Die Stimmung ist aufgeheizt, das Publikum in Erwartung einer spannenden Darbietung voller Vorfreude. Auch freie Plätze sind im reformierten Kirchgemeindehaus in Dietikon nur schwer noch zu finden. Dann endlich der Einmarsch der Akteure: Farbe bekennend im Nationaldress von Holland, Italien, Brasilien und vielen mehr. Natürlich ist auch die Schweiz mit ihren roten Shirts dabei. Ein internationales Stelldichein, das seinesgleichen sucht.

Wenn auch noch jung, zwischen 9 und 19 Jahre alt: Die selbst ernannten «Young Stars» dürften nicht zu unterschätzen sein. Was die junge Truppe zahlenmässig überlegen ist, haben ihre Kontrahentinnen jedoch an Routine voraus. Eines ist jetzt schon klar: Das etwas andere Streichquartett «Le Donne Virtuose» wird sich nicht so leicht unterkriegen lassen. Im Tor mit dem Cello steht Eva-Maria Burkhard aus Dietikon. Die Verteidigung, stark besetzt mit der Bratsche, bestreitet Nicole Hitz. Für Druck nach vorne sorgt das vordere Mittelfeld mit Caterina Klemm an der zweiten Geige und Fränzi Frick an der ersten im Sturm. Noch vor dem Anspiel geht eine La-Ola-Welle durch den Saal.

Roter Fussball-Faden ist omnipräsent

Das unter dem Motto «Concertare – KONZERTiert Euch, Kinder!» stehende Spektakel wird der Bezeichnung virtuos allemal gerecht. Passend zum aktuellen Geschehen steht das Konzert der vier Streichmusikerinnen mit ihren jeweiligen Schülern an diesem Sonntag ganz im Zeichen der Fussball-Weltmeisterschaft. Locker, mit einem dem Sportjargon entliehenen Wortschatz, führt der Kapitän von «Le Donne Virtuose», Fränzi Frick, durch das Programm. So entpuppt sich das gut einstündige Vergnügen denn auch mehr als Unterhaltungsshow denn als Konzert.

Die Musik jedoch kommt trotz des omnipräsenten roten Fussball-Fadens nicht zu kurz. Eine kleine musikalische Zeitreise führt zurück an Bord der Titanic, auf einen Besuch zu Ludwig van Beethoven oder ins 18. Jahrhundert zu Antonio Vivaldi. Ob miteinander oder im akustischen Zweikampf: Das ad-hoc zusammengewürfelte Orchester weiss mit seinen Talenten zu erfreuen – obwohl in dieser Zusammensetzung nur gerade zweimal trainiert worden sei, wie Frick verrät. Dies erklärt allenfalls auch die doch eher quartettgeprägte musikalische Unterhaltung.

«Orchester ist wie eine Mannschaft»

Beim Publikum jedoch kommt das etwas andere Konzert sehr gut an. «Musik und Fussball geben einen guten Vergleich her», findet Peter Müdespacher: «Ein Orchester ist wie eine Mannschaft: Beides braucht Einsatz, Training und zuweilen muss auch in der Musik der innere Schweinehund überwunden werden.» Trotz allem habe auch die musikalische Qualität nicht gefehlt: «So etwas habe ich in meinen 80 Jahren noch nicht gehört», so Müdespacher.

Gar von einem «Wunder von Dietikon» spricht Giuseppe Maranghino schmunzelnd. Seine Frau Brigitte erklärt: «Es war sensationell und wie immer sehr lustig.» Fränzi Frick freut sich über das gute Feedback und betont: «In der Musik hat alles Platz, sie muss nicht immer nur ernst sein.» Ausserdem könnten mit einem solchen Konzert vielleicht auch Leute für die klassische Musik interessiert werden, die damit sonst nichts am Hut haben. Zur Einstimmung auf das erste WM-Spiel der Schweiz vom Sonntagabend macht die Schweizer Nationalhymne dann den Schluss der unterhaltenden Show – wie sich gezeigt hat, mit einer Wirkung, die bis nach Brasilien reichte.