Dietikon
Dieser Kinoprojektor surrt dank Sonnenschein

Kino einmal anders: Der Projektor von «Cinéma Solaire» wird allein mit Sonnenlicht betrieben. Nächste Woche macht das Kino Halt auf dem Kirchplatz.

Katja Landolt
Merken
Drucken
Teilen
«Cinéma Solaire» setzt auf Einfachheit: Stühle bringen die Zuschauer selber mit (wie hier in Basel). zvg

«Cinéma Solaire» setzt auf Einfachheit: Stühle bringen die Zuschauer selber mit (wie hier in Basel). zvg

Limmattaler Zeitung

Die Idee hinter «Cinéma Solaire» ist bestechend: Tagsüber Sonnenlicht einfangen und damit nachts einen Kinoprojektor betreiben. Die Idee ist nicht nur simpel, sie funktioniert auch: Seit fünf Jahren radeln die Erfinder, der Berner Reto Schmid und der Winterthurer Christoph Seiler, mit ihrem mobilen Solarkino durch die Schweiz und organisieren Vorstellungen unter freiem Himmel. Jetzt kommt das «Cinéma Solaire» erstmals nach Dietikon.

Lichtblick während Zivildienst

Über zwei Solarpanels wird die Sonnenenergie gesammelt und in Strom umgewandelt. Dieser wird in die so genannten «Lichtspeicherkiste» eingespeist und betreibt abends dann den Beamer. Das gesamte Equipment findet in zwei Veloanhängern Platz. «Die Leute glauben manchmal nicht so recht, dass das tatsächlich funktionieren soll und sind dann umso begeisterter von der Einfachheit der Technik», sagt Schmid. Das sei schön zu sehen.

Entstanden ist die Idee eines Solarkinos während eines gemeinsamen Zivildienstes von Schmid und Seiler, als Attraktion für einen «Tag der offenen Tür». Inzwischen wurde das Equipment überarbeitet und modernisiert. War die Lichtspeicherkiste vor fünf Jahren noch rund 80 Kilo schwer, ist sie heute deutlich leichter und der Speicher effizienter. Ausserdem werden die Filme inzwischen digital und nicht mehr über einen
16-Millimeter-Projektor abgespielt.

Angst, dass sie nach einem wolkenverhangenen Tag plötzlich mitten in der Vorstellung im Dunkeln sitzen, müssen die Zuschauer nicht haben. «Der Speicher in der Lichtspeicherkiste ist gross, er reicht für zwei bis drei Filmvorstellungen. Wir können also mehrere sonnenarme Tage überbrücken», sagt Schmid. Nur im absoluten Notfall würden die Betreiber auf Strom aus der Steckdose zurückgreifen; auf von den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) gesponserten Solarstrom.

«Cinéma Solaire» setzt auf die Einfachheit eines unkomplizierten Kinoabends. Es werden Filme gezeigt, die man an grossen Openair-Kinoveranstaltungen kaum zu sehen bekommt. Ausserdem gibt es kein Catering, keinen Ticketverkauf – und keine Sitzgelegenheiten. «Wir bringen den Film, die Leute den Komfort», sagt Schmid. Das Publikum bringt also alles selber mit, was es für einen gemütlichen Filmabend braucht: Stühle, Decken, Kissen, Picknick. Dafür müssen die Gäste keinen Eintritt bezahlen, sondern können eine freiwillige Kollekte abgeben.

Zwischen 3 und 300 Zuschauer

Das «Cinéma Solaire» kommt an; allein diesen Sommer haben Schmid und Seiler 40 Vorführungen auf der Agenda, wobei die Zuschauerzahl jeweils irgendwo zwischen 3 und 300 Besuchern liege. «Diese Saison mussten wir erstmals Verstärkung organisieren», sagt Seiler. Die Vorführungen im Raum Zürich werden deshalb von Marion Meyer und Manuel Steinmann durchgeführt.

Cinéma Solaire auf dem Kirchplatz in Dietikon. Dienstag, 14. Juni, «Mary & Max»; Donnerstag, 16. Juni, «Before Sunset». Filmstart 21.30 Uhr. Eintritt frei, Kollekte. Stühle, Kissen und Decken selber mitbringen. www.cinema-solaire.ch