Limmattal

Dieser Stadtzürcher soll Adrian Leimgrübler als Dietiker Statthalter beerben

Gérald Künzle (links) und Barbara Angelsberger präsentierten am Dienstag den Statthalter-Kandidaten Simon Hofmann. GAH

Gérald Künzle (links) und Barbara Angelsberger präsentierten am Dienstag den Statthalter-Kandidaten Simon Hofmann. GAH

Die Bezirks-FDP nominiert einen 36-jährigen Zürcher Juristen als Kandidaten für die Nachfolge im Statthalteramt. In den juristischen Verfahren Leimgrüblers gibt es nach wie vor keine Entscheide.

In den letzten Monaten gab es viele unschöne Nachrichten in Zusammenhang mit dem Dietiker Statthalteramt. Sie handelten von Vorwürfen, Hausdurchsuchungen, gerichtlichen Verfahren, fristlosen Entlassungen und Rekursen. Die Personalie Adrian Leimgrübler (FDP) beschäftigte im letzten Jahr Öffentlichkeit wie Justiz, und tut es noch.

Das Kontrastprogramm dazu liefert die Nachricht vom Dienstag von der FDP-Delegiertenversammlung des Bezirks Dietikon. Dort wurde ein junger Jurist als Nachfolger für Leimgrübler vorgestellt. Einstimmig hatten die 18 anwesenden Delegierten Simon Hofmann nominiert und waren damit dem Antrag der Findungskommission unter Leitung von alt Stadtpräsident Peter Voser aus Schlieren gefolgt. Nach seiner Nominierung gab Simon Hofmann der Limmattaler Zeitung exklusiv ein erstes Interview.

«Ein fähiger Jurist»

Der gebürtige Stäfner Hofmann besitzt ein Lizenziat in Rechtswissenschaft und arbeitet beim Generalsekretariat des VBS. Derzeit ist er dort als stellvertretender Chef für militärische Plangenehmigungsverfahren und als Fachberater Lärm beschäftigt. Er ist erst seit kurzem in der FDP und bekleidet dort keine Ämter. Hofmann ist verheiratet und hat eine zweijährige Tochter, ein zweites Kind ist unterwegs. Er wohnt seit zehn Jahren in Zürich und ist erst seit kurzem bei der FDP.

Gérald Künzle, Präsident der Bezirks-FDP, und Vizepräsidentin Barbara Angelsberger betonten nach der Versammlung mehrfach die gute Qualifikation des Nominierten. «Von den 15 Interessenten kamen 3 in die engere Wahl. Simon Hofmann hat sich als der beste Kandidat herausgestellt», so Künzle. Es sei ein fähiger Jurist gesucht worden, der das Amt professionell ausfülle. Das sei nun der Fall.

Die Initiative zur Bewerbung war nicht von Hofmann selbst ausgegangen. Von zwei Seiten sei das Amt fast zeitgleich an ihn herangetragen worden, sagte er. Auf die Frage nach seinen Zielen im Amt und seiner Befähigung dafür spricht er vom Team, das ihm sehr wichtig ist, einer guten, zuverlässigen Führung, und dass er für alle Ansprechpartner sein will. Überhaupt sei ihm der menschliche Aspekt wichtig. Ihm sei bewusst, dass die vielen verschiedenen Aufgaben als Statthalter eine Herausforderung sind. «In diesem Amt hat man viele Hüte auf. Es ist wichtig, diese Hüte zu kennen und die Aufgaben dementsprechend wahrzunehmen.» Er bringe viele Kontakte und ein gutes Netzwerk mit. Angesprochen auf das Alter des Nominierten, meinte Künzle, dass man bei der FDP nicht explizit nach jemand Jungem gesucht habe, sondern nach einem Kandidaten mit den für dieses Amt nötigen Qualifikationen. «Aber wir freuen uns, dass Herr Hofmann eine neue Generation verkörpert und trotz seiner jungen Jahre bereits Führungserfahrung gesammelt hat.»

Wenn Simon Hofmann gewählt wird, tritt er das Amt in schwieriger Zeit an. Amtsvorgänger Adrian Leimgrübler war im Dezember 2015 wegen Verdachts auf Begünstigung und anderer Amtsvergehen von der Justizdirektion fristlos entlassen worden. Von der Oberstaatsanwaltschaft Zürich war gestern zu erfahren, dass «das Verfahren nach wie vor hängig ist, eine Prognose über Zeit und Art des Abschlusses kann derzeit noch nicht gemacht werden.» Gegen seine Kündigung hat Leimgrübler Rekurs eingelegt. Eine Nachfrage bei der Staatskanzlei, die dem Regierungsrat Ablehnung oder Annahme des Rekurses beantragen muss, ergab, «dass das Geschäft in Vorbereitung ist für einen regierungsrätlichen Entscheid» – heisst: Leimgrübler befindet sich in der juristischen Warteschleife. Der offenen Verfahren wegen hatte er im Juli auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Ob sich daran etwas geändert hat, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen. Auf der Delegiertenversammlung war Leimgrübler kein Thema. «Wir haben keinerlei neue Information von der Justizdirektion und können deshalb zum Fall Leimgrübler keine Stellung nehmen», so Künzle.

Entscheidung bei der IPK

Bei der Interparteilichen Konferenz (IPK) rechnet man derzeit mit keiner Gegenkandidatur. Die IPK wird am 21. September zusammentreten, um über die endgültige Nominierung von Hofmann zu entscheiden. Unstrittig ist, dass dem Parteienproporz nach der FDP das Amt zusteht. «Mit Blick auf die Stellenprozente bei den Bezirksbehörden ist die FDP derzeit untervertreten», so der IPK-Präsident, Rolf Steiner (SP). Die IPK kennt den Kandidaten zwar noch nicht, aber Steiner geht davon aus, «dass die Konferenz ihn nominieren wird.» Nur falls man unzufrieden mit dessen Unterlagen wäre, seine Befähigung anzweifeln würde, kämen eventuell weitere Kandidaten ins Spiel, so Steiner.

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