Uitikon
Diese Limmattaler Brüder schlagen hohe Wellen

Henri und Charlie Oldorff aus Uitikon reisen schon in jungen Jahren für den Wasserskisport rund um die Welt

Cynthia Mira
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Die Brüder Charlie (10) und Henri (12) Oldorff bei einem Slalomtraining. Beide feierten schon grosse Erfolge im Wasserskisport.
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Die Brüder Charlie (10) und Henri (12) Oldorff bei einem Slalomtraining. Beide feierten schon grosse Erfolge im Wasserskisport.
Birger Oldorff, Vater von Henri und Charlie: «Das Hobby und der Ehrgeiz werden auch zur Freizeitbeschäftigung für die ganze Familie.»
Henri und Charlie Oldorff aus Uitikon

Die Brüder Charlie (10) und Henri (12) Oldorff bei einem Slalomtraining. Beide feierten schon grosse Erfolge im Wasserskisport.

René Lambrigger

Zwischen den Bergen auf der italienischen Seite am Lago Maggiore gelegen, an einem Ort am Strand, der ohne Auto kaum zu erreichen ist: Dort erholen sich die Brüder Henri und Charlie Oldorff derzeit auf einem Campingplatz, bevor sie wieder für so manche Stunden auf dem Wasser herum kurven und neue Tricks lernen. Ihre jüngsten Erfolge an der Schweizer Juniorenmeisterschaft im Wasserskisport nimmt den beiden keiner mehr.

Henri Oldorff (12), der seit rund sechs Jahren in Uitikon zu Hause ist, holte bei den Junioren-Schweizermeisterschaften 2017 bei den U12 zwei Goldmedaillen in der Slalom- und Figurendisziplin. In diesem Jahr startete er bei den Jüngsten der U14 und gewann Ende Juli im französischen Arc-sur-Tille im Figurenfahren Silber und Bronze im Slalom. Er gehört damit zu den grossen Talenten im Schweizer Wasserskisport. Seit er mit fünf Jahren in Russland das Wassergleiten für sich entdeckte, geht er diesem Hobby mit grosser Leidenschaft nach.

«Um den Sport auszuüben, ist manchmal auch eine gewisse Flexibilität seitens der Schule nötig», erzählt sein Vater Birger Oldorff, denn neben den Wettkämpfen gehören auch Trainingsausflüge an den Wochenenden nach Süditalien oder Frankreich dazu. Für den Saisonstart im März gehe es zudem oft nach Florida, denn um Fortschritte zu erzielen, gäbe es nur eines: Raus auf das Wasser und üben, üben, üben.

Glück im Unglück

Rund 15 Minuten dauert jeweils eine intensive Trainingseinheit, die in der Regel drei bis vier Mal am Tag wiederholt wird und Henri weiss, was ihm daran gefällt: «Man ist alleine draussen auf dem Wasser und auf sich gestellt, das heisst, wenn ein Problem auftaucht, musst du es selber ausbaden. Zudem kann man seine Energie rauslassen», sagt er. An den Wettkämpfen schätze er zudem den Austausch: «Man trifft seine Freunde immer wieder und tauscht sich darüber aus, was man Neues gelernt hat». Sein nächstes grosses Ziel ist der Flip, eine Salto-Bewegung in der Luft, welche ihn schon den einen oder anderen Sturz ins Wasser kostete.

Nur einen Monat vor der Schweizer Meisterschaft gab ihm ein kleiner Unfall, der nicht ganz ungefährlich endete, einen kleinen Dämpfer. Es war ein Aneinanderreihen von schlechten Zufällen und so kam er mit dem Schrecken davon, als sich sein Brett vom Fuss löste und – durch die Luft gewirbelt – ihn auch noch so am Kopf traf, dass im Spital genäht werden musste. «Er hatte Glück im Unglück. Solche Zwischenfälle kommen in dieser Sportart eigentlich nicht vor», erzählt sein Vater, der bei dieser Trainingseinheit mit auf dem Boot war und gleich reagieren konnte.

