Gaswerk

Diese Maschine markiert einen Teil der Schlieremer Geschichte

Die Dampfmaschine im Gasi-Museum wird am Sonntag ab 11 Uhr in Betrieg genommen. (Archiv)

Die Dampfmaschine im Gasi-Museum wird am Sonntag ab 11 Uhr in Betrieg genommen. (Archiv)

Obwohl die Gasi-Arbeiter schon längst aus dem Schlieremer Stadtbild verschwunden sind, lassen sich noch Spuren von damals finden. Eine davon ist die imposante Dampfmaschine, die rund zehn Mal jährlich vorgeführt wird.

Keines der heute zehn aktiven Mitglieder des technikgeschichtlichen Vereins Zürcher Unterland arbeitete noch beim Gaswerk Schlieren. Doch können sich der heutige Vizepräsident Urs Kloter und Kassier Werner Bosshard noch gut erinnern, wie Vereinsmitglieder früher die Anlagen in- und auswendig kannten. «Sie machten ihre Ausbildung beim Gaswerk und waren völlig angefressen von den Maschinen», sagt Kloter.

Bosshard ergänzt: «Wir hingegen haben uns den Umgang mit der Dampfmaschine selbst beigebracht – learning by doing.» Er blickt über die imposante Gasi-Dampfmaschine im Museum an der Turmstrasse.

Der Verein mit seinen rund 100 Aktiv- und Passivmitgliedern ist von der Besitzerin der Liegenschaft und der Maschine, der Stadt Zürich und Energie 360 Grad, damit beauftragt, dieses «technische Juwel», wie es auf der Website heisst, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Neben privaten Führungen etwa für Schulen, wirft der Verein die Maschine an vier Sonntagen im Jahr für die Öffentlichkeit an.

«Besonders viele Technikinteressierte kommen an diesen Sonntagen, denn diese Dampfmaschine ist schon etwas ganz Spezielles», so Kloter.

Kleine Reparaturen am Kessel

Bezüglich des Zustands der Dampfmaschine ist der Verein zufrieden. Vor rund 20 Jahren wurden das Gebäude und die Maschine saniert. Heute verrichtet der Verein kleine Reparaturen, etwa beim Dampfkessel. «Diese Maschine ist für die Ewigkeit gebaut», sagt Kloter. Noch zahlreiche Generationen werden die Maschine in Schlieren bestaunen kommen können.

Einer, der sich als Schulkind ebenfalls von der Dampfmaschine faszinieren liess, ist der heutige Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP). «Als Elfjähriger durfte ich einen Vortrag zum Thema Gaswerk halten», sagt er auf Anfrage. Nach einer Führung sei er tief beeindruckt gewesen von der Grösse, dem Kohlendreck und vom Lärm der Maschinen.

Neue Einflüsse für das Stadtbild

Für die Stadt Schlieren bleibe das Gaswerk – obwohl es abseits des Stadtzentrums liegt – ein wichtiger Arbeits- und Freizeitort. Künftig werde die Bedeutung des Gaswerks gar noch steigen. «Denn es ist ein Areal, das noch viel Potenzial birgt. Für Gewerbe und Logistik ergeben sich zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten, zumal das Areal nahe der Stadt Zürich liegt. Die Nähe zur Limmat ermöglicht die Entwicklung hin zu einem Kultur- und Freizeitraum.»

Doch was hat das Gaswerk der heutigen Stadt hinterlassen, abgesehen von den geschichtsträchtigen Gebäuden? «Die physische Präsenz des Gaswerks im Stadtbild schwindet», so Bärtschiger. In Schlieren sehe man schon lange keine Arbeiter mit kohleverschmierten Gesichtern mehr. Tatsächlich bleibe noch ein schneller Blick auf die noch bestehenden historischen Bauten aus dem Zug oder aus dem Auto.

Der Gasometer nebenan, welcher der Stiftung Gasometer Schlieren gehört und in einem schlechten Zustand ist, thront neben dem Turmbau. Der Zweck der Stiftung ist, den Gasometer als Industriedenkmal von Schlieren zu erhalten. Doch haben sich aus dem Gaswerk neue Einflüsse auf das Stadtbild entwickelt, wie Bärtschiger feststellt. «Die wertvollen Kunstgegenstände der Künstlerkolonie auf dem Gaswerk prägen heute die Plätze und Strassen von Schlieren.»

Am Sonntag ist der letzte öffentliche Betriebstag der Dampfmaschine für dieses Jahr. Ab 10 Uhr öffnen die Türen des Gasi-Museums an der Turmstrasse 3 und ab 11 Uhr wird die Maschine in Betrieb genommen.

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