Am Mittagstisch des Sozialdienstes Limmattal wird ein lockerer Umgang gepflegt, Betreuer und Besucher kennen sich zum Teil seit Jahren. «Manchmal kommen sie rein und rümpfen die Nase, noch bevor sie wissen, was es zu essen gibt», erzählt Betreuerin Andrea Maurer. Hier erhält man für fünf Franken oder gegen Abgabe eines Gutscheins ein warmes Mittagessen. «Am Schluss essen sie es aber immer», fügt sie mit einem liebevollen Unterton an.

Etwa die Hälfte der mittäglichen Gäste arbeiten im Tageslohn für den Jobbus, einem weiteren Angebot des Sozialdienstes. Dort werden Beschäftigungsplätze für Sozialhilfeempfänger und ausgesteuerte Menschen angeboten. Während Maurer in einem Topf mit Thaicurry rührt, sagt sie: «Die grösste Herausforderung bei der Vorbereitung des Essens ist, abzuschätzen, wie viele Leute jeweils kommen. Meistens koche ich für zirka 20 Personen.» Was übrig bleibt, dürfen die Anwesenden mit nach Hause nehmen. Ein grosser Teil der Esswaren wird vom Projekt Schweizer Tafel der Stiftung Hoffnung für Menschen in Not zur Verfügung gestellt. Das bei Grosshändlern und Produzenten gesammelte Essen wird jeweils montags, mittwochs und freitags an verschiedene Institutionen verteilt. An diesen Tagen ist der Zulauf am Mittagstisch am grössten. Die nicht verwerteten Esswaren werden am Nachmittag an die Besucher weitergegeben.

«Noch ein wenig tanken»

Um Punkt 12 Uhr sollte das Essen auf dem Tisch stehen, denn dann treffen die Arbeiter des Jobbusses ein. Die eineinhalbstündige Mittagspause nützen viele von Ihnen, um nach dem Essen «noch ein wenig zu tanken», wie es Rainer Boltshauser, Betreuer beim Jobbus, formuliert. Auf dem Gelände des Chilbiplatzes in Schlieren sind, mit Ausnahme von Zigaretten, jegliche legalen wie illegalen Substanzen strengstens verboten.

Sich das Essen schöpfen und die Teller abräumen müssen die Besucher selbst, es darf auch jederzeit Nachschlag geholt werden. «Es hät, solangs hät», ist das Motto. Wer die fünf Franken nicht zusammenbringt, muss bei den anderen Gästen herumfragen. Als es jemandem an 15 Rappen mangelt, hilft ihm ein anderer grosszügig aus. «Wir müssen immer den exakten Betrag verrechnen, sonst würden alle eine Ausnahme verlangen», so Maurer. Um 12.15 Uhr verlassen einige den warmen Speisesaal bereits wieder. Sie werden ermahnt, pünktlich um 13.15 Uhr zurück zu sein. Andere bleiben und bedienen sich am Dessertbuffet. Kaffee, Kuchen und Früchte stehen immer zur Verfügung.

Wer sich etwas dazuverdienen möchte, kann Maurer oder ihrer Kollegin Claudia Béguin in Einsätzen von jeweils einer Woche am Mittagstisch aushelfen. Dafür muss man vorher eine Zeit lang regelmässig im Jobbus gearbeitet haben. «Auf diese Weise testen wir, ob es jemandem gelingt, regelmässig zur Arbeit zu erscheinen», sagt Maurer. Die Küchenhilfen werden zu jeweils fünf Tageseinsätzen verpflichtet, pro Einsatztag erhalten sie 45 Franken. Die Woche geht von Donnerstag bis Mittwoch, das freie Wochenende dazwischen soll das Durchhaltevermögen steigern. Wer unentschuldigt der Arbeit fernbleibt, ist für unbestimmte Zeit für die Arbeit im Jobbus gesperrt.

Hürde ist niedriger

Nicht nur der Hunger wird am Mittagstisch gestillt, auch Budgetberatungen und Hilfe bei der Wohnungssuche werden angeboten. Schwierigkeiten mit Ämtern oder Suchtmitteln besprechen die Besucher oft lieber mit vertrauten Ansprechpartnern als mit irgendeinem Berater. «Im Sozialdienst läuft extrem viel über langjährige Beziehungen mit den Betreuten», erklärt Maurer.
Sie sieht den Mittagstisch als eine Art Zwischenstelle: «Wir sprechen mit den Menschen über ihre Probleme und vermitteln sie dann weiter. Bei uns müssen sie keinen Termin vereinbaren und dürfen in jedem Zustand erscheinen — solange sie sich an die Regeln halten.»