Unterengstringen

«Dieses Ziel fasziniert mich»: Der neue Liegenschaftenvorstand und das Alterswohnungsprojekt

Setzt sich für Alterswohnungen ein: André Kuchen, hier in der reformierten Kirche Geroldswil, ist neuer Liegenschaftenvorstand der reformierten Kirche Weiningen.

Setzt sich für Alterswohnungen ein: André Kuchen, hier in der reformierten Kirche Geroldswil, ist neuer Liegenschaftenvorstand der reformierten Kirche Weiningen.

Der neue Kirchenpfleger André Kuchen ist jetzt für das Alterswohnungsprojekt auf dem Pfarrhaus-Areal zuständig. Ende August stimmt die reformierte Kirche Weiningen über das Geld für die Projektierung ab

Am 29. August kommt der grosse Entscheid. Dann treffen sich die Reformierten aus Weiningen, Unterengstringen, Oetwil und Geroldswil zur ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung. Thema ist das Pfarrhaus-Areal nahe des Dreispitz, an der Bergstrasse in Unterengstringen. Das über 100 Jahre alte Pfarrhaus soll abgerissen und das Areal überbaut werden. Stand heute soll es 30 Alterswohnungen geben (die Limmattaler Zeitung berichtete). Abgestimmt wird über einen Kredit von 180 000 Franken. Damit soll ein genaues Projekt ausgearbeitet werden, das mit eigenem Geld gebaut oder im Baurecht abgegeben wird.

Die Kirchenpflege sieht viele Chancen. Die Rechnungsprüfungskommission sagt Nein. Der Projektierungskredit mache nur Sinn, wenn die Kirchgemeinde das Projekt selber baue. Der Bau von Wohnungen jeglicher Art gehöre aber nicht zum Zweck einer Kirchgemeinde. Die kantonale Landeskirche wiederum begrüsst das Vorhaben.

Bald werden die Einladungen zur Versammlung verschickt. Die Limmattaler Zeitung hat im Kirchgemeindezentrum Geroldswil mit dem neuen Liegenschaftenvorstand André Kuchen gesprochen. Er wurde am 10. Juni mit 262 Stimmen gewählt und folgte auf alt Kirchenpfleger Peter Vögelin.

André Kuchen, Sie wohnen in Unterengstringen. Werden Sie dem dortigen alten Pfarrhaus dereinst nachtrauern?

André Kuchen: Nein. Heute wird es als Wohngemeinschaft genutzt, weil es einfach dort steht. Die Landreserve ist sehr gross. Ein paar Bäume, eine grosse Wiese; in der Wohnzone. Das Projekt interessiert mich wegen dem, was entstehen soll: Wohnungen für Leute, die gesund sind und Richtung Pension gehen. Sie suchen etwas, wo sie länger bleiben können, auch wenn sie mit der Zeit ein Gebrechen haben. Dafür ist das Projekt. Man wird bis zum Tod dort wohnen können, wenn die Gesundheit es zulässt. Bei sehr grosser Pflegebedürftigkeit ist man dann woanders besser aufgehoben.

Macht Ihnen die Kritik aus der Rechnungsprüfungskommission Sorgen?

Eigentlich nicht. Ich denke, dass wir die Leute überzeugen können, dass es den Kredit braucht. Weil man dank diesem Kredit nachher ganz genau definieren kann, ob man einen fremden Investor will oder ob man selber investieren will. Man wird die Finanzen sehr gut abschätzen und planen können. Was kostet es? Wie hoch ist die Rendite? Zu welchen Preisen können die Wohnungen vermietet werden? Das Ziel sind ja kostengünstige Wohnungen, die sich normale Leute leisten können, und nicht Kleinwohnungen für 2500 oder 3000 Franken monatlich. Dieses Ziel fasziniert mich. Unterengstringen und das rechte Limmattal brauchen so etwas. Mit dem Bevölkerungswachstum und der gesunden Überalterung braucht es viel mehr solche Angebote im rechten Limmattal. Zudem ist der Standort sehr zentral mit der Bushaltestelle für alle Richtungen. Eine ideale Voraussetzung.

Viel zu reden gibt die Finanzierung.

Über die Finanzierung ist noch nichts entschieden. Es geht im Projektierungskredit gerade auch darum, dass man nachher über die Finanzierung entscheiden kann. Wir müssen einen genauen Plan haben, dafür braucht es den Projektierungskredit.

Er hätte schon an der Kirchgemeindeversammlung vom 6. Juni zur Abstimmung kommen sollen. Doch die Kirchenpflege verschob die Abstimmung.

Wir hatten zwei Banken gefragt, wie sie die Finanzierung sehen. Deren Antworten hatten wir noch nicht. Wir wollten von den Experten wissen, ob wir auf dem Holzweg sind oder ob das Vorhaben aus Sicht der Banken mit ihrer grossen Erfahrung etwas Realistisches ist. Diese Bescheide hatten wir damals noch nicht, daher die Verschiebung.

Und was sagen die Banken jetzt?

Beide Banken sagen, dass so etwas finanzierbar und realistisch ist und dass man sich hier nicht auf grosse Risiken einlässt.

Kommen wir zur grundsätzlichen Kritik. Wo in der Bibel steht, dass eine Kirche Alterswohnungen bauen muss?

So steht es nicht drin. Aber die Bibel sagt, dass man im Sinne der Nächstenliebe den Mitmenschen etwas Gutes tun soll. Mit dem Projekt kann denen etwas zurückgegeben werden, die seit Jahren über die Kirchensteuern die Kirche unterstützen. Gerade aus der Nächstenliebe heraus wollen wir ja auch bezahlbare Wohnungen bauen für normale Leute und nicht für sehr reiche Leute.

Zudem verliert die Kirche Mitglieder und damit Steuergelder. Das spielt mit.

Ja, es muss rentabel sein. Das garantiert der Kirche regelmässige Einnahmen. Das ist auch im Sinne der Landeskirche. Aber wir wollen nicht irgendetwas durchdrücken, sondern etwas Gescheites, Richtiges machen. Das Vorhaben hat Hand und Fuss. Möglichst viele Personen sollen in der Weininger Kirche darüber abstimmen, damit der Entscheid gut abgestützt ist.

Zum Schluss: Wie war Ihr Start in der Kirchenpflege?

Positiv. Ich habe mich intensiv eingearbeitet. Die Kirchenpflege ist eine gute Truppe. Ein eingespieltes Räderwerk, in dem ich jetzt ein Zahnrädchen sein darf.

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