Wahlportrait (1)

Diese Politikerin will die Welt verändern

Dietiker SP-Kantonsrätin Rosmarie Joss.

Dietiker SP-Kantonsrätin Rosmarie Joss.

Die az stellt im Wahlportrait Rosmarie Joss aus Dietikon vor. Die 28-jährige SP-Politikerin will in den Nationalrat – und die Welt verändern. Verkehrspolitik und Sozialversicherungen zählen zu ihren Schwerpunkten.

«Was ich immer wollte in der Politik: Die Welt verändern», sagt Rosmarie Joss und lacht herzhaft. Doch mit ihrer Antwort auf die Frage, was sie in Bern wolle, ist es der Nationalratskandidatin ernst. Sie sei eine «Überzeugungstäterin», sagt die Dietiker SP-Gemeinderätin und Kantonsrätin. Denn Politik ist für die 28-Jährige gleichermassen eine Leidenschaft wie auch eine wichtige Notwendigkeit. «Vieles ist nicht so, wie es sein sollte und das will ich ändern», sagt sie.

Dass es sie nun nach Bern zieht, ist ein logischer Schritt für Joss, die in ihrem jungen Alter schon eine steile Politikarriere vorweisen kann. Kein Wunder, wuchs sie doch in einem politischen Haushalt auf: Vater Ernst Joss sitzt für die AL im Dietiker Parlament, ihre Mutter Anita Marchetto, im Jahr 2007 verstorben, war einst Gemeinderätin für die Grünen, Bruder Christian Joss ist in der Juso.

Video-Interview mit  Nationalratskandidatin Rosmarie Joss

Video-Interview mit Nationalratskandidatin Rosmarie Joss

Rosmarie Joss, die schon im Alter von 10 Jahren ihren Schulkollegen auf dem Pausenplatz erklärte, was es mit der EWR-Abstimmung auf sich hat, trat bereits mit 15 Jahren den Jungsozialisten bei, zwei Jahre später war sie SP-Mitglied. Seit 2006 – damals war sie 23 – ist sie im Dietiker Gemeinderat, zwei Jahre später wurde sie SP-Fraktionschefin. Unterdessen ist sie Präsidentin der SP Dietikon und seit letztem Jahr sitzt sie im Kantonsrat.

Verkehr und Sozialversicherungen

Doch angetrieben wird die politische Senkrechtstarterin, die bereits zum dritten Mal für den Nationalrat kandidiert, nicht von Karrieregedanken sondern von Zielen. Das Limmattal brauche dringend eine Vertretung in Bern, sagt sie: «Die Agglomerationen sind zu wenig präsent im Nationalrat. Dabei spielen sie eine wichtige Rolle und tragen grosse Lasten, gerade im Bereich Verkehr.»

Verkehrspolitik zählt Joss denn auch zu einem ihrer politischen Schwerpunkte. Doch glaube sie nicht daran, dass man das Verkehrsproblem lösen könne, indem man «immer noch eine Autobahnspur mehr und mehr» baue. Vielmehr solle auf ein noch effizienteres Netz von öffentlichem Verkehr gesetzt werden, findet Joss.

Ein grosses Anliegen ist ihr auch das Thema Sozialversicherungen, deren Auswirkungen das Limmattal ebenfalls besonders stark zu tragen habe, wie sie sagt. «Auch deshalb brauchen wir eine Stimme in Bern.» Daneben interessiert sie sich insbesondere für Finanzpolitik, denn als typische SP-Politiker ist ihr die Verteilungsgerechtigkeit eines der wichtigsten Themen. Dafür, dass etwa zwei Prozent der Schweiz so viel gehöre wie dem Rest, sei die Politik stark verantwortlich, findet sie.

«Will mich nicht verrückt machen»

Um solche Ungerechtigkeiten zu ändern, brauche man Visionen, ist sie überzeugt. Wer allzu pragmatisch sei, erreiche nichts, meint Joss, die in ihrer Freizeit zum Ausgleich Bratsche in einem Orchester spielt. Ob es denn reicht bis nach Bern, stehe in den Sternen: «Wünschen würde ich es mir sehr, aber ich will mich nicht verrückt machen.» Joss, die als Doktorandin im ETH-Laboratorium für physikalische Chemie arbeitet betont, es sei wichtig, dass man nicht alles auf die Karte Politik setze. Trotzdem will sie nicht ausschliessen, dass es je eine Bundesrätin Rosmarie Joss geben könnte. Doch zuerst kommt der Nationalrat.

In dieser Woche werden in der az Limmattaler Zeitung die Spitzenkandidierenden der vier wählerstärksten Parteien im Bezirk Dietikon vorgestellt. Morgen: Dominik Tiedt (FDP).

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