Stürmische Begeisterungsrufe füllen die Turnhalle der Kaserne Reppischtal. Über 300 Soldaten sind eben in spontanen Applaus ausgebrochen, nachdem Regierungspräsident Mario Fehr (SP) anlässlich seiner Ansprache verraten hatte, dass der Bierausschank auf seine Initiative zurückgeht. Der Gerstensaft aus einer Winterthurer Brauerei wird am Apéro zur Entlassungsfeier Armeeangehöriger der Bezirke Dietikon und Horgen denn auch von den meisten Armeeangehörigen und Gemeindevertretern dem kantonseigenen Wein vorgezogen. Das Bier passe zur ungezwungenen Atmosphäre der Feier, ist sich eine Gruppe junger Männer, die eben durch Oberst Daniel Bosshard aus dem Dienst entlassen wurde, einig.

Schlafsäcke sind beliebt

Bevor die Männer – Frauen befanden sich keine unter den Ausgemusterten – offiziell auf die Befreiung von ihrer Militärpflicht anstossen dürfen, müssen sie im Rahmen der Entlassungsinspektion einen nicht enden wollenden Parcours in den Kellerräumen der Kaserne durchlaufen. Immerhin besteht das Material der Wehrmänner aus 150 Teilen. In Anwesenheit des Aufgebotenen wird jedes seiner Magazine, jedes Taschenmesser und jeder Helm genauestens geprüft. Nach nur eineinhalb Stunden sind alle 320 Soldaten von ihrer Ausrüstung befreit.

Sollen die Ärmel nun nach vorne oder nach hinten?

Sollen die Ärmel nun nach vorne oder nach hinten?

An der Entlassungsfeier für Armeeangehörige in der Kaserne Birmensdorf wird nichts dem Zufall überlassen.

«Nicht alles muss bei der Entlassung aus dem Dienst abgegeben werden», sagt Peter Hotz, Presseverantwortlicher der Kaserne Reppischtal. Zahlreiche Ausrüstungsbestandteile wie Stiefel, T-Shirts oder Rucksäcke könnten die Ausgemusterten bei Bedarf behalten. «Viele Soldaten behalten ihre Militärschlafsäcke, die dann in grosser Anzahl an Open-Air-Festivals zu sehen sind», so Hotz.

Selbst die Dienstwaffe darf ein ehemaliger Armeeangehöriger erwerben. Der Interessent muss dazu einen Waffenerwerbsschein vorweisen und in den letzten drei Jahren vor der Entlassung das obligatorische Programm sowie das Feldschiessen je zweimal absolviert haben. Nur noch fünf bis sieben Prozent der Entlassenen würden heute ihr Sturmgewehr erwerben, sagt Oberst Bosshard. Vor der Waffenerwerbsschein-Pflicht habe ein Viertel nach Wehrdienstende die Waffe behalten.

Die Erfahrung aus dem Militärdienst sei wertvoll, sagt Sicherheitsdirektor Fehr in seiner Rede an die aus dem Armeedienst Entlassenen. Die jungen Männer sollten diese ins Leben nach der Armee mitnehmen, etwa, indem sie das Gelernte in Vereine und Politik ihrer Gemeinden einbrächten, die auf engagierte Leute angewiesen seien. Der Militärdienst habe tatsächlich eine positive Wirkung, bestätigte eine Gruppe Dietiker Männer beim Aperitif. Man eigne sich soziale Kompetenzen an wie Gruppenzusammenhalt und lerne, sich an Regeln zu halten. Einer der wenigen kritischen Kommentare liess sich ein Schlieremer entlocken: «Würde die Privatwirtschaft so funktionieren, wie es eine WK-Truppe tut, würde sie schon längst zusammenbrechen.»