Manuela Krah lag völlig entspannt bei der Masseuse auf der Pritsche, als ihr plötzlich das Gesicht eines Mannes vor dem inneren Auge erschien. Dasselbe Gesicht sah sie dann auf einem Foto an der Türe zum Massageraum noch einmal. Es ging ihr in den folgenden Tagen nicht mehr aus dem Kopf und so informierte sie sich bei der Masseurin über die rätselhafte Person auf dem Foto. So gelangte sie an einen peruanischen Mann, der in England Kurse für sogenannte «sweat lodges» – Schwitzhütten – anbietet.

Das Prinzip ist simpel: In einfach konstruierten, zeltartigen Hütten wird Wasser über glühend heisse Steine in der Mitte geschüttet. Dadurch bildet sich ein heissfeuchtes Klima. Das Ganze ähnelt einem Dampfbad – mit dem Unterschied, dass sich die Schwitzhütten in freier Natur befinden. Sie sollen ursprünglich besonders bei Indianern Nordamerikas beliebt gewesen sein, vermutlich aber auch bei anderen Völkern der Nordhalbkugel, sogar in der Schweiz, wie Krah sagt.

Als Naturfreundin war Krah fasziniert von dem Konzept der Schwitzhütten. Sie liess sich vom Peruaner in dieser naturvölkischen Praxis ausbilden und baut nun seit fünf Jahren zusammen mit ihrer langjährigen Freundin Silvia Bren selbst solche Hütten auf. Eine davon steht im Wiesentäli in Weiningen und wird morgen das nächste Mal in Betrieb genommen. Bis November gibt es weitere sechs Daten, an denen man für 50 Franken mitschwitzen kann.

Schwitzen in völliger Dunkelheit

Das kuppelförmige Gerüst der Hütte besteht aus Weiden- oder Haselruten. Mehrere Schichten von Decken auf dem Gerippe sorgen dann im Betrieb dafür, dass die Wärme im Zelt bleibt. Nachdem glühende Steine in eine Ausbuchtung im Inneren gelegt wurden, schüttet man mit Kräutern präparierte Aufgüsse darüber. Dann wird ausgiebig, sitzend oder liegend und in völliger Dunkelheit geschwitzt.

Krah und Bren bieten verschiedene Programme an. Die ursprüngliche indianische Praxis hat rituell-religiösen Charakter. Darum ginge es bei ihrer Schwitzhütte aber nicht, sagt Krah. Stattdessen gibt es beispielsweise eine Geburtstagshütte, bei der die Insassen dem Geburtstagskind im Dunkeln sagen können, was sie an dieser Person besonders schätzen. Für Kinder besteht ein Angebot mit Trommeln, Instrumenten, Singen und Geschichten. «Die Kleinen haben aber allein schon an der Dunkelheit in der Hütte ihren Spass», sagt Bren. Erwachsene hingegen schwitzen bevorzugt im Stillen. «Dabei wird man mit sich selbst konfrontiert und kann sich vielleicht über ein bestimmtes Thema Klarheit verschaffen», sagt Krah.

Was im Zelt geschehe, hänge letztlich auch immer von den Insassen ab. «Es geht uns ums umfassende Wohlbefinden von Körper, Geist und Seele. Wir gehen beide auch in die Sauna, aber das ist etwas anderes», sagt Krah. «Die spürbare Nähe zur Natur lässt einen besser innehalten und entspannen.» Rund vier Stunden dauert solch ein Schwitzhüttenerlebnis. Heisse Steine werden laufend von der verantwortlichen Feuerfrau nachgeliefert, dazwischen gibt es auch Trinkrunden. Wer um seinen Wassergehalt im Körper bangt, kann das Zelt verlassen und sich je nach Jahreszeit ans Feuer setzen oder den lauen Sommerabend mit einem Getränk geniessen.