Den beiden Männern auf der Terrasse war wohl nicht bewusst, dass ihnen soeben ein Held das Bier serviert hat. In Schlieren ist Arlindo Oliveira noch unbekannt. Erst im September hat der 46-Jährige an der Zürcherstrasse ein portugiesisches Restaurant eröffnet. Doch das ist nicht der Grund, weshalb sich derzeit die Medien für ihn interessieren. Oliveira ist vom «Beobachter» für den Prix Courage nominiert.

Seine Heldengeschichte ereignete sich an einem Nachmittag im März: Oliveira wollte im Migrol-Tankstellenshop in Winterthur einige Lebensmittel einkaufen. Als er vor der Kasse in der Warteschlange stand, betraten drei Männer das Geschäft. Sie randalierten, pöbelten und beschimpften die Kassenfrau. Ein junger Mann wollte die Situation entschärfen und lenkte dadurch die Aggression auf sich. Prompt drosch einer der Pöbler auf den jungen Mann ein, schlug ihn gegen die Gefriertruhe. Die anderen Leute im Tankstellenshop wichen zurück. «Der Schläger war glatzköpfig, kräftig und trainiert», sagt Oliveira. Im Geschäft seien etwa 20 Kunden gewesen – keiner schritt ein. Also legte er seine Einkäufe auf den Boden und stürzte sich dazwischen. Doch gegen den brutalen Gegner hatte er keine Chance: Oliveira erhielt Schläge gegen die Rippen und gegen den Kopf. «Ich ging zu Boden und war für einige Sekunden weg.»

Seine Hilfe könnte sich lohnen

Dann kam die Polizei. Wahrscheinlich seien sie den Tätern bereits auf der Spur gewesen, denn die Drei hätten zuvor an der Tankstelle Kemptthal ebenfalls jemanden verprügelt. Gefasst wurden sie letztlich, weil sie auf der Autobahn anscheinend im Stau festsassen. Das erfuhr Oliveira später von der Polizei. Auch, dass die Täter Touristen aus Estland waren. Als erstes musste Oliveira ins Spital. Er blutete. Unterhalb der Lippen musste er genäht werden. Von den geprellten Rippen und der Hirnerschütterung habe er sich gut erholt. Nur an seinem Kiefer, da fühle er ab und an noch etwas.

Gleichwohl bereut Oliveira sein Eingreifen nicht. Er würde es wieder tun. «Man kann nicht einfach wegschauen, wenn jemand grundlos attackiert wird», sagt er. Allerdings findet er es schade, dass niemand sonst im Laden helfen wollte: Wenn alle gemeinsam eingeschritten wären, hätte der Schläger keine Chance gehabt. Oliveiras Einsatz könnte sich nun finanziell lohnen, denn dem Sieger des Prix Courage winken 15000 Franken.

Geld, das er für sein neu eröffnetes Restaurant Churasqueria do Douro gut gebrauchen könnte. Zwar ist er bisher zufrieden: Es sei gut angelaufen, und am Mittag kämen mehr und mehr Kunden, sagt er. Aber die Einnahmen reichten noch nicht ganz. In Winterthur betreibt er zudem beim Bahnhof das Bistro Old Pullman. Doch nach fast dreissig Jahren Erfahrung im Schweizer Gastgewerbe wollte er noch etwas grösseres aufziehen.

In Schlieren übernahm er schliesslich das Lokal eines italienischen Restaurants. Statt auf Pizza setzt Oliveira auf Poulet, Crevetten und Bacalhau. Ob er nun seinen Wohnort von Winterthur nach Schlieren verlegt, lässt er noch offen. Vorerst will er schauen, wie das Restaurant anläuft, ob seine portugiesischen Spezialitäten ankommen. Nun freut er sich erst einmal auf die kommende Preisverleihung am 7. November. Allerdings würde er den Preis dem Mann geben, der in Bern das kleine Mädchen aus der Aare gerettet hat.

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