Schlieren
Dieser Musiker träumt von einem Tag, an dem die ganze Schweiz erklingt

Stefano Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Musikrats, plant ein nationales Musikfest.

Sandro Zimmerli
Drucken
Teilen
Tag der Musik
6 Bilder
Tag der Musik 2015
Tag der Musik 2015
Tag der Musik 2015
Tag der Musik 2015
Tag der Musik 2015

Tag der Musik

Zur Verfügung gestellt

In der Romandie und im benachbarten Ausland ist er bereits fest etabliert. Nun soll er auch schweizweit zu einem fixen Termin im Jahreskalender werden – der Tag der Musik am 21. Juni. Dieses Ziel hat sich der Schweizer Musikrat (SMR) auf die Fahnen geschrieben. Im ganzen Land sollen an diesem Tag dereinst Amateur- und Berufsmusiker im öffentlichen Raum honorarfrei auftreten und so die Vielfalt der Musik erlebbar machen. Oder, um es mit den Worten von Stefano Kunz, Schlieremer Stadtrat und Geschäftsführer des SMR, zu sagen: «Unsere Vision ist es, dass am Tag der Musik die gesamte Schweiz erklingt.»

Ein erster Schritt dazu wurde letztes Jahr getätigt, als am 21. Juni unter Federführung des SMR neben den grossen Festen in der Westschweiz erstmals an über 60 Orten in der Deutschschweiz lokale Veranstaltungen mit einem breiten musikalischen Programm über die Bühne gingen. Die Zahl soll nun für dieses Jahr mindestens verdoppelt werden.

Eine Idee aus Frankreich

Das Prinzip hinter dem Tag der Musik, der 1982 auf Initiative des damaligen französischen Kulturministers Jack Lang als Fête de la Musique in Paris erstmals stattfand und mittlerweile weltweit gefeiert wird, ist einfach. «Alle, die in irgendeiner Art und Weise mit Musik zu tun haben, sind dazu aufgefordert, am 21. Juni aktiv zu werden», sagt Kunz. Auch Gemeinden seien angesprochen, einen Anlass auf die Beine zu stellen. Es spiele keine Rolle, ob dies in Form eines kleinen Konzerts auf dem Dorfplatz, eines Vereinsfestes oder eines regionalen Musikevents geschehe. Wichtig sei, dass die musikalische Vielfalt der Schweiz nach aussen transportiert werde. «Musik begleitet uns fast rund um die Uhr und ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Allerdings wird die Vielfalt meist gar nicht wahrgenommen», so Kunz. Viele Leute würden sich vor allem für ein Genre interessieren und allen anderen kaum Beachtung schenken. «Mit dem Tag der Musik wollen wir den Blick öffnen», sagt er. Gleichzeitig soll der Anlass auch die Motivation fördern, selber Musik zu machen.

Über 600 000 aktive Musiker

Der Schweizer Musikrat wurde 1964 auf Anregung der Schweizerischen Unesco-Kommission gegründet. Er vertritt als Dachorganisation für die Musik in der Schweiz heute über 55 Verbände und Institutionen mit insgesamt rund 600 000 Aktiven aus den Bereichen Bildung, Laien, Profis, Musikwirtschaft und Musikwissenschaft. Der SMR versteht sich als Koordinations- und Informationsstelle rund um das Thema Musik sowie als Drehscheibe zwischen Politik und Kultur.

Ergänzend zu den verschiedenen lokalen Veranstaltungen plant der SMR für dieses Jahr auch einen Anlass mit nationaler Ausstrahlungskraft. Zu diesem Zweck soll auf dem Bundesplatz in Bern ein Openair-Konzert mit Schweizer Musikgrössen organisiert werden. «Wir wollen mit fünf bis sechs national bekannten Botschafterinnen und Botschaftern aus unterschiedlichen Genres zusammenarbeiten», erklärt Kunz. Bereits zugesagt habe Schlagersängerin Francine Jordi.

Gute Rahmenbedingen als Ziel

Beim Konzert auf dem Bundesplatz gehe es auch darum, Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft auf die Anliegen des SMR aufmerksam zu machen, sagt Kunz. Denn für den Dachverband des Schweizer Musikschaffens, der Musiker, Plattenlabels, Musiklehrer, Komponisten, Musikvereine, Chöre, Orchester, Bildungsinstitutionen, Musikverlage und den Musikalienhandel vereint, ist das Lobbying eine der wichtigsten Aufgaben. «Unser oberstes Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für die Musikszene in der Schweiz zu verbessern», sagt Kunz. Diesbezüglich gebe es noch einiges zu tun. Als aktuelles Beispiel nennt er die Umsetzung des Bundesbeschlusses über die Jugendmusikförderung. Der neue Verfassungsartikel hat zum Ziel, die musikalische Bildung insbesondere von Kindern und Jugendlichen zu stärken. So sollen Bund und Kantone unter anderem für einen hochwertigen Musikunterricht in den Schulen sorgen. Zudem sollen junge Menschen mit besonderer musikalischer Begabung speziell gefördert werden.

«Bei der Volksabstimmung über die Jugendmusikförderung hat eine grosse Mehrheit der Stimmberechtigten Ja gesagt. Nun, da es um die Umsetzung geht, heisst es oft, dass diese Massnahme zu teuer sei», so Kunz. Die musikalische Vielfalt, die es in der Schweiz gebe, sei nun mal aber nicht gratis zu haben. «Auch dieses Thema wollen wir mit dem Tag der Musik ansprechen», hält er fest.

Ähnlich verhalte es sich mit der Begabtenförderung. «Oft wird moniert, dass es an den Musikhochschulen zu viele ausländische Stundenten gebe. Das hat unter anderem damit zu tun, dass viele junge Schweizer Musiker die Anforderungen für die Aufnahme an die Hochschule nicht erfüllen, weil es an der nötigen Förderung in den frühen Jahren fehlt», sagt Kunz. Das Problem bestehe darin, dass es zwar eine Vielzahl von Angeboten gebe, diese untereinander aber kaum koordiniert seinen. Auch das wolle der SMR ändern.

«Wellness für das Gehirn»

Denn für Kunz steht ausser Frage, dass eine musikalische Ausbildung eine Bereicherung für jedes Kind ist. «Beim Musikmachen werden, vielleicht noch mehr als beim Sport, soziale Kompetenzen erworben. Ohne Rücksicht auf die anderen Musiker und ohne auf sie einzugehen, kann man nicht musizieren», so Kunz. Zudem sei Musik Wellness für das Gehirn. «Aber auch der Schulunterricht lässt sich mit Musik abwechslungsreicher gestalten», hält Kunz fest. Und nicht zuletzt gebe es eine wirtschaftliche Komponente. «Die Kreativwirtschaft, zu der die Musik einen wesentlichen Beitrag leistet, ist am Wachsen und schafft immer mehr neue Arbeitsplätze.»