Dietikon

«Dieses immergleiche Drama im Bruno-Weber-Park ist unnötig»

Die Frage, wer über die Zukunft des Bruno-Weber-Parks bestimmen kann, sorgt seit dem Tod des Künstlers im Oktober 2011 für Unstimmigkeiten. Der Stiftungsrat nimmt Stellung zur hängigen Beschwerde gegen ihn – und übt seinerseits Kritik an Künstlerwitwe Maria Anna Weber.

Im entscheidenden Punkt sind sich die Streitparteien eigentlich einig: Das grösste Problem der Bruno Weber Stiftung sind unprofessionelle Strukturen. Worin aber genau die fehlende Professionalität liegt – darüber gehen die Meinungen der Stiftung und des Vereins «Freunde Bruno Weber Park» weit auseinander. Der Verein hatte sich im Sommer bei der Aargauer Stiftungsaufsicht über die Situation im auf Spreitenbacher Boden liegenden Skulpturenpark des 2011 verstorbenen Dietiker Künstlers Bruno Weber beschwert (die Limmattaler Zeitung berichtete). Nun nimmt der Stiftungsrat Stellung zu den Vorwürfen – und weist die Verantwortung für strukturelle Probleme weit von sich.

Für ihn ist klar, woran die Strukturen kranken: «Das unstete und durch Privatinteressen gesteuerte Verhalten Frau Webers stellt seit vielen Jahren das grösste Hindernis auf dem Weg zur Erfüllung des Stiftungszwecks dar.» Dass die noch hängige Beschwerde nicht von der Künstlerwitwe Maria Anna Weber selbst eingereicht wurde, sondern dass dafür der Verein «ins Feld geführt» wurde, ist für den Stiftungsrat zweitrangig. Er fragt sich allerdings, «unter welchem Rechtstitel der Verein die subjektiven Begehren und Vorwürfe Frau Webers portiert und die Bau- und Sanierungstätigkeiten im Park zu vertreten glaubt».

«Eine Ablenkung»

Heute unterhalte die Stiftung professionelle Strukturen, die einer «permanenten und strikten Überprüfung durch eine kantonale Aufsichtsstelle unterliegen», erklärt der Stiftungsrat. Dass das Problem nicht die aktuelle Besetzung des Gremiums sei – der Verein kritisierte insbesondere, dass das Ehepaar Isabelle Cart (Präsidentin) und Eric Maier das dreiköpfige Gremium dominiere –, zeige nur schon die bewegte Geschichte der Stiftung.

Die durchschnittliche Amtszeit aller bisherigen Stiftungsräte betrage bis heute «keine neun Monate», weshalb «professionelle Strukturen nie oder nur im Ansatz entstehen konnten». Die an ihn gerichtete Kritik bezeichnet der Ende 2014 eingesetzte Stiftungsrat als «Ablenkung davon, dass Maria Anna Weber oder auch ein Verein sich während Jahrzehnten ausserstande zeigten, selber professionelle Strukturen anzulegen oder zumindest zuzulassen.»

Den Vorwurf, dass der Stiftungsrat nicht wirklich ehrenamtlich arbeite, weist dieser entschieden von sich. Ein im Nebenamt zu bewältigendes Mass an Arbeit solle durchaus unentgeltlich sein – und sei dies auch: «Nicht bezogene, professionelle Leistungen des Stiftungsrats in den Bereichen Projektplanung, Kuratorium, Architektur, Finanzen und Marketing» beziffert dieser mittlerweile auf eine «mehrfache, sechsstellige Zahl». Auch für die operativen Tätigkeiten gebe es lediglich projektbezogene Entschädigungen auf Rechnung, die «beträchtlich unter den Branchenansätzen liegen». Dass operative und strategische Arbeit vorerst aus einer Hand kommen würden – vor allem aus Kostengründen –, sei zudem schon 2014 klar kommuniziert worden.

