Autos rasen vorbei, immer wieder donnert ein Zug über die Köpfe der Malerinnen und Maler in der Bahnunterführung Goldschlägistrasse in Schlieren. Doch niemand lässt sich aus der Ruhe bringen. Behutsam und konzentriert wird die Farbe auf die grauen Wände aufgetragen, immer bunter wird es in der kahlen Unterführung. Umgesetzt wird dort das Projekt «Kunst an der Mauer», welches anlässlich des 90-jährigen Jubiläums des Nationalen Branchenverbands der Institutionen für Menschen mit Behinderung Zürich (Insos) ins Leben gerufen wurde.

Im letzten Februar hat die Insos verschiedene Zürcher Gemeinden und Städte angefragt, ob sie interessiert an einer Teilnahme sind. Schlieren war eine der ersten Städte, die sich beteiligen wollte. Vorgeschlagen wurde eine Gestaltung der Wände in der Bahnhofunterführung Goldschlägistrasse. In Zusammenarbeit mit der Stadt Schlieren und der Stiftung Solvita Urdorf wurde das Projekt in Angriff genommen und schliesslich von der Beschäftigungsgruppe der Solvita ein Gestaltungsvorschlag ausgearbeitet.

Seit Anfang August wird dieser von Menschen mit Behinderung, die in der Stiftung Solvita Urdorf wohnen und arbeiten, an den Betonwänden der Goldschlägistrasse verwirklicht. Der Leitsatz des Projekts «Kunst an der Mauer» lautet «Gemeinsamer Einsatz». «Wir wollten ein Kunstprojekt auf die Beine stellen, in welchem eine Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung dargestellt wird», sagt Maya Graf, stellvertretende Geschäftsführerin der Insos. Dies an leeren Wänden an verschiedenen Orten im Kanton umzusetzen, gebe dem Projekt eine Beständigkeit. «Sonst hätten wir auch einfach eine Eventfirma engagieren können, die eine Jubiläumsfeier organisiert», sagt Graf.

In farbigem Gewand

Die Gestaltung der Goldschlägiunterführung bleibt der Idee von Insos treu. An den Wänden werden auf türkisem Hintergrund unzählige weibliche und männliche Silhouetten zu sehen sein, die kein Gesicht haben. Die Figuren werden alle in einem Grün- und Blauton gehalten sein. Dazwischen werden sich vereinzelt Figuren in farbenfrohem Gewand finden, die alle ein Gesicht haben. In der Mitte des Bildes werden sich eine farbige Figur und eine Silhouettenfigur die Hand geben, diese beiden Figuren werden ein Gesicht haben. «Der Stadtrat hat sich für diese Variante entschieden, da eine schöne Art der Interaktion zwischen Menschen mit und ohne Behinderung dargestellt wird», sagt Stadtschreiberin Ingrid Hieronymi. Zuerst wollte man die Unterführung absperren, damit die Beteiligten in Ruhe an den Wänden arbeiten können. Man habe sich aber dann dagegen entschieden. «Mittlerweile entsteht ab und zu ein Kontakt mit Passanten, die neugierig sind, was auf den Wänden entsteht», sagt Martin Ritter, Geschäftsführer der Stiftung Solvita.

«Alle, die von unserer Stiftung in einem Lebensbereich unterstützt werden, durften sich am Projekt beteiligen», so Ritter. Mit dem Malen dürfen sie sich Zeit lassen, ab und zu werde auch gemeinsam ein Glacé gegessen. Gearbeitet wird einen Monat lang an den Nachmittagen. Bis zum 8. September müsse das Projekt aber abgeschlossen sein. Dann findet auf dem Goldschlägiplatz die Eröffnung der Unterführung statt, an der die Beteiligten das Kunstwerk offiziell der Schlieremer Bevölkerung übergeben.