Der Ambition seines Sohnes tat dies aber keinen Abbruch: «Ich möchte den Trick in dieser Saison noch lernen und ins Programm aufnehmen», sagt er. Eine Chance bietet ihm die letzte Ferienwoche, denn bereits nach der Zeit am Lago Maggiore geht es für ihn weiter nach Frankreich in eine neue Trainingswoche. Bis dahin geniesst er die freie Zeit besonders in seiner Lieblingshängematte zwischen den Bäumen.

Wasserski und Fussball

Dass die Ferienzeit und die Wochenenden oftmals einer sportlichen Betätigung gewidmet sind, gehört auch für den jüngeren Bruder Charlie (10) dazu, denn neben dem Ehrgeiz für den Wasserskisport zeichnet ihn sein Talent im Fussball aus. So trainiert Charlie als Nachwuchstalent bei den U11 beim Grasshopper Club, womit die Zeit auf dem Wasser meistens auf die freien Sonntage fallen, wenn es das Wetter erlaubt: «Bei Wind und Wellen kann man nicht raus und bei Blitz und Donner ist es auch gefährlich, aber wenn es schneit, gehen wir ja auch nicht draussen Fussball spielen», meint er. Stolz ist Charlie auf seinen Trick einer 540 Grad Drehung auf dem Wasser, wobei er bereits für die 720 Grad Drehung trainiert. Bei ihm erreicht das Boot schon eine beachtliche Geschwindigkeit von 52 Stundenkilometern.

Ein Brett mit Geschichte

Mit seinem Wasserskiboard, welches seinen Namen auf der Unterseite trägt, gewann auch Charlie an der Juniorenmeisterschaft bei den U12 Gold im Figurenfahren und Silber im Slalom. «Es war zwar keine grosse Konkurrenz da, aber freut mich», meint er gelassen. Dafür sei das Brett wichtig, denn man müsse sich daran gewöhnen.

«Dieses Brett hat Geschichte geschrieben und gehörte dem international bekannten Schweizer Wasserskifahrer Loris Lambrigger, der damit schon mehrfach Europasieger wurde», ergänzt Birger Oldorff. Es sei ein älteres Modell, welches mit dem Namen Charlie aufgefrischt wurde. Ob er künftig ganz auf den Wassersport setzt, wisse er noch nicht, denn auch im Fussball will er hoch hinaus. Das ambitionierte Ziel lautet: Profikarriere. «Kaum ist er aus dem Wasser, sieht man ihn oft mit einem Ball jonglieren», sagt sein Vater. Für ihn zeichnen die gemeinsamen Ausflüge mit der Familie den Sport aus: «Ich schätze die gemeinsame Zeit auf dem Wasser sehr und das Hobby und der Ehrgeiz für den Sport wird damit auch zur Freizeitbeschäftigung für die ganze Familie», sagt er. Die Söhne seien gerade dabei, an seinem Können vorbeizuziehen.

In besten Händen

Die beiden Oldorff-Brüder gehören dem Wasserski-Club Cham an und trainieren, wenn es die Bedingungen in der Saison zulassen, auf dem Zugersee. Es ist nicht das erste Mal, dass ein erfolgreicher Start seinen Anfang im Limmattal nahm: René Lambrigger zog einst wegen dem Wasserskisport von Dietikon nach Cham: «Meine Söhne Loris und Thierry sind mit dem Sport aufgewachsen und können beide auf eine internationale Karriere mit mehrfach gewonnenen Europameisterschaften blicken», sagt er.

Als Coach von Henri und Charlie Oldorff kann René Lambrigger deren Fortschritte beurteilen: «Eine Einschätzung ist in diesem Alter noch schwierig, aber Henris Talent zeigt sich etwa daran, dass er neue Tricks sehr schnell lernen kann. Tricks, die andere in mehreren Monaten lernen, gelingen ihm nach kurzer Zeit». Wichtig seien der Wille und eine Familie, die dahinterstehe, das Training zu ermöglichen. «Wasserskisport richtet sich nach dem Wetter und man muss deshalb stets dann trainieren, wenn es die Bedingungen zulassen. «Der Reiz für den Sport muss somit an erster Stelle stehen, sonst geht es nicht», sagt er. Diese Voraussetzung sei bei der Familie Oldorff gegeben; sie sei eine typische Wasserskisportfamilie.