Limmattal

Diese Online-Plattform führt per Mausklick zur Tür des Nachbarn

Sie zeigen, wie es funktioniert: Sarah Neff (links) und Arianna Seiler, zwei von drei Gründerinnen der Plattform nachbarli.ch. Darina Schweizer

Sie zeigen, wie es funktioniert: Sarah Neff (links) und Arianna Seiler, zwei von drei Gründerinnen der Plattform nachbarli.ch. Darina Schweizer

Die Online-Plattform nachbarli.ch will Menschen aus der Region besser vernetzen. Ab März ergänzt neu eine Nachbarschafts-Tauschbörse das Angebot, auch sonst hat sich seit der Gründung vor einem Jahr viel getan.

Gibt es in meiner Nachbarschaft eine Tagesmutter? Wohnen in Weiningen noch weitere Recycling-Interessierte? Wo kann ich in meiner Region einen Yogakurs buchen? Solche Informationen erfuhr man früher meistens beim Schwatz auf dem Dorfplatz. Doch viele Menschen aus dem Limmattal arbeiten heutzutage auswärts, haben einen Freundeskreis, der zum Teil auch weiter weg wohnt, und beziehen Informationen über regionale Angebote häufiger übers Internet.

Für die drei Weiningerinnen Sara Neff, Carmen Imfeld und Arianna Seiler war dies der Grund, einen digitalen Dorfplatzaustausch zu realisieren. Auf der Website nachbarli.ch, die von ihrem Verein Spagat betrieben wird, kann man sich mit Personen über gemeinsame Interessen austauschen, das Tagesmenü des Restaurants Linde einsehen oder über regionale Ausflugsziele diskutieren. Bald werden sich Limmattaler Nachbarn via nachbarli.ch auch Gegenstände ausleihen können. Am 1. März wird die Funktion «Leih’s dir aus» aufgeschaltet.

Ein Jahr nach dem offiziellen Start hat die Vernetzungsplattform Mitglieder aus 15 Gemeinden aus dem Zürcher und Aargauer Limmattal angezogen. Sie tauschen Neuigkeiten aus, bieten via Marktplatz Sachen an oder stellen ihren Verein vor. «Neben den registrierten Mitgliedern hat die Seite zahlreiche Besucher, die sich über Neuigkeiten oder Anlässe informieren», sagt Sarah Neff.

Alles auf einen Blick

2015 hat die Weiningerin gemeinsam mit ihren beiden Freundinnen den Verein Spagat gegründet, um sich bei der täglichen Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinen, gegenseitig zu unterstützen. Die Plattform nachbarli.ch ist das erste grosse Projekt des Vereins. «Unser Ziel ist einerseits die Vernetzung von Bewohnern, damit sie bei allgemeinen Fragen oder der Suche nach Hilfestellung auf ein Umfeld in nächster Umgebung zurückgreifen können.

Gleichzeitig bezwecken wir ein lebendiges Dorfleben, indem die Seitenbesucher erfahren, welche Produkte und Dienstleistungen sie in ihren Gemeinden erhalten und welche Kulturanlässe hier stattfinden», sagt Neff. Dank dem auf einer Website gebündelten Informationsangebot fahre man vielleicht nicht immer automatisch nach Zürich, sondern kaufe beim lokalen Blumenladen oder buche einen lokalen Kurs. Das Lädelisterben sei sowohl für die Detaillisten wie auch die Bewohner ein Problem, da sich ihre Gemeinden damit in reine Schlafdörfer transformierten.

Die Registrierung ist für Privatpersonen gratis, Vereine und Firmen zahlen einen Mitgliederbeitrag. Nach der Anmeldung wird überprüft, ob die Person, der Verein oder die Firma existiert. Danach wird ein Brief mit den Zugangsdaten an die angegebene Adresse geschickt. «Uns ist es wichtig, dass die Mitglieder verifiziert sind», sagt Sarah Neff. Jeder trete mit dem richtigen Namen in Erscheinung, Pseudonyme seien nicht erlaubt. «Die Leute sollten darauf vertrauen können, dass es die anderen Mitglieder wirklich gibt und sie diese in ihrer Nachbarschaft orten können. So können sie vielleicht eines Tages an deren Tür klingeln, wenn sie etwas benötigen oder einen Kaffee trinken wollen», sagt Neff.

Viel Lob für das Projekt

Das Feedback zum virtuellen Dorfplatz sei durchgehend positiv, freut sie sich. Sowohl über die Kommentarfunktion der Website wie auch im persönlichen Kontakt sei die Initiative gelobt worden. «Es gibt Vereine, die uns mitteilen, sie hätten ähnliche Pläne gehabt, seien dann aber am Zeitaufwand gescheitert», sagt Neff. Ein zusätzlicher Aufwand wird mit der Leihbörse auch auf die drei Weiningerinnen zukommen, zumal jeder Eintrag vor seiner Freischaltung auf Korrektheit überprüft wird: «Gesunder Menschenverstand und Respekt im Umgang miteinander ist unser Credo», sagt Neff.

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