Philipp Hofstetter wurde geboren zum Tanzen. «Ich war schon als Kind fasziniert von Musik», sagt der 15-Jährige aus Aesch. «Wenn ich Musik hörte, begann ich mich dazu zu bewegen und Tanzfiguren zu machen, die ich zum Beispiel in Filmen gesehen hatte», erzählt er. Aus diesem Interesse heraus versuchte er sich zunächst im Ballett. Im Alter von sieben Jahren begann er mit dem Tanzsport und bereits nach einem Jahr Unterricht trat er an einem ersten regionalen Turnier auf.

Heute ist Philipp Hofstetter in seiner Alterskategorie der beste Tänzer der Schweiz. Soeben gewann er mit seiner Tanzpartnerin, der ebenfalls 15-jährigen Natalie Cremar, drei SchweizerMeister-Titel bei den Junioren. Am Wochenende holte sich das Paar in seiner Altersklasse in allen drei Disziplinen – 10-Tanz, Latein und Standard – Goldmedaillen.

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Tanzsport - Natalie Cremar und Philipp Hofstetter

Jeden Tag vier Stunden Training

Schon zwei Wochen vor der Schweizer Meisterschaft lagen die Leistungen der beiden an der Weltmeisterschaft im Lateintanz in Moldawien weit über den Erwartungen: Sie tanzten sich auf den 17. Platz; 66 Paare nahmen teil. Laut ihrem Trainer Daniel Steinmann ist dieser Erfolg in der Juniorenkategorie für die Schweiz einzigartig.

Doch er kommt nicht von ungefähr: Philipp Hofstetter trainiert an der Zürcher Tanzschule Dance Unlimited Zurich jeden Tag mindestens vier Stunden lang. Dieses intensive Training ist nur deshalb möglich, weil er diesen Sommer an der United School of Sports in Zürich die kaufmännische Grundausbildung in Angriff genommen hat. Morgens besucht er den Unterricht, der Nachmittag ist fürs Training reserviert. Die KV-Lehre wird er später mit einem Berufspraktikum abschliessen. Davor hatte er bereits die Sport-Sekundarschule in Zürich besucht.

«Wenn ich tanze, fühle ich mich frei», sagt Philipp Hofstetter, der schon sein ganzes Leben lang in Aesch wohnt. «Dann kann ich die Schule und den Alltag vergessen.» Beim Training und den Turnierauftritten konzentriere er sich nur auf die Choreografie. Deren Abläufe auswendig zu lernen, stellt für den jungen Tänzer manchmal eine Herausforderung dar.

Dass Philipp Hofstetter und Natalie Cremar zusammengefunden haben, war ein Glücksfall. Zwar war der Limmattaler bereits vorher erfolgreich. Bereits 2009 ergatterte er sich an einem regionalen Cup in seiner Kategorie die erste Goldmedaille. Danach ging es mit seiner Tanzsportkarriere bergaufwärts: Mit seinen Tanzpartnerinnen Estella Schell und Zoe Rinaldi holte er mehrere Medaillen an Schweizer Meisterschaften, darunter auch einmal Dreifach-Gold. Doch als er letztes Jahr an einem Tanzworkshop Natalie Cremar traf, war klar: Jetzt hat sich ein Tanzpaar gefunden, das sich an die Spitze kämpfen will. Natalie Cremar, die in Gunzgen im Kanton Solothurn wohnt, besucht wie Philipp Hofstetter zuvor die Sport-Sekundarschule. Bereits an den Schweizer Meisterschaften im letzten Jahr gewannen die beiden Silber in Latein und Standard sowie Gold im 10-Tanz.

Am Sonntag wird das junge Tanzpaar nun an der Juniorenweltmeisterschaft im 10-Tanz in Polen über das Parkett fegen. Philipp Hofstetter möchte mindestens einen Platz in der ersten Hälfte des Klassements erreichen. Trainer Daniel Steinmann attestiert dem Paar grundsätzlich gute Chancen, im Tanzsport noch weiter zu kommen: «Die beiden sind äusserst talentiert und haben dieselben Ziele.»