GC Amicitia Zürich
«Diese Partie müssen wir gewinnen»: Der Dietiker Simon Schelling vor dem Cup-Spiel gegen Möhlin

Der Dietiker Simon Schelling trainiert mit GC Amicitia Zürich für die neue Saison.

Michel Sutter
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Mit starkem Reflex wehrt Simon Schelling im Training von GC Amicitia Zürich einen Schuss ab.

Mit starkem Reflex wehrt Simon Schelling im Training von GC Amicitia Zürich einen Schuss ab.

Michel Sutter

Die Handballer von GC Amicitia Zürich wärmen sich zu Beginn ihrer Trainingseinheit in der Saalsporthalle auf. Sie spielen einander den Ball zu – nicht mit den Händen, sondern mit den Füssen. Besonders engagiert zeigt sich Simon Schelling, der den Ball immer wieder fordert. «Wir spielen zum Aufwärmen manchmal Fussball», sagt der Torhüter.

Schelling steht seit einem Jahr bei GC Amicitia Zürich unter Vertrag. Der ehemalige Torhüter des HC Dietikon-Urdorf hat mit den Stadtzürchern eine schwierige erste Saison erlebt: Der stolze Verein musste in die Abstiegsrunde, und das, nachdem man zu Beginn der Saison noch die Finalrunde als Ziel herausgegeben hatte. «Wir haben schon vor der Saison gewusst, dass es nicht einfach werden würde», gibt Schelling zu bedenken.

«Schlussendlich fehlten uns vier Punkte auf Bern, das sich noch für die Finalrunde qualifizierte.» Immerhin konnten die Stadtzürcher in der Abstiegsrunde frühzeitig den Ligaerhalt sichern – und das trotz der Abgänge zweier Leistungsträger, Branimir «Branko» Koloper und Matias Helt Jepsen. «Die beiden standen auch in der Hierarchie ganz oben», erklärt Schelling. «Das machte es für uns noch schwieriger.»

Schwierig war die Saison aber auch für Schelling persönlich. «Ich habe am Anfang den Tritt nicht gefunden», gibt der 22-Jährige zu. Dadurch musste er auf der Torhüterposition seinem Konkurrenten Flavio Wick weichen. «Er hat gut gespielt», anerkennt der Dietiker. «Danach habe ich aber einen Steigerungslauf hingelegt.» In der Abstiegsrunde war Schelling dann als Torhüter Nummer eins gesetzt.

Studium neben dem Handball

Während er einerseits um den Ligaerhalt kämpfte, durfte er andererseits sein Studium nicht vernachlässigen. Der Handballprofi absolviert die Berufsmittelschule im Selbststudium, was für ihn drei Stunden pauken pro Tag heisst – neben dem Training. Für Schelling keine zusätzliche Belastung, im Gegenteil: «Das Selbststudium bietet mir eine gute Abwechslung zum Handball», sagt der gelernte Hochbauzeichner. «Wichtig ist einfach, dass man sich den Tag genau einteilt und auch genügend schläft.»

Noch ein Jahr dauert das Studium, für das sich Schelling bewusst entschieden hat. «Es eröffnet mir zusätzliche berufliche Perspektiven, falls ich mal vom Handball genug haben sollte», meint er. Doch so weit ist es noch nicht. «Momentan mache ich mit dem Handballsport das, was ich am liebsten mache», sagt Schelling. «Es ist ein Privileg für mich, Handball spielen zu können, und ich bin sehr dankbar dafür.» Für dieses Privileg gibt der 22-Jährige viel. Zweimal pro Tag trainieren er und seine Teamkollegen, um sich auf die neue Saison vorzubereiten – und das an fünf Tagen die Woche.

Die aktuelle Phase der Vorbereitung sei die spannendste, so Schelling. «Vorher haben wir Athletik trainiert, das war Knochenarbeit», erklärt er. «Aber jetzt geht es um Taktik, Abläufe und Absprachen.» Und diese Abläufe und Absprachen sind für die Zürcher Handballer besonders wichtig, da sie im Vergleich zur vergangenen Saison einen regelrechten Umbruch erlebt haben: Neben Koloper und Helt Jepsen haben noch ein weiteres halbes Dutzend Spieler den Verein verlassen, viele sind neu dazugestossen. «Wir sind eine zusammengewürfelte Truppe», sagt Schelling deshalb.

«Wir müssen erst lernen, miteinander zu kommunizieren.» Das bedeutet für ihn als Torhüter: «Ich muss mich mit meinen Vorderleuten verständigen können und, wenn es nötig ist, auch mal laut werden dürfen, ohne dass jemand gleich beleidigt ist.» Und das gehe eben dann am besten, wenn man einander gut kenne und gut miteinander auskomme.

Erster Prüfstein im Cup

Momentan befinden sich die Spieler aber noch auf dem Weg zu diesem Ziel. Denn die ganze Mannschaft trainiert erst seit zweieinhalb Wochen zusammen. Doch Schelling gibt sich zuversichtlich. «Wir sind auf einem guten Weg», sagt er. Das liege auch daran, dass viele Spieler ähnlich alt seien: «So ist es deutlich einfacher, sich zu finden, weil alle auf einer Wellenlänge sind und sich gut miteinander verstehen.»

Noch haben sie Zeit, sich aufeinander abzustimmen. Der erste Prüfstein folgt am 24. August im Cup gegen den Nationalliga-B-Ligisten Möhlin. «Eine Partie, die wir gewinnen müssen», sagt Schelling. Dann beginnt die Meisterschaft. Das Ziel ist es, in die Playoffs vorzudringen, die nach der Verkürzung der Finalrunde neu mit acht statt nur sechs Teams durchgeführt werden. Dazu müsste GC Amicitia Zürich also mindestens Achter werden. Besser wäre ein Platz weiter oben, sagt Schelling: «Unter den ersten sechs.» So oder so sei es wichtig, gut in die Meisterschaft zu starten. «Und dann müssen wir so viele Punkte wie möglich holen», sagt er entschlossen.