Zwei bis drei Bratwürste liegen am frühen Nachmittag, kurz vor dem Auftritt der Hauptrednerin, genussfertig auf dem Grill: Der Andrang zur Limmattaler 1.-Mai-Feier auf dem Dietiker Kirchplatz hält sich in Grenzen. Knapp 100 Leute sind gekommen. «Bei diesem Wetter geht ja kein Hund vor die Tür», sagt Rolf Steiner, Präsident der SP Limmattal. Immerhin sitzen die Anwesenden in der Säulenhalle auf dem Kirchplatz einigermassen im Trockenen. Und die Limmattaler 1.-Mai-Feier sei ja ohnehin zumeist ruhig, verglichen mit Zürich – «ein Familientreffen», so Steiner. Auf der Bühne spielt die Band «Slap» ihr erstes Konzert: Beatles-Songs und andere Rockklassiker. Sänger Sebastian Willig trat 2014 in Weiningen für die SP an, um einen Gemeinderatssitz zu erringen – erfolglos. Nun greift er in die Tasten und singt «Let It Be».

Dann schreitet Unia-Co-Präsidentin Vania Alleva zum Rednerpult. Sie beginnt auf Italienisch; eine Referenz an den Partito Democratico Italiano, der das Fest in Dietikon zusammen mit SP, AL und Gewerkschaften organisiert. Doch der Hauptteil ihrer Rede ist auf Deutsch: Klartext für die hiesigen Genossinnen und Genossen.

«Der Klassenkampf von oben ist noch brutaler geworden. Und noch zynischer», hebt die Gewerkschaftschefin an. Sie geisselt die Aufhebung des Franken-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB): «Seit SNB-Präsident Thomas Jordan den Spekulanten grünes Licht zur Jagd auf den Schweizer Franken gegeben hat, gehen die neoliberalen Kaputtmacher auf Frontalangriff: Sparen! Bürokratie abbauen! Kosten senken! Dieser Frontalangriff richtet sich gegen uns!» Die «neoliberalen Klassenkämpfer» würden die Zukunft der Jugend und die Existenzgrundlage von vielen Tausend Arbeitnehmenden und ihren Familien zerstören. «Und es werden noch viel mehr werden, wenn wir den krassen Fehlentscheid der SNB nicht schleunigst korrigieren können», ruft Alleva den Anwesenden zu. Es drohten die Aushöhlung der Sozialwerke, die Kürzung der Renten, die Privatisierung des Gesundheitswesens, die Zerstörung von Gesamtarbeitsverträgen, Lohndumping und eine Abkehr von der Energiewende. «Die Schweiz ist schon heute ein extrem ungleiches Land. Zwei Prozent der Superreichsten besitzen gleich viel Vermögen wie die restlichen 98 Prozent», sagt Alleva. Nur in Namibia und Simbabwe sei die Vermögensverteilung noch ungleicher.

Alleva fordert, die SNB müsse «ihren Fehler korrigieren, eine Frankenobergrenze garantieren und damit die Devisenspekulanten kalt stellen.» Zudem wirbt sie für ein Ja zur Erbschaftssteuerinitiative im Juni als Beitrag zu einer gerechteren Besteuerung der Riesenvermögen und fügt an: «Langfristig braucht es eine Kapitaltransaktionssteuer.»

Anschliessend richtet Santo Vena vom Partito Democratico Italiano noch das Wort an die Anwesenden, wiederum auf Italienisch. Und nach dem Hinweis, es gebe noch Kaffee, Kuchen, Bratwürste und Pasta an der Bar, rocken Slap weiter: Mit einem Lied, das sie vor den Reden schon einmal gespielt haben, heizen sie an diesem nasskalten 1. Mai nochmals ein.