Birmensdorf

Diese Frauen sägen, hämmern, schleifen und bohren

Frauen und Handwerk: Geht das?

Frauen und Handwerk: Geht das?

Dübel versenken, mit der Stichsäge hantieren, Schranktüren richten – neun Frauen trauen sich und nehmen die Werkzeuge selber in die Hand. Damian Bösch organisiert in Birmensdorf einen Handwerkerkurs für Frauen – ein Augenschein

Es riecht nach Sägemehl, warmem Holz, Weissleim und Bärentatzen, der Stärkung für zwischendurch. Neun Frauen stehen in der Schreinerei D. Bösch in Birmensdorf, jede über eine Handvoll Holzklötzchen gebeugt; die Einzelteile für einen kleinen sitzenden Mann, einen Weinflaschenhalter. Dazwischen stehen die Geschwister Damian und Rahel Bösch, geben hier Ratschläge, verhindern dort ein falsches Bohrloch. Im Hintergrund heult eine Maschine auf. «Das tönt nicht gut», sagt Damian Bösch und eilt zu Hilfe, um kurz darauf erneut zu warnen: «Achtung, Haare! Nicht, dass der Bohrer sie noch mit reinnimmt.»

Was die Frauen hier machen, ist ein Handwerkerkurs für Frauen. Damian Bösch hatte die Idee dafür schon vor längerer Zeit, sie dann aber wieder begraben. Jetzt hat er sie für eine Projektarbeit im Rahmen seiner Weiterbildung zum Werkmeister umgesetzt. «Ein Handwerkerkurs für Frauen, das ist doch mal was anderes», sagt er. Viele Frauen hätten Angst davor, selber ein Bild aufzuhängen. «Hier lernen sie kleine Handgriffe, die zu Hause hilfreich sein können.»

Dübellöcher an Backsteinen

Die Frauen haben am ersten Kursabend Dübellöcher an Backsteinen geübt, mit einer Stichsäge geschwungene Vorlagen aus einer Platte geschnitten, einen Schrank zusammengebaut und die Türen gerichtet, Schrauben versenkt und Löcher gebohrt. Als Krönung schreinern sie sich jetzt am zweiten Kursabend einen Holzmann. Anhand eines Plans müssen sie Unterarme und Oberschenkel, Kopf und Körper auf einer Leiste einzeichnen und mit einer Kippfräse zuschneiden, Dübellöcher reissen und bohren, das Mändli verleimen und am Schluss noch einölen.

Christiane Gallianos hantiert gerade an der Kippfräse, in eine feine Sägemehlwolke gehüllt. «Der Kurs macht Spass, obwohl ich schon einen gewissen Respekt habe vor diesen Maschinen», sagt sie. Aber sie freue sich darauf, künftig nicht mehr für alles ihren Mann zu Hilfe beten zu müssen. «Jetzt traue ich mir zu, so etwas auch selber mal zu machen.»

Männer sind risikofreudiger

Männer seien risikofreudiger, sagt Damian Bösch mit Blick auf die Frauen, die zaghaft die Dübellöcher auf ihren Hölzern einzeichnen und jeden Strich, jede Markierung mehrmals abmessen. «Männer arbeiten in der Regel einfach drauflos und zeigen weniger, dass sie Respekt vor einer Maschine haben», sagt Damian Bösch. Da merke man schon einen Unterschied.

Überhaupt keine Berührungsängste zeigt jedoch Ursula Jutzi: Zackig fährt sie mit der Langlochbohrmaschine ins Holz. «Nicht studieren, einfach Vollgas», sagt sie und lacht. «Wenn ich falsch bohre,
ist es sowieso falsch, ob ich das langsam mache oder schnell.»

Zum Schluss bekommen die Holzmändli eine Gravur, die sich die Frauen selber aussuchen und mittels Vorlage ins Holz fräsen dürfen. Rosemary Eastman lacht, als sie ihren Spruch notiert. Für die stolze Neohandwerkerin steht fest, was sie dem Mändli für einen Schriftzug verpassen will: «Did it myself.»

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