Friedensrichter

Diese Limmattaler Friedensrichter besitzen ein spezielles Diplom

Enrico Denicolà und Christa Maag haben während ihrer Ausbildung verschiedene Elemente der Mediation kennen gelernt.

Enrico Denicolà und Christa Maag haben während ihrer Ausbildung verschiedene Elemente der Mediation kennen gelernt.

Für die Dietiker Friedensrichterin Christa Maag und ihren Geroldswiler Amtskollegen Enrico Denicolà ist Kommunikation zentrales Element ihrer Arbeit. An der Hochschule Luzern haben sie ihr Wissen darüber vertieft.

«Der beste Prozess ist derjenige, den Sie vermeiden können», lautet das Motto von Enrico Denicolà. Mit diesem einen Satz umreisst der Geroldswiler Friedensrichter den Kern seiner Aufgabe. Als Schlichtungsbehörde auf Gemeindeebene unternimmt der Friedensrichter den ersten Versuch, Streitparteien auszusöhnen. In rund zwei Dritteln der Fälle gelingt ihm das. «Dadurch entlasten wir die Gerichte und den Steuerzahler», sagt Denicolà.

Zertifizierte Friedensrichter

Auch Denicolàs Amtskollegin aus Dietikon, Christa Maag, erzielt bei rund zwei Dritteln aller Fälle eine einvernehmliche Lösung. Überdies verbindet die zwei Friedensrichter noch ein weiterer Punkt. Beide verfügen über das «Certificate of Advanced Studies (CAS) Friedensrichter». Das Zertifikat bildet den Abschluss eines dreijährigen berufsbegleitenden Lehrgangs, der zusammen durch die Fachhochschule Luzern und den Schweizerischen Friedensrichterverband entwickelt wurde. Maag und Denicolà sind die ersten Friedensrichter im Bezirk Dietikon, die diese Ausbildung absolviert haben. Möglich wurde der Lehrgang durch die Inkraftsetzung der neuen eidgenössischen Zivilprozessordnung im Jahr 2011 und der damit einhergehenden Ausweitung des Aufgabenbereichs für die Friedensrichter.

«Wir Friedensrichter im Kanton können bereits vom hervorragenden Ausbildungsangebot des Verbandes der Zürcher Friedensrichter profitieren. Dennoch war es wertvoll, diesen neuen Lehrgang besuchen zu können», so Denicolà. Auch für Maag war die Weiterbildung eine Bereicherung: «Neben den lehrreichen Inhalten konnten wir vor allem unser Kontaktnetz ausweiten. Der dadurch entstehende fachliche Austausch ist gerade bei einem Einzelamt sehr wichtig.»

Der Studiengang war in die Bereiche Amtsführung, Recht und Praxis sowie Kommunikation unterteilt. Die Studierenden mussten immer wieder praktische Aufgaben lösen. Unter anderem wurden sie bei Schlichtungsgesprächen gefilmt. Dort schlüpften sie in die Rolle des Friedensrichters, des Klägers und des Beklagten. «Durch die Aufnahmen konnten wir uns selber beobachten, erhielten aber auch Aufschluss darüber, wie andere uns wahrnehmen», sagt Maag.

Kommunikation ist zentral

Kommunikation, verbal oder nonverbal, ist für Friedensrichter ein zentrales Element ihrer Arbeit. «Für die Aufgabe braucht es eine gewisse Lebenserfahrung, Empathie sowie die Fähigkeit, zuzuhören und Fragen zu stellen», sagt Denicolà. In der Ausbildung habe man verschiedene Instrumente aus der Mediation kennen gelernt. Teile davon könne man bei den Schlichtungsgesprächen erfolgreich einsetzen. ««Man lernt beispielsweise, aktiv zuzuhören und verschiedene Fragetechniken anzuwenden. Häufig hört man eine Aussage und hat das Gefühl, dieser Punkt könne zur Lösung beitragen. Hier gilt es, anzuknüpfen und nachzufragen, damit die wesentlichen Aspekte des Konflikts für die Beteiligten klar erkennbar werden», so Maag.

Auch für Denicolà ist dies ein wichtiges Instrument: «Ich frage nach und formuliere die Aussage in meinen Worten. Es ist wichtig, dass alle verstehen, worüber wir diskutieren.» Ziel sei es, dass eine Diskussion auf Augenhöhe geführt werde. «Ich muss versuchen, die Anliegen der Parteien zu verstehen», so Denicolà.

Oftmals, so Maag, helfe es nur schon, einen Dialog in Gang zu setzen. «Viele Fälle landen beim Friedensrichter, weil die Kommunikation zwischen den Parteien schwierig oder sehr emotional war oder gar nicht mehr stattfand. Als Brückenbauer können wir dazu beitragen, dass überhaupt wieder Gespräche geführt werden.»

Häufig sind es finanzielle Forderungen, Nachbarschaftskonflikte oder arbeitsrechtliche Streitigkeiten, die bei den Friedensrichtern am Tisch verhandelt werden. Diese können bisweilen emotional geführt werden. Es sind Situationen, die beide schon erlebt haben, ohne aber selber Ziel von Attacken geworden zu sein. «Unsere Aufgabe ist es, die Eskalation möglichst tief zu halten. Besteht die Gefahr, dass ein Gespräch aus dem Ruder läuft, muss man die Diskussion unterbrechen oder vertagen», so Denicolà.

Nur schon die richtige Vorbereitung könne zur Lösungsfindung beitragen. «Wichtig ist, dass man eine angenehme Atmosphäre schafft. Ich lüfte beispielsweise das Büro vor einer Sitzung. Auch die Sitzordnung wird entsprechend vorbereitet», sagt Denicolà. In diesem Umfeld falle es leichter, zu verhandeln und eine Lösung zu finden. «Wobei die Lösung von den beiden Streitparteien selber gefunden werden soll. Sie können nicht erwarten, dass wir ihnen fertige Lösungen präsentieren», ergänzt Maag. Die Friedensrichterin sei den Parteien lediglich behilflich, den Weg zu einer einvernehmlichen Lösung zu finden und damit einen Gerichtsprozess zu verhindern.

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