Dietikon

Dieser Kakteensammler kümmert sich gut um Mickeymaus

Als Verdingkind flüchtete Lukas Häfeli oft in die Welt der Tiere und Pflanzen.

Als Verdingkind flüchtete Lukas Häfeli oft in die Welt der Tiere und Pflanzen.

Lukas Häfeli hat schon früh seine Leidenschaft zu Kakteen entdeckt. Er sammelt sie in allen Formen und Farben auf seinem Balkon. Was viele nicht wissen, die stacheligen Pflanzen können ganz viel Wärme und Geborgenheit vermitteln.

Weisse, gelbe und rosarote Blüten in verschiedenster Form und Variation – Lukas Häfeli klickt durch die Galerie seiner Digitalkamera. Sie zeigt Bilder der letzten Blüten seiner Kakteen. «Die Knospen werden bis zu 20 Zentimeter lang und sie blühen nur 24 Stunden», sagt der 76-jährige Dietiker.

Wie viele Arten seine Kakteensammlung umfasst, weiss er nicht genau. Erst auf Anfrage versucht er zu schätzen. Rund fünf Arten und insgesamt 20 Kakteen habe er. Diese stehen im Moment noch auf dem Balkon. Zieht der Winter ein, kommen die kleineren Pflanzen in ein Glasterrarium und die grösseren stellt der gelernte Maler ins Treppenhaus.

Dorthin kommt auch der Mickymaus-Kaktus. Diesen habe er vor 17 Jahren von einer befreundeten Wirtin aus Eglisau geschenkt bekommen. Die Pflanze hat Partien, die wie Mickymaus-Köpfe aussehen. Deshalb werde sie nach dieser Comicfigur benannt. «Unter Kakteen-Sammlern ist es üblich, ein Stück der Pflanze abzuzweigen und es weiterzuverschenken», sagt er. Denn beim abgebrochenen Stück habe es schon feine Wurzeln, die, einmal in Erde gesetzt, weitere Wurzeln schlagen.

Pflegeleichte Pflanzen

Nicht in der Haut stecken bleiben, sollen hingegen die mikrofeinen Stacheln des Mickymaus-Kaktus. Die könne man kaum entfernen, sodass sich Ausschläge und feine Eiterbeulen auf der Haut entwickeln würden.

Er müsse jedoch zugeben, dass die Kakteen für ihn eine Art Ersatzreligion seien, sagt Häfeli, der sogleich eine Lanze für den Buddhismus bricht. Er habe einiges über diese Religion gelesen und ihm gefalle die Naturverbundenheit dieser Glaubensrichtung.

Gerechte Natur

Tiere und Pflanzen hätten ihm, dem ehemaligen Verdingbub, Trost gespendet und als Zufluchtsort vor der skrupellosen Welt der Erwachsenen gedient. Sein bester Freund in der Kindheit sei ein Zuchtmuni gewesen, erinnert sich der 76-Jährige. Und Kakteen schätzt er, dass sie «viel gerechter sind als Menschen. Ihre Stacheln tun zwar weh, doch belohnen sie Aufmerksamkeit mit gutem Gedeihen».

Schlage jemand auf seine Kakteen ein, sei es so, als würde man ihm Schmerzen zufügen. «Denn die Pflanzen sind ein Spiegelbild meiner Seele. Wie sie habe auch ich Stacheln, vor allem weil ich immer noch Idealist mit hohen Erwartungen geblieben bin, die unweigerlich enttäuscht werden», sagt Häfeli. Doch verzeihe ihm seine Umwelt diese hohen Ansprüche, weil er im Grunde ein bescheidener Menschenfreund geblieben sei. Ein Kakteenliebhaber ist er auf jeden Fall.

Einmal im Jahr besuche er die Sukkulentensammlung am Zürichsee und lasse sich dort inspirieren. 1995 reiste er sogar nach Mexiko und sah dort die enorme Vielfalt dieser Wüstenpracht.

Von seiner Leidenschaft profitieren auch seine Nachbaren und Freunde in Dietikon, Regensdorf und Spreitenbach. Dort wachsen Jungpflanzen seiner Kakteen. Es ist Häfeli ein Anliegen, seine Sammlung jemandem zu vererben, der Freude daran hat.

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