Weiningen
Dieser Mann lässt den Betrachter mitten im Bild stehen

Ralph Schmidt aus dem zürcherischen Weiningen macht Kugelpanoramen von Orten in der ganzen Schweiz — nur der Säntis wollte bislang nicht gelingen.

Carolin Teufelberger
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Für seine Kugelpanoramen benötigt der Weininger Ralph Schmidt lediglich Stativ und Kamera.

Für seine Kugelpanoramen benötigt der Weininger Ralph Schmidt lediglich Stativ und Kamera.

Zur Verfügung gestellt

Ralph Schmidt sitzt am Computer in seinem Büro in Weiningen und zeigt seine Erstlingswerke. Anfangs sei bei seinen Kugelpanoramen noch so einiges schiefgegangen. Auf den Bildern finden sich schräge Linien, unscharfe Motive oder Schatten des Fotografen. «Aber das gehört dazu, nur so lernt man», sagt Schmidt. Und er hat gelernt.

Bei Kugelpanoramen hat man als Betrachter das Gefühl, mitten im Bild zu stehen. Man kann sich virtuell einmal um die eigene Achse drehen sowie nach oben und unten schauen. Dazu klickt man mit der Maustaste in das Bild und fährt mit gedrückter Taste herum. Seine ganze Wirkung kann das Bild deshalb nur auf dem Computer entfalten, ausgedruckt wirkt es viel unspektakulärer.

Schmidt macht seine Kugelpanoramen mit einem Fischauge-Objektiv. Dieses nimmt in einem Winkel von fast 180 Grad auf. «Damit muss ich nur sechs Fotos rundherum, eines nach oben und drei nach unten machen», erklärt Schmidt. Danach werden die Bilder in einem Bearbeitungsprogramm zusammengefügt.

Mehr Zeit für die Fotografie

Eine Variante des Kugelpanoramas ist der Little Planet. «Wenn man das Kugelpanorama digital nach aussen stülpt, entsteht ein solcher Little Planet», erzählt Schmidt. Man könne es sich als Gegenstück zum Kugelpanorama vorstellen. Anstatt im Bild zu sein, sehe man es von aussen. Auch Gigapanoramen gehören zu seinem Repertoire. «Das sind Bilder mit viel mehr Weitsicht», erklärt er.

Das «normale» Fotografieren übe er kaum aus. «Ich liebe es, aus dem Bild etwas zu machen, was vorher so nicht da war», sagt Schmidt. Der Reiz an der Nachbearbeitung habe mit seiner täglichen Arbeit zu tun. «Ich bin in der IT-Branche tätig und war schon immer sehr technikaffin.» Er könne sich gut vorstellen, zukünftig in seinem Job etwas kürzerzutreten. «Ich würde gerne mehr Zeit mit dem Fotografieren verbringen. Dafür müssen aber genug Anfragen von potenziellen Kunden wie Hotels oder Immobilienhändlern kommen.»

Auf die Idee mit den Panoramabildern kam Schmidt durch seinen Nachbarn. «Eines Tages kam er rüber und schenkte mir ein Panoramabild von St. Moritz, das er selber aufgenommen hatte. Es lag lange herum, bis ich es irgendwann auf eine Holzplatte leimte und aufhängte», erzählt Schmidt. Bald liess ihn das Thema aber nicht mehr los. Er wagte seine ersten Gehversuche mit einer einfachen Schnappschusskamera und holte sich Tipps beim Nachbarn. «So wurden meine Panoramafotografien wie auch das Equipment immer besser.»

Danach sei der Schritt zu den Kugelpanoramen nicht mehr gross gewesen. «Ich stiess irgendwann beim Googeln darauf und war begeistert», so Schmidt. Es sei aber schwer, richtig gute Anleitungen zu finden, deshalb habe er sich vieles selbst beibringen müssen. Aus diesem Grund seien die ersten Bilder auch voller Fehler gewesen. «Vor allem um streng geometrische Linien korrekt darstellen zu können, hat es einiges an Übung gebraucht», erklärt Schmidt.

Anekdoten eines Fotografen

Dafür habe er heute einige Geschichten zu erzählen. Vor einiger Zeit hätten sich sein Nachbar und er dazu entschlossen, den Sonnenaufgang vom Säntis aus zu fotografieren. «Beim ersten Mal hat es sehr stark geregnet, sodass wir in der Talstation bleiben mussten.» Bald darauf sei dann der zweite Anlauf gefolgt, doch auch da ging nicht alles glatt. «Wir waren zwar rechtzeitig dort, aber leider war die erste Seilbahn schon so voll, dass wir die zweite abwarten mussten. Bis wir dann endlich oben ankamen, stand die Sonne schon viel zu hoch», so Schmidt. Sie hätten trotzdem einige schöne Bilder geschossen.

Doch damit sei das Projekt Säntis noch nicht abgeschlossen. Ralph Schmidt ist zuversichtlich, dass es beim nächsten Mal klappt: «Wie heisst es doch so schön? Aller guten Dinge sind drei.»

Hier gehts zu Kugelpanoramen von Ralph Schmidt.