Dietikon
Diese Kinder wollen einmal die Natur spüren

Das Pferde- und Eseltrekking in der Freizeitanlage Chrüzacher in Dietikon begeistert Kinder aus dem ganzen Kanton. Daran kann selbst Regen nichts ändern.

Konrad Stähelin
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Kinder beimPferde- und Eseltrekking in der Freizeitanlage Chrüzacher in Dietikon

Kinder beimPferde- und Eseltrekking in der Freizeitanlage Chrüzacher in Dietikon

Schweiz am Sonntag

Anouschka sitzt auf Esel Cápuchins Rücken und strahlt. Zuvor hatte sie sich schüchtern gegeben, jetzt blüht sie auf. Endlich darf sie wieder reiten. Das zweite Mal in ihrem Leben. «Ich will schon lange Reitstunden nehmen, doch meine Mutter lässt mich nicht», erklärt sie. Deswegen habe sie wenigstens heute unbedingt dabei sein wollen.

Die Neunjährige aus Killwangen ist eines von 19 Schulkindern, die am Freitag am Pferde- und Eseltrekking teilnahmen. Quer durch den Guggenbühl- und den Honeret-Wald oberhalb Dietikons, mit je zwei Pferden, Eseln und Hunden. Die Teilnehmenden, fast ausschliesslich Mädchen, waren aus der Stadt Zürich und der Agglomeration angereist. Anouschka ist eine der wenigen aus dem Bezirk Dietikon.

Trekking bereits zum achten Mal durchgeführt

Verantwortlich für die Organisation sind die Mitarbeiterinnen von der Freizeitanlage Chrüzacher, sie führen das Trekking zum achten Mal im Rahmen des Pro Juventute Ferienspasses durch. Die Stadt Dietikon subventioniert das Ganze mit 24 Franken pro Kind. Für den Montag haben sich weitere 20 kleine Reitfans angemeldet, um diesen speziellen Tag zu erleben.

«Mein Lieblingstier ist...» und Fangis: Der Tag beginnt mit Kennenlern-Spielen auf dem Areal des Chrüzachers. Darauf fordern die Reittiere ihre Morgenpflege. Beim Striegeln helfen alle mit. «Ihr dürft mit der Bürste richtig fest drücken, das ist für die Pferde wie eine Massage», instruiert Leiterin Mirjam Spring. Erst dann gehts ab in den Wald. Die Hunde übernehmen gleich die Vorhut. Die Kinder wechseln sich auf den Tieren ab: die älteren hoch zu Ross, die kleinen hintendrein auf den Eseln.

«Ich geniesse den Tag sehr»

Um halb zwölf setzt Regen ein. Die Hunde freuts, die Kinder packen ihre Regenjacke aus. Dass das Wetter nicht hält, nervt Anouschka. Später, während des Mittagessens, meint sie aber: «Das ist auch das Einzige, was mich bis jetzt gestört hat; sonst geniesse ich den Tag sehr.» Der Regen macht Mirjam Spring nichts aus. «Wo sonst können Kinder denn heute noch einen Regenguss im Wald erleben? Anstatt nur vor dem Computer zu sitzen, sollten sie doch auch mal die Natur spüren.» Genau dafür eigne sich eine Veranstaltung wie diese optimal. Dazu komme, dass die Kleinen im Alltag kaum in Kontakt mit Eseln und Pferden kämen. «Wir bieten ihnen die Möglichkeit, Reittiere näher kennen zu lernen und sich mit ihnen zu identifizieren.»

Sollte sich einer der Teilnehmer dabei in die Tiere vernarren, muss er bis zum nächsten Wiedersehen nicht ein ganzes Jahr warten. Denn in den «Tiergruppen» des Chrüzachers können Jugendliche einmal pro Woche Zeit mit ihren Liebligen verbringen und den richtigen Umgang mit diesen erlernen. Wer schon lange genug dabei ist, darf bei den Trekkingausflügen sogar selbst Verantwortung übernehmen und mithelfen.