Sobald die Musik ertönt, kann Jathee Ramanathan nicht mehr still stehen. Zuerst zuckt nur ein Finger, dann die Hand und schliesslich folgen die Arme. Innert wenigen Sekunden ist der ganze Körper des 19-Jährigen in Bewegung. Er tanzt «Freestyle» – also frei, ohne jegliche Choreografie. Für diese Art des Tanzens brennt er am meisten. Verschiedene Stile zu kombinieren ohne sich einzuschränken sei «sein Ding», sagt der Fahrweider.

Jathee Ramanathan tanzt «Freestyle» - ohne Choreographie

Jathee Ramanathan tanzt «Freestyle» - ohne Choreographie

«Alles auf Anfang», ruft Sarah Keusch durch den Tanzsaal im Salsarica in Zürich und unterbricht damit Jathee Ramanathans spontane Tanzeinlage. Die Choreografin trainiert ihn und «Team Rot» für den grössten Schweizer Tanzwettkampf «The Dance». Es bleiben nur noch einige Tage, bis es am 30. April ernst wird und die Jugendlichen gegen die andere Gruppe, «Team Weiss», im Hallenstadion antreten. Jede Einzelheit muss sitzen. Jathee Ramanathan ist hoch konzentriert. Auch wenn er erst vor wenigen Jahren damit begonnen hat, nach einer Choreografie zu tanzen, sitzt die Schrittabfolge perfekt. Zu Beginn sei es zwar schwierig gewesen, den ganzen Ablauf aufzunehmen, doch Sarah sei die ideale Tanzlehrerin, sagt er.

Schön sei es, dass man sich auch selbst einbringen könne, sagt der junge Tänzer. Innerhalb der Choreografie tanze er zusammen mit zwei anderen Tänzern ein Trio. Dieses hätten sie selbst kreieren dürfen.

Sieben Stunden am Tag

Mit dem Tanzen begonnen hat Jathee Ramanathan vor zehn Jahren. Damals noch im stillen Kämmerchen, ohne Zuschauer. Erst fünf Jahre später nahm er zum ersten Mal Tanzunterricht und belegte Kurse. Seit nun zwei Jahren ist er Mitglied bei «Flow to Flow», einer Tanzgruppe in Zürich. Zwei Mal wöchentlich trainieren die Talente gemeinsam. Jetzt, wo bald die grosse Show im Hallenstadion bevorsteht, reichen zwei Mal nicht mehr aus. Bis zu sieben Stunden und vier Mal die Woche ist der junge Limmattaler in Bewegung. Viel Freizeit bleibe da nicht. «Viel Schlaf ist genau so wichtig wie das Training», sagt er.

Das Training sei hart, motivieren müsse er sich dafür aber nicht. «Ich liebe was ich tue. Nie konnte ich mir etwas anderes vorstellen, als Tänzer zu werden», sagt er. Seine Träume sind gross. 3000 Zuschauer im Hallenstadion seien zwar schon viel, doch er wolle vor noch mehr Leuten auftreten. Los Angeles: Das sei das Ziel. Bald schon internationale Erfolge feiern zu können wäre Jathee Ramanathans Wunsch. Seine Familie unterstützt ihn auf seinem Weg. Sie seien sehr stolz, dass es nun vorangehe mit seiner Karriere, sagt er. Mit seinen 19 Jahren wirkt der Tänzer bereits sehr erwachsen. Er betont, diese Professionalität sei wichtig, um im Business zu bestehen. Klar: Ausserhalb der Trainingszeiten seien er und die anderen Mitglieder ganz normale Jugendliche. Sobald man aber auf der Tanzfläche stehe, sei man eine Einheit. «Da spielen Dinge wie Sympathie keine Rolle. Jeder ist gleichwertig, wir sind ein Team.» Sogar mit einem seiner besten Freunde, der im «Team Weiss» tanzt, spricht er nicht über die bevorstehende Show. «Wir sind da Gegner, keine Freunde», sagt er. Es sei streng geheim, wer welche Choreografie einstudiere.

Im zweiten Anlauf

Den Platz bei «The Dance» musste sich Jathee Ramanathan hart verdienen. Bei der Vorauswahl – den «Auditions» – verlor er den finalen Zweikampf. Doch der junge Tänzer nutzte seine Chance im Recall und schaffte es doch noch weiter in die Showgruppe. Wenn er etwas wolle, dann arbeite er solange an sich, bis es klappt, sagt er. «Das Tanzen hat mich einfach gepackt und nie wieder losgelassen.»