Heute Abend wird ein grosses Fernsehpublikum Vivienne Oesch auf dem Laufsteg zuschauen. Sie gehört zu den 24 Models bei der ersten Staffel der Sendung Switzerland’s next Topmodel. Die 18-jährige modelt jedoch schon seit drei Jahren. Deshalb besucht sie im Gegensatz zur Mehrheit ihrer gleichaltrigen Kollegen kein reguläres Gymnasium, sondern absolviert ein Ferngymnasium. So kann sie sich die Zeit selbst einteilen, was ihr mehr Flexibilität verschafft. Eine gute Ausbildung ist ihr trotz Modeltraum wichtig.

«Schon als ich 12 Jahre alt war, wurde ich auf der Strasse darauf angesprochen, ob ich nicht modeln wolle. Damals war ich jedoch noch viel zu kamerascheu, um darauf einzugehen», sagt sie. Mit 15 Jahren nahm sie spontan am Elite-Model-Look-Wettbewerb teil – wie einst Topmodel-Host Manuela Frey –, wurde jedoch nicht zur Siegerin gekürt. Dank der Teilnahme kam sie auf den Geschmack und bewarb sich erfolgreich bei einer Agentur, welche sie aufnahm. Seither ist das Modeln nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken.

Die Aescherin liebt es, bei Modeschauen über den Catwalk zu laufen. «Obwohl man nach einem Shooting das Resultat in den Händen halten kann, gefällt mir das Laufen noch ein bisschen besser.» Sie nahm dieses Jahr sogar an den Castings für die Mailänder Fashionweek teil, doch musste wegen einer Operation an ihrem Fuss frühzeitig nach Hause reisen.

Sie wurde angefragt

Ihre Teilnahme bei «Switzerland’s next Topmodel» wurde von den Produzenten selbst initiiert, diese fragten die damals noch minderjährige Aescherin an. «Ich ging sofort zu meinen Eltern und fragte sie als Erstes, ob das überhaupt real sei!» Für Oesch war klar: Sie wollte unbedingt teilnehmen. Auch ihr Umfeld sah das so. Da sie schon seit längerer Zeit modelte und stark unterstützt wird von Familie und Freunden , erhielt sie viel Zuspruch zur Teilnahme. «Aber ich habe es nur meinen engsten Leuten erzählt. Ich wollte, dass alle mitfiebern, sie sollten es selbst rausfinden», sagt sie schmunzelnd.

Beim Debüt von Switzerland’s next Topmodel dabei zu sein, empfindet sie als grosse Ehre. Sie habe sich bei den Dreharbeiten persönlich weiterentwickeln können. Doch so eine Show, bei der man rund um die Uhr aufeinandersitzt, sei kein Zuckerschlecken. Da könne es auch mal Knatsch geben – und jeder schaut mit. «Immer wenn viele Menschen auf so engem Raum zusammenleben, gibt es irgendwie Zickereien», sagt Oesch.

Sie selbst sei aber immer ehrlich und äussere es auch, wenn sie etwas stört. Deshalb sei sie auch eine versteckte Anführerin und würde von ihren Mitmenschen als Ansprechperson geschätzt. «Ich kann gut helfen und habe deshalb meinen festen Platz in einer Gruppe.»
Oesch liebt das Modelbusiness. Auch weil man mit so vielen verschiedenen Leute zu tun habe, denn sie arbeite sehr gerne mit Menschen zusammen. «Klar lernt man auch mal blöde Leute kennen – aber das gibt’s in jedem Business.» Die Modewelt sei zwar anstrengend, aber sie könne sich nichts vorstellen, das besser zu ihr passe.

Krankheit hält sie nicht auf

Oeschs grösstes Vorbild ist ihre Oma. Sie habe viel von ihrer Einstellung geerbt. Was das Modeln anbelangt ist Stefanie Giesinger, Gewinnerin von «Germany’s next Topmodel» 2014, ihre Inspiration. «Sie zeigt, dass man auch mit einer Krankheit seinen Traum leben und Erfolg haben kann.»

Sie selbst leidet unter Histamin-, Gluten- und Laktoseintoleranz. Davon sei die Histamin-Intoleranz das Schlimmste: Ohnmacht, Atemnot und Herzrasen sind die Folgen eines Histaminschocks. Zurzeit könne sie nur dreissig verschiedene Lebensmittel konsumieren. Aber Vivienne Oesch lässt sich dadurch nicht aufhalten und kann inzwischen gut damit umgehen.

«Vivienne ist Vivienne.» Sie verbiege sich nicht und will mit ihrer Persönlichkeit überzeugen.
Ob ihr das auch auf der grossen Bühne gelingt, wird sich heute Abend bei der Premiere zeigen.