Schlieren
Diese Lehrerinnen haben am Montag zum zweiten Mal ihren ersten Schultag

Zwei junge Frauen fühlen sich vor ihrem ersten Arbeitstag als Lehrerinnen ein wenig wie ihre Schüler.

Tobias Hänni (text und Foto)
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Elia Dalla Costa (links) und Martina Schurr haben sich viel Mühe gegeben, damit die Schüler sich willkommen fühlen.

Elia Dalla Costa (links) und Martina Schurr haben sich viel Mühe gegeben, damit die Schüler sich willkommen fühlen.

Tobias Hänni

Es riecht nach frisch gebohnertem Laminat, nach neuen Heften und alten Schulbüchern. Über dem ordentlich eingeräumten Einbauregal mit dem Unterrichtsmaterial hängen fein säuberlich aufgereiht Plakätchen mit dem Alphabet; auf die Wandtafel wurden ein Koala und ein Känguru mit viel Liebe und der Hilfe eines Helmraumprojektors gemalt. Draussen vor dem Schulzimmer hängen Namenstäfelchen an der Garderobe. Es ist alles bereit für den Unterrichtsstart im Schulhaus Hofacker in Schlieren. Und die vertrauten Gerüche und Bilder, sie erinnern an den eigenen, ersten Schultag. Auch die beiden jungen Lehrerinnen Elia Dalla Costa (23) und Martina Schurr (26), die das Schulzimmer so sorgfältig eingerichtet haben.

«Das Gefühl ist ähnlich wie damals, am eigenen ersten Schultag», sagt Martina Schurr. Und ihre jüngere Kollegin Dalla Costa fügt an: «Der erste Eindruck zählt. Die Kinder sollen sich willkommen fühlen.» Deshalb haben sie und Schurr fast die ganzen Sommerferien darauf verwendet, dass anfänglich «erschreckend leere» Klassenzimmer einladend einzurichten. Sie haben die Pulte und Stühle in Kleinformat für die 20 Kinder arrangiert, eine Lese- und Spielecke eingerichtet, Plüschkoalas und -kängurus aufgestellt.

«Wir wollten kuschlige Tiere als Maskottchen für die Halbklassen», erklärt Martina Schurr die Stofftierchen. Neben dem Einrichten des Schulzimmers haben die zwei Lehrerinnen die vergangenen Wochen auch den Unterricht für die einzelnen Fächer geplant. «Nach der langen Vorbereitungsphase bin ich froh, geht es nun endlich los», sagt Elia Dalla Costa.

Zwei paar Augen helfen

Wenige Tage vor dem Schulstart sind die zwei jungen Frauen etwas nervös. Nach dem Abschluss der Pädagogischen Hochschule Zürich 2014 und einem einjährigen Vikariat übernehmen sie nun erstmals die volle Verantwortung für eine Schulklasse. Und die Anspannung, sie ist den beiden Mittzwanzigern im Gespräch im Klassenzimmer anzumerken: Die Worte sprudeln aus ihnen heraus, wenn sie über ihre Ziele und Erwartungen sprechen. «Man will es möglichst perfekt machen», sagt Dalla Costa und meint damit: Ein Umfeld schaffen, das bei den Kindern die Freude am Lernen weckt. «Natürlich ist es wichtig, was die Kinder lernen.» Genauso wichtig sei aber, wie sie den Schulstoff verinnerlichen würden. «Kinder müssen gerne an die Schule kommen.»

Dass sie am Hofacker im Rahmen des Pilotprojekts «Fokus starke Lernbeziehungen» gemeinsam eine Klasse unterrichten, sehen Schurr und Dalla Costa als Vorteil – für die Kinder, aber auch für sich selbst. «Wir haben mehr Zeit, um auf einzelne Schüler und Schülerinnen einzugehen», sagt Schurr. Die Kinder wiederum hätten zwei Bezugspersonen, was helfe, wenn eines zur einen Lehrerin nicht so den Draht habe – was man sich bei den zwei aufgestellten, jungen Frauen aber kaum vorstellen kann.

Nicht zuletzt beurteilen Dalla Costa und Schurr den Team-Unterricht auch im Hinblick auf den Austausch mit den Eltern als positiv. «Zwei paar Augen und zwei Meinungen führen zu einer differenzierteren Perspektive», sagt Schurr. Eine solche könne helfen, wenn im Gespräch mit den Eltern unterschiedliche Vorstellungen bestünden, was gut für das Kind ist. Die verschiedenen Ansprüche und Forderungen der Eltern, denen das Wohl ihres Kindes am Herzen liegt, sehen die zwei als eine der grössten Herausforderungen ihres Berufs. «Am meisten Respekt habe ich davor, den einzelnen Schülern gerecht zu werden und trotzdem nicht den Gesamtüberblick zu verlieren», sagt Dalla Costa. Mit dieser Herausforderung werden die neuen Lehrerinnen am Hofacker aber nicht alleine gelassen. Die Schule hat neben zwei Schulsozialarbeiterinnen etwa auch einen Lehrer für Deutsch als Zweitsprache, der beratend zur Seite steht.

Und so freuen sich die zwei auf ihren – zweiten – ersten Schultag. Und vor allem darauf, bei den Buben und Mädchen Fortschritte zu sehen. «Das ist die grösste Motivation», sagt Dalla Costa. Und Schurr fügt hinzu: «Bestimmt macht es einen stolz, wenn die Kinder nach drei Jahren in die vierte Klasse übertreten.»