Jahreswechsel
Diese Projekte beschäftigen das Limmattal im neuen Jahr

Eine politische Kampfwahl, erste Sprengungen am Gubrist und der geplante Baustart der Limmattalbahn – im neuen Jahr werden die grössten Limmattaler Bauprojekte immer sichtbarer und wichtige Entscheide stehen an.

Sandro Zimmerli
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2016 haben die Arbeiten am Gubrist begonnen, 2017 starten die Sprengungen.Chris Iseli

2016 haben die Arbeiten am Gubrist begonnen, 2017 starten die Sprengungen.Chris Iseli

Chris Iseli
  • Unterengstringen stellt die Weichen

Den 12. Februar 2017 dürften sich viele Unterengstringer dick in ihrer Agenda angestrichen haben. Dann stimmen sie an der Urne darüber ab, ob Primarschulgemeinde und politische Gemeinde per 1. Januar 2018 zu einer Einheitsgemeinde verschmelzen sollen. Bis jetzt spricht nicht viel dagegen, dass es tatsächlich dazu kommen wird. Gemeinderat, Schulpflege und Rechnungsprüfungskommission empfehlen ein Ja. Sollten die Stimmberechtigten Ja sagen, wäre Unterengstringen in guter Nachbarschaft. Denn in Oberengstringen und Weiningen ist die Einheitsgemeinde bereits realisiert.

  • Bezirk wählt aus drei Kandidaten aus

Drei Kandidaten, ein Sitz – Kampfwahlen gibt es immer wieder. Jene um das Amt des Bezirksstatthalters, die am 12. Februar stattfindet, ist wegen ihrer turbulenten Vorgeschichte dennoch eine besondere. Sie geht zurück auf das Jahr 2015. Ins Rollen brachte den Fall eine Beschwerde zweier Mitarbeitenden von Statthalter Adrian Leimgrübler über dessen Amtsführung beim kantonalen Ombudsmann. Dieser reichte darauf eine Anzeige wegen Begünstigung und Rechtspflegedelikten bei der Oberstaatsanwaltschaft ein. Parallel gab die Justizdirektion eine externe Untersuchung in Auftrag, die ergab, dass sich Leimgrübler «mehrere Pflichtverletzungen zuschulden kommen lassen» habe. Nachdem Leimgrübler zuerst freigestellt wurde, erreichte ihn im Dezember 2015 die fristlose Kündigung. Dagegen hatte er rekurriert. Der Rekurs wurde mittlerweile abgelehnt. Leimgrübler zieht ihn nun ans Verwaltungsgericht weiter. Das Strafverfahren gegen ihn läuft nach wie vor.
Im Juli dieses Jahres gab die FDP des Bezirks dann bekannt, sie werde Leimgrübler nicht wieder für die Bezirksratswahlen im Februar 2017 nominieren. Die Partei sei gemeinsam mit Adrian Leimgrübler zum Schluss gekommen, dass eine Kandidatur nicht sinnvoll sei, solange das Strafverfahren noch nicht abgeschlossen sei. Anfang September nominierte die FDP den Zürcher Juristen Simon Hofmann als Kandidaten für die Nachfolge Leimgrüblers im Statthalteramt. Kurz darauf nahm die Geschichte eine weitere Wendung. Leimgrübler teilte mit, er habe sich entschlossen, auf seinen Entscheid zurückzukommen und trotzdem anzutreten. Die FDP wird dennoch an Hofmann als Kandidaten festhalten. Komplettiert wird das Kandidatenkarussell vom parteilosen Juristen Ramon Steffen aus Dietikon. Im letzten Moment gab er seine Kandidatur bekannt.

  • Schon dieses Jahr sind am Gubrist Sprengungen zu hören

Bald wird am Gubrist gesprengt. Die Hauptarbeiten für den Ausbau der Nordumfahrung sind angelaufen. Gemäss aktueller Planung des Bundesamtes für Strassen (Astra) starten diesen September die Sprengungen – und zwar im Portalbereich auf der Seite Zürich Affoltern. Sie dauern bis im Frühjahr 2018. Auf der Seite Weiningen wird laut Astra ab Ende 2017 bis im Frühjahr 2018 gesprengt. Danach sollten die Sprengarbeiten an der Oberfläche nicht mehr wahrnehmbar sein.
Der Tunnel selbst wird voraussichtlich im Herbst 2019 ausgebrochen sein und die neue Röhre 2022 in Betrieb gehen. Sobald der Verkehr dort rollen kann, werden die beiden bestehenden Röhren saniert. 2025 sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein und am Gubrist insgesamt sieben statt wie bislang vier Fahrstreifen zur Verfügung stehen. Gleichzeitig zum Ausbau der Nordumfahrung sind in Oetwil, Geroldswil, Weiningen und Unterengstringen sogenannte flankierende Massnahmen geplant, um die Ortschaften vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Auch diesbezüglich dürfte sich 2017 einiges tun.
In Oetwil und Geroldswil sind die Projekte an der Limmattalstrasse noch durch Einsprachen blockiert. Der Kanton befindet sich derzeit in Verhandlungen mit den Einsprechern. Ziel sei es, die Projekte in den ersten Monaten dieses Jahres durch den Regierungsrat festsetzen zu lassen. In Weiningen will die kantonale Baudirektion das Projekt für die Umgestaltung der Badenerstrasse Anfang 2017 auflegen. Gleiches plant die Gemeinde für ihre Vorhaben an der Zürcherstrasse. Frühestens 2020 soll die Umlegung der Niederholzstrasse in der Fahrweid, die grösste aller flankierenden Massnahmen, umgesetzt werden. Der Kanton arbeitet derzeit das Vorprojekt aus. Gemäss Baudirektion soll voraussichtlich im zweiten Quartal 2017 dann das Mitwirkungsverfahren starten.
Keine Einsprachen mehr offen sind in Unterengstringen. Dort sind flankierende Massnahmen auf der Zürcherstrasse, im Abschnitt zwischen Brunnmattstrasse und Widenbüelstrasse, vorgesehen. Es ist geplant, dass der Regierungsrat das Projekt im Januar oder Februar festsetzt. Auch bezüglich des «Deckels» beim Gubristportal in Weiningen wird dieses Jahr ein weiterer Entscheid gefällt. Die Gemeindeversammlung wird im Frühjahr über den Gestaltungsplan für das Gubristareal befinden.

