Schlieren

Diese Kamera misst die Körpertemperatur – lässt sich auch mit Schiebetüren verbinden

Dino Prosdocimi, Verkaufsleiter der Schlieremer Firma Ruf Avatech mit dem neuen Gerät zur Temperaturmessung und Erkennung ob die Person eine Maske auf hat.

Dino Prosdocimi, Verkaufsleiter der Schlieremer Firma Ruf Avatech mit dem neuen Gerät zur Temperaturmessung und Erkennung ob die Person eine Maske auf hat.

Ein Schlieremer Unternehmen vertreibt Kamerasysteme, die fiebrige und maskenlose Personen erkennen.

In China gehören sie längst zum Alltag. Geht es nach dem Schlieremer Unternehmen Ruf Avatech AG sollen Temperaturmessgeräte auch hier bald zur Norm werden. «In der Schweiz ist man noch ein wenig zurückhaltender, doch auch in Italien ist es bereits normal, dass die Temperatur in Restaurants und Einkaufszentren gemessen wird», sagt Dino Prosdocimi, Verkaufsleiter der Ruf Avatech AG in Schlieren. Er steht etwa einen Meter vor einem kleinen Bildschirm mit Wärmebildkameras, die sein Gesicht scannen. Ergebnis: Temperatur im Normbereich, das heisst unter 37,5 Grad. «Erfolgreich eingecheckt», sagt eine Computerstimme. Prosdocimi ist zufrieden, die Maske versteckt sein Lächeln. Stünde er maskenlos vor dem Gerät, würde die Kamera dies bemerken und die Computerstimme ihn mit einer entsprechenden Bemerkung, an die fehlende Schutzmassnahme gegen das Coronavirus erinnern.

Das Gerät mit dem technischen Namen Ruf VisiTemp kann unterschiedlich genutzt werden. Es kann Daten sammeln, speichern und Menschen wiedererkennen, aber auch offline ohne Speicherfunktion verwendet werden. «Datenschutztechnisch haben wir keine Bedenken. Das Gerät kann ganz ohne Vernetzung mit einem System verwendet werden», sagt Prosdocimi. Man könnte die Fiebermess-Kamera auch mit einer Schiebetüre verbinden und so verhindern, dass die Türe aufgeht, wenn jemand keine Maske trägt oder fiebrig ist. Doch so was sei nicht üblich in der Schweiz. «Hier setzt man eher auf Eigenverantwortung», sagt Prosdocimi. Deshalb gibt das Gerät, das im Eingang der Ruf Avatech AG steht, den Vorbeilaufenden nur ihre Temperatur an und prüft, ob sie eine Maske tragen oder nicht. Einen Covid-19-Fall unter den Mitarbeitern sei so bislang noch nicht entdeckt worden.

Lieber Temperatur messen als auf Besuche verzichten

Das Unternehmen ist unter anderem für seine Informations- und Videoüberwachungssysteme für Hochschulen und öffentliche Verkehrsbetriebe bekannt. Mit dem neuen Produkt will die Schlieremer Firma nun für den Moment vorbereitet sein, in dem grossflächige Temperaturmessungen üblicher werden. Die Kunden sind momentan aber noch ein wenig zurückhaltend: «Das Angebot stiess auf offene Ohren, doch solange die Temperaturmessung noch kein Obligatorium ist, werden die Leute noch zuwarten», sagt Prosdocimi. Er ist aber zuversichtlich, dass sich dies ändert, sobald die Leute merken, dass sie sich durch die grossflächige Temperaturmessung strengere Massnahmen sparen können. «Es ist viel besser, wenn man nur die Temperatur messen muss, als wenn man beispielsweise auf den Besuch bei den Eltern im Heim verzichten muss», sagt Andreas Handschin, Marketingleiter des Betriebs. Er hofft, dass die Systeme bald in Alterszentren eingeführt werden.

Mit dem grossen Gerät lassen sich bis zu 50 auf einmal scannen

Neben dem kleinen handlichen Gerät steht noch ein grösseres. Dieses soll rund 50 Personen auf einmal scannen können. Im Unterschied zum kleineren Temperaturmessgerät, das ohne grosse Konfiguration auskommt, benötigt dieses mehr Aufwand. Zudem muss eine Person hinter einem Bildschirm sitzen und die rot umrandeten Köpfe, bei denen eine erhöhte Temperatur gemessen wurde, aus der Menge herauspicken. Das Gerät hat die Form eines niedlichen Pandagesichts, das mit grossen schwarzen Kameraaugen auf die Besucher im Demonstrationsraum der Ruf Avatech AG hinunterschaut. «Ein solches Design ist bei europäischen Kunden eher gewöhnungsbedürftig. In China wird es aber schon häufig ein­gesetzt», sagt Handschin. Aus der Schweiz erhielt er dafür bereits eine Anfrage: Sie kam von einem Grossveranstalter, der damit seine Events trotz Pandemie durchführen will.

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