Uitikon
Dieser Sicherheitsvorsteher steckt nicht nur ein, er schlägt auch zu

Der neue Sicherheitsvorsteher von Uitikon heisst Patrik Wolf, er wurde vom israelischen Militär aufs Amt vorbereitet. Dass der Mann, bei dem «Carlos» eingesessen ist, hart im Nehmen ist, zeigen die blauen Flecken auf dem offiziellen Amtsfoto.

Alex Rudolf
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Patrik Wolf (FDP): Der kickboxende Gemeinderat aus Uitikon.
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Gelebte Disziplin: Bis zu sechsmal die Woche erscheint er bereits um 5.30 Uhr im Training, ans Schwänzen denkt er nur selten.
In seiner Freizeit ist Wolf gerne auf seiner Harley unterwegs.
Seit 40 Jahren ist Patrik Wolf leidenschaftlicher Kickboxer.
Auch im Anzug gibt der Sicherheitsvorsteher von Uitikon eine gute Figur ab.

Patrik Wolf (FDP): Der kickboxende Gemeinderat aus Uitikon.

Toni Indelicato

Nachdem der jugendliche Straftäter «Carlos» Uitikon in Richtung Bezirksgefängnis Zürich verlassen musste, rückt im Dorf nun ein anderer Kampfsportler in Erscheinung. Das Faible für Kickboxen dürfte jedoch die einzige Gemeinsamkeit zwischen dem Jugendstraftäter und Patrik Wolf sein. Letzterer ist neuer Gemeinderat für die FDP. Leidet Wolf unter den Negativschlagzeilen, die «Carlos» der Kampfsport-Szene gebracht hat? «Vorurteile gegen uns gab es immer. Heute mit 50 Jahren treffe ich aber auf weniger als früher», so Wolf. Er ist stolz, Boxer zu sein. Dies merkt man am Porträtbild auf der Gemeindehomepage. Dort sticht dem Betrachter – neben der perfekt sitzenden Krawatte – ein Veilchen ins Auge.

Der FDP-Politiker nimmt seine blauen Flecken mit Humor, sei doch sein Gewinn, der ihm das Kickboxen seit 40 Jahren bringe, viel grösser. Durch den Sport habe er einen disziplinierten Lebenswandel: Bis zu sechsmal die Woche erscheint er bereits um 5.30 Uhr im Training, ans Schwänzen denke er nur selten. Auch mag er die Auseinandersetzung mit dem Gegenüber. Sei es im Ring, wo man sich mit festgesetzten Regeln messe, oder in der Politik. Er betont, dass Fairness und Respekt bei ihm stets einen hohen Stellenwert hätten.

Mit offenen Armen empfangen

Patrik Wolf, in Zürich geboren und in Ringlikon aufgewachsen, ging mit 21 Jahren für eine Dekade ins Ausland. Nach der kaufmännischen Lehre diente der Doppelbürger im israelischen Militär und arbeitete danach als Sicherheitsfachmann für Private unter anderem in Südafrika und Deutschland. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz im Jahr 1994 startete er bei der Sicherheitsfirma Protectas, wo er sich zum stellvertretenden Generaldirektor hocharbeitete – dank Disziplin und Spass an der Sache, wie er sagt.

Im vergangenen Jahr habe sich aber der Drang nach Veränderung bemerkbar gemacht. «Nun suche ich neue berufliche Herausforderungen. Es ist zwar noch nichts unterschrieben, fest steht jedoch, dass ich weiterhin im Sicherheitsbereich tätig sein werde», so Wolf. Dieses Vorhaben vermochte er – zumindest auf politischer Ebene – in die Tat umzusetzen: Denn nach der Konstituierung des Gemeinderates Mitte Januar war klar, dass er das Ressort Sicherheit von seiner Vorgängerin Barbara Furrer (FDP) übernehmen können würde.

Im neuen Gremium fühlt er sich wohl: «Ich wurde mit offenen Armen empfangen.» Zurzeit ist Wolf mit der Einarbeitung in seine Dossiers beschäftigt. Die Überarbeitung der Polizeiverordnung und der Ersatz des Feuerwehr-Personentransporters finden sich zuoberst auf seiner Pendenzenliste. Wolf hält sich zwar bedeckt, was seine berufliche Zukunft angeht, fragt man ihn jedoch nach seiner politischen, weiss er genau, was er will. «Ich möchte Uitiker Sicherheitsvorstand bleiben. Diesen Posten sehe ich nicht etwa als Sprungbrett für den Einzug in den Kantonsrat.»

Nach zehn Jahren in der Uitiker FDP und einigen weiteren in deren Vorstand ist dies sein erstes Exekutivamt. Dass die Mühlen in der Politik langsamer mahlen, als sie es in der Privatwirtschaft tun, dessen ist sich Wolf bewusst. «Ein kleiner Fehler kann einen wieder auf Feld eins versetzen – davor habe ich grossen Respekt.» Seine Vision für die Gemeinde deckt sich mit derjenigen des Gesamtgemeinderates: Uitikon soll massvoll wachsen, nicht im Verkehr ertrinken und die Finanzen sollen ausgeglichen bleiben, so Wolf.

Wahlkampf auch mit Veilchen

Wolfs Gespür für politische Zusammenhänge hat sich bereits nach den ersten drei Sitzungen geschärft. «Schnell wird einem klar, dass die Geschäfte, die wir im Gemeinderat besprechen, viele Interessengruppen haben.» So betont er, dass es ihm wichtig ist, differenziert zu argumentieren. «Polteris», die keinen Blick fürs grosse Ganze haben, mag er nicht.

Da sich Wolf kein Gegenkandidat in den Weg stellte, schaffte er den Sprung in die Exekutive in stiller Wahl. Trotz seines Kampfgeistes und seinem Sinn für Konkurrenz empfindet er dies nicht als Schönheitsfehler. «Hätte jemand anders ebenfalls kandidiert, dann hätte ich viel Wahlkampf betrieben.» Lachend ergänzt er: «Auch mit Veilchen.»