Zürcher Wahlen
Dieser FDPler hat im Limmattal am meisten Fremdstimmen geholt

Das Rating FDP-Kantonsrat Andreas Geistlich ist im Limmattal am häufigsten panaschiert worden – insbesondere dank eines starken Partners.

Oliver Graf
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Andreas Geistlich, FDP, Schlieren

Andreas Geistlich, FDP, Schlieren

AZ

Die Rangliste ist auf den ersten Blick überraschend: Die FDP liegt im Bezirk Dietikon an erster Stelle, dicht gefolgt von CVP – und auch die SP schafft es noch aufs Podium. Es handelt sich dabei um eine Spartenrangliste der Kantonsratswahlen, die aber auch eine gewisse Bedeutungskraft aufweist: die Panaschierstatistik.

Zuerst zu den etwas trockenen Grundlagen: Im Wahlkreis VII, welcher dem Bezirk Dietikon entspricht, sind bei den Kantonsratswahlen insgesamt fast 140'000 Stimmen für die Kandidaten abgegeben worden. Diese hohe Zahl ergibt sich daraus, dass jeder Wahlberechtigte auf seinem Zettel elf Namen notieren konnte; rund 13'000 Personen haben ihre Liste mit ihren bis zu elf Favoriten abgegeben (einige liessen auch ein paar Linien frei).

Und jetzt wird es spannend. Fast acht Prozent all dieser Stimmen erhielten Politiker, weil Wähler anderer Parteien einen «eigenen» Kandidaten gestrichen und von Hand einen «fremden» Politiker auf die Liste gesetzt haben: 11'000-mal haben die Wählerinnen und Wähler einen Kandidaten panaschiert, um ihm aus Goodwill oder Überzeugung auch eine Stimme zu schenken. Die entsprechende Statistik zeigt also auf, wie weit ein Kantonsratsbewerber über die eigene Parteigrenze hinaus bekannt und auch akzeptiert ist.

Freunde unterstützen sich

Im Wahlkreis Dietikon hat Andreas Geistlich von der FDP am meisten Panaschierstimmen erhalten. Kantonsweit liegt er auf dem achten Gesamtrang. CVP-Kantonsrat Josef Wiederkehr landete im Bezirk im zweiten Rang (kantonsweit 29). Und SP-Politikerin Rosmarie Joss hat am drittmeisten Fremdstimmen auf sich vereinigen können (kantonsweit 81). Die Stimmen für das Dietiker Spitzentrio kommen aus verschiedenen Ecken, die auch die gesamtkantonalen Trends widerspiegeln.

Geistlich erhielt von seinen insgesamt 3862 Stimmen 871 von den Wählern anderer Parteien. 434 und damit fast exakt die Hälfte davon stammte von SVP-Wählern, die allgemein der FDP am häufigsten aushalfen. Vergleichsweise stark war auch die Unterstützung von den (kleineren) bürgerlichen Parteien; so steuerten CVP-Wähler 117 Stimmen hinzu.

Bei Wiederkehr, von dessen 1990 Stimmen 747 von anderen Parteien kamen, ist die Unterstützung durch FDP (256) leicht grösser als durch die SVP (246). Auf der linken Seite spielten die Partnerschaften ebenfalls: Joss erhielt insgesamt 2986 Stimmen, 511 wurden ihr dabei von den Wählern anderer Parteien gutgeschrieben. Die grösste Unterstützung kam dabei von Personen, die die Liste der Grünen eingeworfen haben und darauf 122-mal die SP-Kantonsrätin notiert haben. Die Panaschierstatistik zeigt auf, dass Joss auch im bürgerlichen Wähler auf eine gewisse Unterstützung zählen darf – am zweit- und am drittmeisten Fremdstimmen erhielt sie von der FDP (96) und den Grünliberalen (81).

Fremdstimmen sind aber nicht alles. Das zeigte sich etwa bei der FDP. Martin Romer (Listenplatz 4) erhielt zwar 328 Fremdstimmen und damit mehr als die vor ihm auf der Liste platzierten André Müller (280) und Beatrice Krebs (236). Doch Romer schaffte den Einzug in den Kantonsrat nicht; die gewählten Müller und Krebs konnten etwas mehr eigene Stimmen verbuchen. (og)