des Zürcher Jazzfestivals. Mitten im Getümmel steht Martin von Aesch, Leiter des populären Kinderchors «D’Schlieremer Chind».

Auf Einladung des Jazzfestivals «Unerhört», dessen 15. Ausgabe gerade über die Bühne geht, bestreitet er dessen traditionelles Kinderkonzert. «Ich habe das Glück, dass ich nie Lampenfieber habe», sagt von Aesch vor seinem Auftritt gelassen. Und der Musiker und Primarlehrer lässt es sich nicht nehmen, bekannte Gesichter persönlich willkommen zu heissen.

Von Aesch hat ein kühnes Vorhaben: Er will zusammen mit seinen Kollegen Dani Solimine (Gitarre), Bernhard Bamert und Andreas Tschopp (Posaune) dem jungen Publikum den Jazz näher bringen. «Kinder sind wie wildi Rössli. Sie zeigen ganz ehrlich, was sie denken.» Erwachsene würden sich geduldiger zeigen. Aber er und seine Mitstreiter stellen sich freudig der bevorstehenden Aufgabe.

Es sei ganz einfach lässig, den Kindern Jazz vorzuspielen, sagt von Aesch. Zumal alles mit einer gehörigen Portion kindgerechtem Humor dargeboten werden soll. Das Interesse ist gross: Die Schlange vor der Kasse spricht Bände; der Saal wird voll: auf die Plätze, fertig, los!

Das schönste Publikum

Das Programm, das mit Bamert und Tschopp und deren Posaunenspiel beginnt, nennt sich «Hallo, Frau Müller», benannt nach dem Evergreen aus der «Schlieremer Chind»-Küche. Von Aesch hat diesem wie auch weiteren Kinderliedern einen verspielten Jazz-Anstrich verpasst. Er weiss zudem, wie er die versammelte Kinderschar von Beginn weg auf seine Seite ziehen kann – er schmiert ihnen Honig ums Maul: «Ihr seid das schönste und gescheiteste Publikum, das ich mir wünschen kann», so der Musiker. Derart gebauchpinselt verharren die Sprösslinge fast andächtig vor der Bühne.

Zwischen den Nummern gibt von Aesch den lustigen Erzähler. Es ist nicht zuletzt auch seine Interaktion mit dem jungen Publikum, die den berühmten Funken überspringen lässt. Der Frontmann, der auch Kinderbuchautor ist, trifft den Nerv der Kinderseele. «Ich fabuliere gerne mit den Fantasien herum», sagt er im Vorfeld des Konzerts. Ein Talent, das er erfolgreich zu seinem Beruf machte und sozusagen in die Wiege gelegt bekam: Sein Vater Werner von Aesch war Mitglied des Cabaret Rotstift und gründete die Schlieremer Chind.

Die Kleinen sind die Grossen

Nach rund einer Stunde kündigt sich das Ende des Konzerts an. Nicht, ohne nochmals sein Publikum mitzureissen: «Ich bin zwar chli, doch blöd bin ich nöd», stimmen alle unisono an. Bedacht wird das Quartett mit viel Applaus, die Zugabe spielt von Aesch alleine. Dabei macht er klar, dass die Kleinen die ganz Grossen sind.