Limmattalbahn
Diese Fragen gäbe es dann noch zu klären, lieber Stadtrat

Dietiker Gemeinderäte fast aller Parteien verlangen in einer dringlichen Interpellation vom Stadtrat ein Bekenntnis für eine vorausblickende Planung.

Sophie Rüesch
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Diese Fragen gäbe es dann noch zu klären, lieber Stadtrat.

Diese Fragen gäbe es dann noch zu klären, lieber Stadtrat.

Visualisierung: Architron

Die Abstimmung ist vorbei, die Limmattalbahn kommt, auch wenn der Bezirk am 22. November mehrheitlich Nein zu den Zürcher Staatsbeiträgen und damit auch zum Gesamtverkehrsprojekt gesagt hat.

Der Dietiker Gemeinderat Lucas Neff (Grüne) und 21 Mitunterzeichnende von SVP, SP, CVP, Grünen, EVP, GLP und AL wollen nun anhand einer dringlichen Interpellation vom Stadtrat in Erfahrung bringen, wie er die Planung des «Jahrhundertbauwerks» begleiten und mitgestalten will.

Die Planungshoheit liegt zwar beim Kanton. Dennoch müsse die Stadt das weitere Vorgehen «aktiv und kritisch begleiten», fordert Neff im Vorstoss, zu dem der Stadtrat in der nächsten Gemeinderatssitzung vom 4. Februar Stellung nehmen muss.

Denn rund um die Baustellen der Bahnlinie und Strassenverkehrsmassnahmen werde «auch Weiteres passieren, das es aktiv zu lenken gilt». Zudem gelte es, eventuelle Chancen im Zuge dieser Entwicklung frühzeitig zu entdecken.

Auf diese Fragen erwarten die 22 Gemeinderäte des Bezirkshauptorts eine Antwort der Exekutive:

Mitwirkung: Für «sehr viele Orte» sei noch keine Lösung vorhanden und der Kanton liefere diese «lediglich passiv», moniert Neff. Dabei brauche es gerade vor Ort «spezifisches Engagement, Know-how und Arbeitsleistung». Neff will vom Stadtrat deshalb wissen, wo er diesbezüglich Handlungsfelder sieht, wie er das Werk strategisch anzugehen gedenkt und welche Arbeitsleistungen durch die Verwaltung abgedeckt sind.

Tramdepot: Weiterhin umstritten ist der Entscheid der Limmattalbahn AG, das für den Betrieb nötige Tramdepot am Standort Müsli an der Grenze Dietikon-Spreitenbach anzusiedeln. Ursprünglich wurde der Standort Asp in Spreitenbach favorisiert.

Da an diesem aber eine kostspielige Altlastensanierung nötig wäre, entschied sich der Verwaltungsrat der AG im Sommer 2014 für das «Müsli». Neff will nun vom Stadtrat wissen, wie er die beiden Standorte gewichtet.

Seine Stadtzürcher Parteikollegin Gabi Petri, die sich daran stört, dass das Depot damit auf gutem Landwirtschaftsland erstellt würde, hat diese Frage übrigens auch schon dem Regierungsrat gestellt.

Dessen kürzlich veröffentlichte Antwort: Das Müsli sei wegen der ansonsten anfallenden Sanierungskosten zu bevorzugen; die Fruchtfolgefläche gehe zudem nicht verloren: Seit 2011 muss wertvolles Ackerland, das durch Infrastrukturbauten verbaut wird, vollständig kompensiert werden – in diesem Fall in Maschwanden.

Anbindung Niderfeld: Das letzte grosse Entwicklungsgebiet der Stadt, das Niderfeld, soll dereinst so gut wie möglich ans angrenzende Gjuchquartier angebunden werden. Bei der Bunkerkreuzung, an der die Limmattalbahn die viel befahrene Überlandstrasse queren wird, ist bereits eine 50 Meter lange Untertunnelung vorgesehen. Doch das ist den Interpellanten nicht genug: Wenn eine Verlängerung dieses Tunnels keine Option sei, schreibt Neff, wie sehe es dann mit «einem Überbrückungswerk» aus? Räumlich, gestalterisch und städtebaulich sei «da sicher etwas Gutes machbar».

Städtebau: Die Entwicklung entlang der Bahnlinie müsse «effektiv an die Hand genommen werden», so Neff. Mit den bisherigen Richtlinien und Absichtserklärungen des Stadtrats gibt er sich nicht zufrieden und will von diesem den aktuellen Stand der Planung in Erfahrung bringen.

Bahnhof: Im Bereich des Dietiker Bahnhofs bestehe noch einiges an Entwicklungspotenzial, findet Neff. Er selbst denkt dabei an den Busbahnhof, den Abschluss der Markthalle gegen die Gleise oder ein «multifunktionales Velohaus Nötzliwiese» – und will wissen, was der Stadtrat bereits anzupacken gedenkt.

Submissionen: Der Stadtrat soll darauf hinwirken, dass bei Planung und Ausführung des Jahrhundertwerks auch Dietiker Unternehmen berücksichtigt werden. Von der Exekutive will Neff wissen, wie sie dies bewerkstelligen kann.

Baustellen: Mit dem Bau der Limmattalbahn-Infrastruktur, den begleitenden Strassenbauprojekten und dem Ausbau der Bremgarten-Dietikon-Bahn auf einen Doppelspurbetrieb kommt in den nächsten Jahren einiges auf das Dietiker Stadtgebiet zu. Wie da «auf strategischer Ebene eine für die Bevölkerung optimale Baustellenführung» zu erreichen ist, soll der Stadtrat in seiner Interpellations-Antwort ebenfalls erklären.

Runder Tisch: Im Juni 2011 wurde auf Begehren des Parlaments ein runder Tisch Limmattalbahn einberufen, in dem Vertretern der Gemeinderatsparteien sowie weitere Interessenvertreter unter anderem Fragen zur Linienführung, Erschliessung und Verkehrskapazität diskutierten. Neff will nun wissen, ob der Stadtrat vorhat, diesen weiterzuführen.