Urdorf
Diese Schüler dürfen einmal im Auftrag der Poesie Bühnenluft schnuppern

Das Urdorffest wird auch von Schulklassen genutzt um sich von der besten Seite zu zeigen. Das seit neun Jahren etablierte Poesiecafé der Sekundarschule im Moosmatt, fand dieses Jahr im grösseren Rahmen statt.

Senada Haralcic
Merken
Drucken
Teilen
Die Schüler sangen auch Lieder, wie zum Beispiel „S Zundhölzli“ von Mani Matter, bei dem sogar das Publikum leise mitsang.

Die Schüler sangen auch Lieder, wie zum Beispiel „S Zundhölzli“ von Mani Matter, bei dem sogar das Publikum leise mitsang.

Senada Haralcic

Während draussen das Urdorffäscht seinen Lärmpegel dank zahlreicher Besucher beibehält, ist es in der Aula des unweit entfernten Schulhauses Moosmatt fast auf unheimliche Weise still. Doch dann gehen die Scheinwerfer an und aus allen Ecken erscheinen einzelne Schüler, die ihre Gedichte vortragen. Die Aufmerksamkeit des Publikums folgt den Scheinwerfern quer durch den Saal, denn die Hauptbühne ist keineswegs der einzige Ort des Geschehens.

Immer wieder meldet sich ein neues Gesicht aus einer anderen Ecke zu Wort und rezitiert die poetischen Stücke aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Zum Programm gehören Texte von Tucholsky, Goethe oder Brecht, doch auch modernere Gedichte und Lieder fanden Platz im Repertoire. Entwickelt wurde dieses in einer Zusammenarbeit zwischen den Lehrern und den Schülern.
«Wir haben die Oper Aida von Verdi ausgesucht, um die Gedichte der Schüler musikalisch zu untermalen», erklärt Roger Lämmli, Regisseur der Aufführung. Der Leiter der Musikpädagogik des Zürcher Opernhauses arbeitet im Rahmen des Projekts «Premierenklasse» jährlich mit acht Schulklassen. Das Ziel: Die Schüler sollen mit Unterstützung der professionellen Musiker in einem intensiven Programm eine Produktion erarbeiten. «Sei es Ballett oder Poesie - Hauptsache, es ist ein Schritt in die Öffentlichkeit», erklärt Lämmli. Denn solch eine Erfahrung sei Gold wert. Für das Poesiecafé am Urdorffäscht hat der Regisseur gleich vier Opernsänger und ein kleines Orchester zusammengestellt, die zwischen den Gedichten immer wieder das Rampenlicht mit der Schulklasse teilen.

Spontanproben im Matheunterricht

Auch der Lehrer der Schüler, Peter Lanzendörfer, hat tatkräftig bei der Umsetzung mitgeholfen: «Wir haben die Gedichte zusammen ausgesucht. Dann habe ich immer wieder - zum Beispiel im Matheunterricht - ein paar Schüler dazu aufgefordert, spontan ihr Gedicht aufzusagen», so der Lehrer.
Das Poesiecafé gibt es in Urdorf schon seit neun Jahren. Die Idee dafür stammt ebenfalls vom Oberstufen-Lehrer, aber noch nie habe es in solch grossem Rahmen stattgefunden: «Ich bin unglaublich erleichtert und zufrieden», schwärmt Lanzendörfer nach dem Auftritt. Auch Roger Lämmli ist begeistert von der Zusammenarbeit: «Das Ziel war, dass die Schüler die Gedichte nicht nur vortragen, sondern auch verstehen. Sie sollen entdecken, welche Kraft hinter den Worten steckt», erklärt der Regisseur. Das sei zwar teils mühevolle Arbeit gewesen, aber beide sind sich einig: Es habe sich gelohnt.
Die Schüler konnten so Themen wie Tod, Schrecken, Krieg und Frieden thematisieren. «Das braucht Überwindung, aber sie konnten viel daraus lernen», so Lämmli. Besonders Goethes «Erlkönig» habe die Schüler beeindruckt. Und die Zuschauer wohl ebenfalls: Schliesslich applaudierte das Publikum begeistert nach dem kleinen Ausflug in die Welt der Poesie.

Die Schüler mussten die Gedichte nicht nur auswendig lernen sondern auch verstehen. Das Publikum freute sich über das Zitieren von Tucholsky, Goethe und Brecht.
14 Bilder
Die Schüler mussten die Gedichte nicht nur auswendig lernen sondern auch verstehen. Das Publikum freute sich über das Zitieren von Tucholsky, Goethe und Brecht.
Die Schüler sangen auch Lieder, wie zum Beispiel „S Zundhölzli“ von Mani Matter, bei dem sogar das Publikum leise mitsang.
Rund vier Opernsänger des Opernhaus Zürich begeisterten auf professionelle Weise mit Stücken aus Aida von Verdi.
Die Schüler mussten die Gedichte nicht nur auswendig lernen sondern auch verstehen. Das Publikum freute sich über das Zitieren von Tucholsky, Goethe und Brecht.
Zusammen auf der Bühne: Professionelle Opernsänger und die Schüler der Oberstufe Moosmatt teilten sich das Rampenlicht.
Besonders Goethes Erlkönig beindruckte die Kinder. „Es kostete sie Überwindung den Tod zu thematisieren, aber dann zeigten sie grosses Interesse“, schwärmt der Lehrer, Peter Lanzendörfer.
Die Schüler mussten die Gedichte nicht nur auswendig lernen sondern auch verstehen. Das Publikum freute sich über das Zitieren von Tucholsky, Goethe und Brecht.
Zusammen auf der Bühne: Professionelle Opernsänger und die Schüler der Oberstufe Moosmatt teilten sich das Rampenlicht.
Rund vier Opernsänger des Opernhaus Zürich begeisterten auf professionelle Weise mit Stücken aus Aida von Verdi.
Die Schüler sangen auch Lieder, wie zum Beispiel „S Zundhölzli“ von Mani Matter, bei dem sogar das Publikum leise mitsang.
Roger Lämmli, Leiter der Musikpädagogik Opernhaus Zürich, arbeitete während Wochen mit den Kindern für die grosse Aufführung des Poesiecafé.
Viola Kritzer (v.l.) und Naemi Walder waren sehr nervös vor dem Auftritt. „Aber dann lief es besser als gedacht“, sagen die Schülerinnen nach dem Auftritt von rund 140 Personen.
Peter Lämmli (v.l.) und Peter Lanzendörfer haben während Wochen intensiv mit den Kindern gearbeitet.

Die Schüler mussten die Gedichte nicht nur auswendig lernen sondern auch verstehen. Das Publikum freute sich über das Zitieren von Tucholsky, Goethe und Brecht.

Senada Haralcic