Der Verein hatte auch kritisiert, dass der Stiftungsrat die Künstlerwitwe ins falsche Licht rücke. Das Gegenteil sei der Fall, sagt nun dieser: «Bei allem Verständnis für Frau Weber ist es für Stiftungsräte äusserst unangenehm und verletzend, für Prädatoren und bösgläubige Ritter gehalten zu werden.» Das sei ein «altbekanntes Drama»: Nach anfänglichen Zeiten «der Freude, des Vertrauens- und Gunstzuspruchs» sei es immer wieder «zum Vertrauens- und Gunstentzug seitens Frau Webers, gefolgt von Diskreditierung, Einweg- und Vetokommunikation», gekommen. Die «unglückliche und immer gleiche sich wiederholende Inszenierung dieses Dramas» hält die Stiftung besonders angesichts des massiven Handlungsbedarfs im Park für «unnötig und alles andere als zielführend».

Baurechtsvertrag keine Option

Dreh- und Angelpunkt der Auseinandersetzung sind wiederum die Besitz- und Nutzungsverhältnisse: Der Park gehört zu einem Drittel der Stiftung und zu zwei Dritteln Erbin Maria Anna Weber; über die Nutzung des Privateigentums, das auch das Wohnhaus einschliesst, besteht eine Vereinbarung.

Einen Verkauf ihres Anteils an die Stiftung schliesst Weber aus; vertraglich vereinbart ist lediglich ein Vorkaufsrecht für die Stiftung. Man wolle Weber nicht zum Verkauf drängen; man könne das Kaufinteresse auch erst in zehn Jahren wieder vorbringen, schreibt diese. «Das würde aber auch die Sanierungsarbeiten des eher fragilen Wohnhauses hinauszögern.» Auf Webers geforderte Lösung mittels Baurechtsvertrag könne man aber vorerst nicht eingehen: «Solange die Baurechtssituation und Bausubstanz nicht abgeklärt und aktualisiert sind, kann von einem Baurechtsvertrag nicht gesprochen werden.»

Der Stiftungsrat hält es überdies für fraglich, ob Webers «Vetorecht» tatsächlich so weit greift, wie sie es auslegt – auch wenn sie «zweifellos unendlich viel zur Entstehung des Werkes ihres Mannes beigetragen hat». Vertraglich geregelt ist nur, dass die Umsetzung weiterer Projekte von Bruno Weber und eine Erweiterung des Parks vorgängig mit ihr abzusprechen sind. Der Stiftung sei aber kein Recht des Vereins oder von Maria Anna Weber bekannt, das «die Ausübung des Stiftungszweckes, unterzeichnete Vereinbarungen oder Baugesuche jederzeit torpedieren kann».

Wenig Verständnis hat die Stiftung auch für die Kritik, dass sie im kurz-, mittel- und langfristige Massnahmen umfassenden Sanierungs- und Erweiterungskonzept
«3-7-21» falsche Prioritäten setze. Wie für den Verein hätten nämlich auch für die Stiftung die nötigen Sanierungsmassnahmen vor einem weiteren Ausbau Vorrang, schreibt sie. Doch auch diese könnten nur mit einer langfristigen Planung finanziert und realisiert werden.
Zewo-Zertifizierung: «prüfenswert»

Vorerst offen zeigt sich der Stiftungsrat allerdings bezüglich einer der Hauptforderungen des Vereins: dass sich die Stiftung Zewo-zertifizieren lässt, was eine Vergrösserung des Gremiums sowie eine Trennung der strategischen von der operativen Ebene garantieren soll. Die Zertifizierung sei «eine prüfenswerte Idee» – allerdings nur «als Vorschlag, nicht als Direktive».

Aufgeben will der Stiftungsrat trotz der schwierigen aktuellen Situation nicht. Vorerst übt er sich in Hoffnung: «Die Zuversicht ist vorhanden, dass ein behördliches Mediationsverfahren die Parteien auf eine Linie bringt», schreibt er. Denn letztlich ginge es ihm nur um eines: Den Park wieder auf gesunde Beine zu stellen, «zugunsten einer kulturellen Wertschöpfung eines im öffentlichen Interesse stehenden Kulturgutes».

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Autor

Sophie Rüesch

Sophie Rüesch

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