  • Gleich in drei Gemeinden beziehen Schulen im Sommer ihre Neubauten

Schulraumplanung ist angesichts der wachsenden Bevölkerung ein grosses Thema im Limmattal. Daher verwundert es nicht, dass neue Schulhäuser gebaut werden. Aussergewöhnlicher ist es aber, wenn in einem Jahr gleich in drei Gemeinden neue Schulgebäude eröffnet werden. Der grösste Neubau befindet sich in Schlieren. 75 Millionen Franken kostet das Schulhaus Reitmen, das im Sommer bezogen wird. In der neuen Schulanlage mit 23 Klassenzimmern werden rund 450 Schulkinder unterrichtet.
In Birmensdorf wird die Primarschule ebenfalls im Sommer das Schulhaus Haldenacher beziehen. Der Neubau wird zehn neue Klassenzimmer sowie Gruppenräume beherbergen. Gleich zwei Neubezüge stehen dieses Jahr in Oberengstringen an. Zum einen wird die Erweiterung des Oberstufenschulhauses Allmend fertig. Die Schule gewinnt so unter anderem fünf neue Klassenzimmer und fünf neue Gruppenräume. Speziell ist das Schulhaus Lanzrain, weil dessen Räume sowohl für Kindergarten- als auch für Primarschulunterricht geeignet sind, je nach Platzbedarf. Vorerst werden im Sommer drei Kindergartenklassen einziehen. Sollte die Schutzverordnung für das Dietiker Flachmoor Schach dieses Jahr in Kraft treten, dann könnte es auch mit dem Schulhaus im Limmatfeld vorwärtsgehen. Denn wegen der fehlenden Moorschutzverordnung ist der Gestaltungsplan für das Gebiet Silbern-Lerzen-Stierenmatt derzeit sistiert.
Und noch ein öffentliches Gebäude wartet dieses Jahr darauf, bezogen zu werden, das neue Gemeindehaus in Unterengstringen. Am 1. Juli ist die Bevölkerung zu einem Tag der offenen Tür geladen.

  • Geroldswil befindet über Millionen-Bau

Die Zentrumsentwicklung von Geroldswil geht bislang reibungslos vonstatten. Einer Überbauung des Kiesplatzes unterhalb des Gemeindehauses steht fast nichts mehr im Wege. Im Dezember genehmigte die Gemeindeversammlung einstimmig den Gestaltungsplan für das sogenannte Baufeld Ost. Die nächste und letzte demokratische Hürde wird nun die Abstimmung am 21. Mai 2017 sein, wenn das Stimmvolk an der Urne über den 36-Millionen-Franken-Kredit für die Überbauung abzustimmen hat. Vorgesehen ist ein Gebäude mit insgesamt 27 Wohnungen sowie einer Coop-Filiale im Erdgeschoss.

  • Viele Strassenbaustellen künden den bevorstehenden Baustart an

An Baustellen ist man sich im Limmattal gewöhnt. 2017 werden neue dazukommen. So haben etwa die Planer der Limmattalbahn alle Einsprachen abgearbeitet. Nun fehlt noch die Baubewilligung des Bundesamts für Verkehr, damit der Bau losgehen kann. Mit dem Entscheid ist in der ersten Jahreshälfte zu rechnen. Der geplante Baustart im Herbst für die erste Etappe bis Schlieren liegt damit im Bereich des Möglichen.
Mit der Bewilligung wird der Bund auch über 60 Einsprachen entscheiden, bei denen die Limmattalbahn AG mit den Begehrenstellern nicht einig wurde. Mit der Inbetriebnahme der Bahn, die ab 2022 bis Killwangen verkehren wird, soll der Durchgangsverkehr im Raum Schlieren/Dietikon in Ost-West-Richtung zukünftig über die Bernstrasse abgewickelt werden. Damit diese Verkehrsverlagerung bis dahin realisiert werden kann, müssen verschiedene Kreuzungen und Strassen in Schlieren, Dietikon und Urdorf um- und ausgebaut werden. Einige dieser Arbeiten laufen bereits oder wurden abgeschlossen. Andere folgen 2017. Etwa bei der Kreuzung Schönenwerd in Dietikon. Dort muss die Brücke über die Bahngleise ersetzt und ausgebaut werden. Die Vollsperrung beginnt im Januar und dauert bis Dezember. Im Frühling starten die Arbeiten an der Birmensdorfer- und der Feldstrasse in Urdorf.