Olympische Spiele
Dieser Dietiker Swiss-Pilot bringt Schweizer Athleten nach Rio

Ob Ferienpassagiere oder Spitzensportler: Der Dietiker Swiss-Pilot Peter Tilly bringt alle sicher ans Ziel.

Flurina Dünki
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Dietiker Swiss-Pilot Peter Tilly fliegt Schweizer Athleten nach Rio
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Der Dietiker Swiss-Pilot Peter Tilly erklärt das Cockpit der Boeing 777
Der Dietiker Swiss-Pilot Peter Tilly.
Seitenausgang für Piloten: Peter Tilly
"Ein Triebwerk der Boeing 777 ist fast gleich leistungsstark wie alle 4 der A340"
Wo dereinst Athleten sitzen werden: Boeing 777
Wo dereinst Athleten sitzen werden: Boeing 777

Dietiker Swiss-Pilot Peter Tilly fliegt Schweizer Athleten nach Rio

Flurina Dünki

Das Reisedatum verheisst Gutes für die Schweizer Olympiadelegation. Just am
1. August, dem Nationalfeiertag, heben 40 Schweizer Athleten in Richtung Rio de Janeiro ab, wo am 5. August die Olympischen Sommerspiele starten. Eine der wichtigsten Funktionen an Bord wird dabei ein Dietiker ausführen, denn ohne ihn würden die Athleten am Boden bleiben. Peter Tilly ist langjähriger Swiss-Pilot und wird 40 der insgesamt 109 Schweizer Hoffnungsträger nach Brasilien fliegen.

Als sich Tilly Ende der 1980er-Jahre zur Ausbildung als Swissair-Pilot meldete, hatte er noch nie zuvor in einem Flugzeug gesessen. Die Neugier habe ihn damals geleitet, sagt der heute
50-Jährige. «Als 20-Jähriger denkt man, alles zu können und will alles ausprobieren. So bin ich im Pilotenberuf gelandet.» 2004 versuchte sich Tilly abermals in Neuem. Er begann, einen Blog über seinen Pilotenalltag zu schreiben, der sich in kurzer Zeit grosser Beliebtheit erfreute. Über eine Million Mal wurden die «Gedanken eines Fliegenden» inzwischen aufgerufen. 2008 hat er erstmals gesammelte Blog-Einträge als Buch herausgegeben. «Als Copilot unterwegs» hiess es damals im Untertitel. Mittlerweile ist Tilly Kapitän und seit Dezember 2015 zusätzlich Pilotenausbildner für die Boeing 777, den neusten Swiss-Langstreckenflieger, mit dem auch die Schweizer Olympiaathleten fliegen werden. Dem Abflug um 22.40 Uhr geht ein 1.-August-Fest auf der Flughafenterrasse voraus, in dessen Rahmen die Athleten gebührend verabschiedet werden.

Seine Funktion als Boeing-Instruktor hatte denn auch Einfluss darauf, dass Tilly die Ehre eines «Olympiafluges» zuteil wird. Trotz aller Aufregung: Bei einem Flug voller Feriengäste fliege ein Pilot nicht weniger aufmerksam als mit einem Rumpf voller Sportprominenz. «Ich gebe alles, um die Sportler sicher nach Rio zu fliegen und ihnen ein gutes Reiseerlebnis zu bieten, doch auf jedem anderen Flug gebe ich das auch.»

Sport spielt auch im Leben des Piloten eine wichtige Rolle. Unregelmässige Arbeitszeiten und Jet-Lag-bedingter Schlafentzug erfordern einen gesunden Körper, weshalb Tilly öfter mit dem Mountainbike unterwegs ist und regelmässig joggen geht. Als Leser von Tillys Blog lernt man denn auch viele seiner Flugdestinationen aus der Sicht eines Joggers kennen, der am Strand von Los Angeles, frühmorgens im New Yorker Central Park oder auf den Hügel Mont Royal in Montreal rennt.

Auch Limmattal ist im Blog

Neben Tillys Reisedestinationen sind auch prominente Limmattaler Orte im Blog vertreten – wie der Egelsee, zu dem er gerne mit dem Bike radelt, das Schwimmbad Fondli, wo er sich im Sommer abkühlt oder der Gubristtunnel, den er auf dem Arbeitsweg durchfährt. An mehr als einer Textstelle hofft der Pilot, ans andere Ende zu gelangen, ohne im Stau stecken zu bleiben. Auf die Verkehrssituation der Nordumfahrung angesprochen, reagiert er mit Schmunzeln: «Verglichen mit São Paulo ist der Verkehr im Gubrist fliessend.» Es komme immer auf die Sichtweise an. Er sei gerne im Limmattal zu Hause, sagt der gebürtiger Schlieremer, der sein Buch mit dem Satz beginnt: «Wer von Dietikon nach Schlieren wandert und nichts erlebt, der wird auch auf einer Weltreise nichts erleben.»